Altersvorsorge

Auszahlung Riester-Rente: Optionen und Steuerliche Aspekte

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die vielen Menschen eine zusätzliche finanzielle Absicherung im Ruhestand bietet. Doch wie sieht es eigentlich mit der Auszahlung der Riester-Rente aus? Welche Optionen stehen den Versicherten zur Verfügung und welche steuerlichen Aspekte müssen dabei beachtet werden? Wir haben uns für Sie ausführlich mit den verschiedenen Auszahlungsmöglichkeiten der Riester-Rente beschäftigt. Von der lebenslangen Rente über die Teilauszahlung bis hin zur Abfindung und der Verwendung des Guthabens für Wohneigentum – wir werden alle Optionen im Detail betrachten und mögliche Handlungsempfehlungen geben. Erfahren Sie hier, welche Auszahlungsform für Sie am besten geeignet ist und wie Sie Ihre Riester-Rente optimal nutzen können.

 

Lebenslange Rente als Standardoption

Die lebenslange Rente stellt die Grundform der Riester-Auszahlung dar und entspricht dem ursprünglichen Konzept der staatlich geförderten Altersvorsorge. Bei dieser Variante wird das gesamte angesparte Kapital inklusive Zinsen und staatlicher Förderung in eine monatliche Rente umgewandelt, die bis zum Lebensende gezahlt wird.

Vorteile der lebenslangen Rente:

  • Planungssicherheit durch garantierte monatliche Zahlungen
  • Schutz vor Langlebigkeitsrisiko
  • Keine Gefahr der Kapitalaufzehrung
  • Erhaltung aller staatlichen Zulagen und Steuervorteile

Nachteile:

  • Keine Flexibilität bei veränderten Lebensumständen
  • Kein Kapitalzugriff für größere Anschaffungen
  • Bei frühem Tod geht Restkapital verloren (außer bei Rentengarantiezeit)

Die Höhe der monatlichen Rente hängt vom angesparten Kapital, dem Rentenfaktor des Anbieters und dem Alter bei Rentenbeginn ab. Aktuelle Berechnungen zeigen, dass bei einem angesparten Kapital von 100.000 Euro eine monatliche Rente von etwa 350-400 Euro realistisch ist.

 

Teilauszahlung: Flexibilität mit Grenzen

Seit 2005 ermöglicht das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) eine Teilauszahlung von bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals zu Rentenbeginn. Diese Option bietet eine Kombination aus sofortiger Kapitalverfügbarkeit und langfristiger Rentenzahlung.

Funktionsweise der Teilauszahlung

  • Maximal 30% des Gesamtkapitals können einmalig entnommen werden
  • Der verbleibende Betrag wird in eine lebenslange Rente umgewandelt
  • Die Teilauszahlung unterliegt der vollen Besteuerung zum persönlichen Steuersatz

Steuerliche Behandlung

Die Teilauszahlung wird im Jahr der Auszahlung vollständig als sonstige Einkünfte versteuert. Bei höheren Beträgen kann dies zu einer erheblichen Steuerlast führen, da der progressive Steuersatz greift. Eine strategische Planung des Auszahlungszeitpunkts kann hier steuerliche Vorteile bringen.

Praktisches Beispiel:

Bei einem Gesamtkapital von 150.000 Euro können maximal 45.000 Euro als Teilauszahlung entnommen werden. Der verbleibende Betrag von 105.000 Euro wird verrentet und führt zu einer monatlichen Rente von etwa 370 Euro.

 

Abfindung bei geringem Guthaben

Für Riester-Sparer mit geringem angespartem Kapital besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit einer vollständigen Abfindung. Diese Regelung soll verhindern, dass sehr kleine Rentenbeträge lebenslang verwaltet werden müssen.

Voraussetzungen für eine Abfindung:

  • Das angesparte Kapital führt zu einer monatlichen Rente von weniger als 30 Euro
  • Antragstellung muss bis zum 31. Dezember des Jahres erfolgen, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wird
  • Vollständige Versteuerung des abgefundenen Betrags

Die Abfindungsregelung ist besonders relevant für Personen, die nur kurze Zeit in die Riester-Rente eingezahlt haben oder deren Verträge aufgrund niedriger Beiträge nur geringe Guthaben aufweisen.

 

Wohnriester: Eigenheimfinanzierung und -entschuldung

Die Verwendung für Wohneigentum (Wohnriester) stellt eine besondere Form der Riester-Nutzung dar, die bereits während der Ansparphase oder bei Rentenbeginn genutzt werden kann. Das angesparte Kapital kann für den Erwerb, Bau oder die Entschuldung selbstgenutzten Wohneigentums verwendet werden.

