Krankenversicherungen

Private Krankenversicherung: Beiträge sparen durch Tarifwechsel

Die Beiträge zu den privaten Krankenversicherungen sind innerhalb der letzten zehn Jahre kontinuierlich angestiegen: Wie der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) im Dezember 2019 mitteilte, stiegen sie seit 2010 im Durchschnitt für jeden Vollversicherten um 2,3 % pro Jahr an. Im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen dürfen die privaten Versicherer die Beiträge jedoch nicht kontinuierlich und damit in kleinen Schritten erhöhen. Sie müssen damit warten, bis

  • die Leistungsausgaben um mehr als 5 % von der ursprünglichen Kalkulation abweichen oder
  • die Lebenserwartung sich um mehr als 5 % von der ursprünglich vorausgesetzten unterscheidet.

Sofern keine dieser Voraussetzungen erfüllt ist, dürfen die Versicherer grundsätzlich die Beiträge nicht anpassen. Ist jedoch eine dieser Bedingungen eingetreten, müssen sämtliche Berechnungsgrundlagen, die sich im vergangenen Zeitraum verändert haben, an das aktuelle Niveau angepasst werden. Wenn die letzte Beitragsanpassung länger zurückliegt, führen diese Vorgaben zu sprunghaften Beitragserhöhungen. Für 2020 sind davon vor allem die speziellen Beamtentarife betroffen.

Die Erhöhungen gehen dabei sowohl auf die gestiegenen Kosten der medizinischen Versorgung und deren steigenden Technisierungsgrad als auch die Neurungen, die im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung eingeführt wurden, zurück. Auch die seit Jahren praktizierte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank spielt hier eine Rolle, da die Zinsen für die Altersrückstellungen der Versicherer nur noch sehr gering ausfallen.

Der Tarifwechsel spart Beiträge

Seit 2009 haben privat Versicherte die Möglichkeit, ihren Tarif bei derselben Assekuranz zu wechseln. Hierfür ist weder eine neue Gesundheitsprüfung notwendig noch wird ein Risiko hinsichtlich der Altersrückstellungen eingegangen: Sie bleiben in voller Höhe erhalten.

Die Tür zu einer Beitragssenkung, ohne die private Krankenversicherung wechseln zu müssen, öffnet der § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG): Danach dürfen die Versicherungsunternehmen Anträge ihrer Versicherten auf einen Tarifwechsel nicht zurückweisen. Nur wenn der neue Tarif mehr Leistungen bietet als der bisherige, können die Assekuranzen aufgrund der Mehrleistungen Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge verlangen.

Diese Regelung ermöglicht den Versicherten jederzeit den Zugang zu allen angebotenen Tarifen bei der eigenen privaten Krankenversicherung. Sie ist vor allem für Versicherte wichtig, die 55 Jahre oder älter sind und faktisch nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln können. Diese Versichertengruppe ist relativ stark durch hohe Beiträge belastet und kann diese so niedrig halten. Versicherte sollten jedoch darauf achten, dass ihnen der Tarifwechsel keine Verschlechterungen hinsichtlich des Leistungsspektrums bringt.

So sollten privat Krankenversicherte bei einem Tarifwechsel vorgehen

Selbstverständlich können Versicherte selbst auf ihren Versicherer zugehen. Dieser Weg ist jedoch nicht zu empfehlen, weil sich kaum ein Laie ohne Weiteres im Tarifdschungel einer Assekuranz zurechtfindet. Hier sollte ein professioneller Berater eingeschaltet werden. Er stellt den individuellen Bedarf fest, sucht die für den Versicherten passenden Tarife heraus und fordert vom Versicherer Umstellungsangebote an. Im Zuge der Angebotsannahme werden Fragen bezüglich eventuell anfallender Zuschläge geklärt.