Möglichkeiten des Wohnriesters:

  • Eigenkapitaleinsatz beim Immobilienkauf
  • Tilgung bestehender Immobiliendarlehen
  • Altersgerechte Umbauten der Immobilie
  • Erwerb von Genossenschaftsanteilen

Steuerliche Besonderheiten:

Die für Wohneigentum verwendeten Beträge werden auf einem fiktiven "Wohnförderkonto" erfasst und müssen in der Rentenphase nachversteuert werden. Dies erfolgt entweder durch jährliche Besteuerung von 2% des Wohnförderkontos oder durch einmalige Versteuerung von 70% des Guthabens.

 

Grundlagen der nachgelagerten Besteuerung

Die nachgelagerte Besteuerung bildet das steuerliche Fundament der Riester-Rente und folgt dem Prinzip, dass Beiträge während der Erwerbsphase steuerlich gefördert werden, während die Auszahlungen in der Rentenphase versteuert werden müssen.

Kernelemente der nachgelagerten Besteuerung:

  • Steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge bis zu 2.100 Euro jährlich
  • Steuerfreie Ansparphase (keine Besteuerung von Zinsen und Zulagen)
  • Vollständige Besteuerung der Rentenauszahlungen zum persönlichen Steuersatz
  • Besteuerung von Teilauszahlungen als sonstige Einkünfte

Steuersatz in der Rentenphase

Der persönliche Steuersatz in der Rentenphase ist typischerweise niedriger als während der Erwerbsphase, was den steuerlichen Vorteil der Riester-Rente begründet. Rentner haben in der Regel geringere Einkommen und profitieren von höheren Grundfreibeträgen.

Faktoren für den Rentensteuersatz:

  • Höhe der gesetzlichen Rente
  • Weitere Alterseinkünfte (betriebliche Altersvorsorge, private Renten)
  • Riester-Rentenzahlungen
  • Eventuelle Erwerbseinkommen

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass der durchschnittliche Steuersatz von Rentnern bei etwa 15-20% liegt, während Erwerbstätige oft 25-35% zahlen.

Günstigerprüfung und Zulagenrückzahlung

Bei der Günstigerprüfung prüft das Finanzamt automatisch, ob die Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug höher ist als die erhaltenen Zulagen. Ist dies der Fall, wird die Differenz als zusätzliche Steuererstattung gewährt.

Zulagenrückzahlung bei schädlicher Verwendung:

  • Vorzeitige Kündigung oder Übertragung ins Ausland
  • Verwendung für nicht förderfähige Zwecke
  • Nichtbeachtung der Mindestbeitragspflicht

Die Rückzahlung erfolgt mit 6% Zinsen pro Jahr und kann erhebliche finanzielle Belastungen verursachen.

 

Steuerliche Betrachtung der verschiedenen Auszahlungsformen

Monatliche Rentenzahlungen sind einkommensteuerpflichtig, Teilauszahlungen bieten Steueroptimierungspotenzial und die Besteuerung von Wohnriester erfordert eine langfristige Planung mit speziellen Regeln.

 

Besteuerung der lebenslangen Rente

Die monatlichen Rentenzahlungen unterliegen vollständig der Einkommensteuer und werden als sonstige Einkünfte behandelt. Die Besteuerung erfolgt progressiv, wobei der Grundfreibetrag (2024: 11.604 Euro für Alleinstehende) berücksichtigt wird.

Praktische Auswirkungen:

  • Monatliche Rente von 400 Euro = 4.800 Euro Jahreseinkommen
  • Bei Alleinstehenden oft unter dem Grundfreibetrag
  • Kombiniert mit gesetzlicher Rente kann Steuerpflicht entstehen

 

Steueroptimierung bei Teilauszahlungen

Die Teilauszahlung bietet Möglichkeiten zur Steueroptimierung, erfordert aber sorgfältige Planung. Der einmalig ausgezahlte Betrag wird vollständig im Auszahlungsjahr versteuert.

Strategien zur Steuerminimierung:

  • Auszahlung in Jahren mit geringeren Einkommen
  • Verteilung auf mehrere Steuerjahre durch geschickte Terminierung
  • Berücksichtigung der Progression bei der Höhe der Teilauszahlung
Beispielrechnung:

Bei einer Teilauszahlung von 30.000 Euro und einem Steuersatz von 25% entstehen 7.500 Euro Steuerlast. Bei Verteilung auf zwei Jahre könnten durch niedrigere Progressionsstufen Steuern gespart werden.

 

Besonderheiten bei der Wohnriester-Besteuerung

Die steuerliche Behandlung von Wohnriester folgt besonderen Regeln, die eine langfristige Planung erfordern. Das Wohnförderkonto dokumentiert alle für Wohneigentum verwendeten Beträge inklusive Zinsen von 2% jährlich.

Besteuerungsoptionen:

  1. Jährliche Besteuerung: 2% des Wohnförderkontos werden jährlich als Einkommen versteuert
  2. Einmalbesteuerung: 70% des Wohnförderkontos werden bei Rentenbeginn einmalig versteuert

Die Wahl zwischen beiden Optionen sollte unter Berücksichtigung der individuellen Steuersituation und Lebenserwartung getroffen werden.

 

Sozialversicherungsrechtliche Aspekte

Die sozialversicherungsrechtliche Behandlung der Riester-Rente hängt vom Versicherungsstatus ab:

Pflichtversicherte in der KVdR:

  • Riester-Renten sind sozialversicherungsfrei
  • Keine zusätzlichen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung

Freiwillig Versicherte:

  • Beitragspflicht auf Riester-Renten
  • Erhöhung der Nettobelastung
  • Besonders relevant für Selbständige und Beamte im Ruhestand

Riester-Renten können Auswirkungen auf andere Sozialleistungen haben:

  • Grundsicherung im Alter
  • Wohngeld
  • Krankenversicherungsbeiträge

 

Handlungsempfehlungen für optimale Auszahlungsstrategien

Vor der Entscheidung für eine Auszahlungsstrategie sollte eine umfassende Analyse der persönlichen und finanziellen Situation erfolgen. Dabei sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen:

Finanzielle Faktoren:

  • Höhe der gesetzlichen Rente
  • Weitere Alterseinkünfte
  • Liquiditätsbedarf im Alter
  • Verschuldungsgrad der Immobilie

Persönliche Faktoren:

  • Gesundheitszustand und Lebenserwartung
  • Familiäre Verpflichtungen
  • Risikobereitschaft
  • Vererbungsabsichten

Empfehlungen nach Lebenssituationen

  • Für Normalverdiener mit durchschnittlichen Riester-Guthaben:
    Die lebenslange Rente bietet die beste Planungssicherheit und optimale Nutzung der staatlichen Förderung. Eine Teilauszahlung sollte nur bei konkretem Kapitalbedarf erwogen werden.
  • Für Gutverdiener mit hohen Guthaben:
    Eine Teilauszahlung kann sinnvoll sein, um Liquidität für größere Anschaffungen zu schaffen oder steuerliche Vorteile zu nutzen. Die Höhe sollte unter Berücksichtigung der Steuerprogression gewählt werden.
  • Für Immobilienbesitzer:
    Die Verwendung für Wohnriester kann bei bestehenden Darlehen eine attraktive Option darstellen. Die Entscheidung zwischen jährlicher und einmaliger Besteuerung sollte individuell geprüft werden.
  • Für Geringverdiener mit kleinen Guthaben:
    Bei sehr geringen Guthaben kann eine Abfindung sinnvoll sein, um Verwaltungskosten zu vermeiden. 

Timing-Strategien für die Auszahlung

Das optimale Timing der Auszahlung kann erhebliche steuerliche Vorteile bringen:

Frühe Auszahlung (ab 62 Jahre):

  • Mögliche Steuervorteile bei geringeren Einkommen vor Rentenbeginn
  • Abschläge bei der Riester-Rente sind zu beachten
  • Sinnvoll bei Überbrückung bis zur gesetzlichen Rente

Regulärer Rentenbeginn:

  • Optimale Nutzung der staatlichen Förderung
  • Keine Abschläge
  • Planbare Einkommenssituation

Spätere Auszahlung:

  • Höhere Renten durch längere Ansparzeit
  • Mögliche Steuervorteile bei anderen Einkommensrückgängen
  • Flexibilität bei der Lebensplanung

 

Fazit: Die richtige Auszahlungsstrategie wählen

Die Auszahlung Riester-Rente erfordert eine individuelle Strategie, die auf persönlichen Umständen, finanziellen Zielen und steuerlichen Überlegungen basiert. Die lebenslange Rente bleibt für die meisten Sparer die optimale Lösung, da sie maximale Planungssicherheit bietet und die staatliche Förderung vollständig erhält.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Lebenslange Rente bietet höchste Sicherheit und Förderoptimierung
  • Teilauszahlungen können bei strategischer Planung steuerliche Vorteile bringen
  • Wohnriester eignet sich besonders für Immobilienbesitzer mit Finanzierungsbedarf
  • Die nachgelagerte Besteuerung macht Riester besonders für höhere Einkommen attraktiv

Die Entscheidung sollte nicht isoliert getroffen werden, sondern als Teil einer ganzheitlichen Ruhestandsplanung. Eine professionelle Beratung kann dabei helfen, die optimale Strategie für die individuelle Situation zu entwickeln und dabei sowohl die aktuellen Regelungen als auch geplante Reformen zu berücksichtigen.

Handlungsempfehlung:

Sparer sollten spätestens fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn ihre Auszahlungsstrategie festlegen und dabei alle verfügbaren Optionen sorgfältig prüfen. Die steuerlichen Auswirkungen verschiedener Szenarien sollten durchgerechnet und mit der persönlichen Lebensplanung abgestimmt werden.


Wir übernehmen keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen und schließen Haftungsansprüche aus der Nutzung der Inhalte aus. Dem Nutzer wird dringend empfohlen, für steuerlich relevante Entscheidungen professionelle Beratung einzuholen.