Eine gute Versicherung erkennen Sie nicht allein am Preis. Entscheidend ist zunächst, welches Risiko Sie absichern möchten und welche finanziellen Folgen ein Schaden für Sie hätte. Denn nicht jedes Risiko muss versichert werden – und nicht jede Versicherung ist für jeden Menschen gleichermaßen sinnvoll.
Erst wenn klar ist, welchen Schutz Sie tatsächlich benötigen, lässt sich ein Versicherungsangebot sinnvoll beurteilen. Neben dem Preis spielen vor allem Leistungsumfang, Versicherungssummen, Deckungssummen oder vereinbarte Leistungen, Selbstbeteiligungen, Ausschlüsse und weitere Vertragsbedingungen eine Rolle. Ebenso wichtig ist es, bestehenden Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen und an Veränderungen im eigenen Leben anzupassen.
Welche Versicherungen brauchen Sie wirklich?
Eine sinnvolle Absicherung setzt vor allem dort an, wo ein Schaden Ihre finanzielle Sicherheit oder Ihre langfristige Lebensplanung gefährden könnte. Kleinere Schäden können Sie möglicherweise selbst tragen, während hohe Schadenersatzforderungen, der längerfristige Verlust des Einkommens oder ein schwerer Schaden an einer Immobilie erhebliche finanzielle Folgen haben können. Dieser Gedanke steht auch hinter dem GAU-Prinzip.
Gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen bilden dabei einen Sonderfall. Dazu gehören beispielsweise die Krankenversicherung und für Halter versicherungspflichtiger Kraftfahrzeuge die Kfz-Haftpflichtversicherung. Darüber hinaus hängt der Versicherungsbedarf von Ihrer persönlichen Situation und den Risiken ab, denen Sie tatsächlich ausgesetzt sind.
Statt Versicherungen pauschal in „wichtig“ und „unwichtig“ einzuteilen, sollten Sie deshalb fragen: Welches Risiko besteht bei mir konkret, wie groß könnten die finanziellen Folgen sein und welchen Teil davon kann oder möchte ich selbst tragen?
Leistungen sind wichtiger als der Preis allein
Ein günstiger Beitrag sagt noch wenig darüber aus, ob eine Versicherung im entscheidenden Moment den benötigten Schutz bietet. Deshalb sollten Sie nicht nur Beiträge vergleichen, sondern auch prüfen, welche Leistungen tatsächlich versichert sind und unter welchen Voraussetzungen der Versicherer leistet.
Achten Sie insbesondere darauf, welche Risiken eingeschlossen sind, welche Ausschlüsse gelten und ob Leistungen begrenzt werden. Auch Wartezeiten, besondere Voraussetzungen für eine Leistung und vertragliche Definitionen können darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang Versicherungsschutz besteht. Bei langfristigen Verträgen kann außerdem wichtig sein, ob sich der Versicherungsschutz später an veränderte Lebensumstände anpassen lässt.
Ein sinnvoller Vergleich berücksichtigt deshalb immer Preis und Leistung. Der günstigste Vertrag muss nicht der passende sein – ein höherer Beitrag bedeutet umgekehrt aber auch nicht automatisch besseren Versicherungsschutz. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag „Warum die billigste Versicherung nicht immer die beste Wahl ist“.
Versicherungssummen und Leistungen richtig wählen
Je nach Versicherungsart spielen Versicherungssummen, Deckungssummen oder vereinbarte Leistungen eine wichtige Rolle. Sind sie zu niedrig angesetzt oder zu stark begrenzt, kann trotz bestehender Versicherung ein erhebliches finanzielles Restrisiko verbleiben. Bei Haftpflichtrisiken können beispielsweise sehr hohe Schadenersatzforderungen entstehen. Wie eine Privathaftpflichtversicherung vor solchen finanziellen Folgen schützen kann, hängt wesentlich vom vereinbarten Leistungsumfang ab.
Bei Sachversicherungen spielt dagegen unter anderem der Wert des versicherten Eigentums eine Rolle. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Hausratversicherung. In unserem Beitrag „Hausratversicherung: Worauf Verbraucher achten sollten“ erfahren Sie, welche Bedeutung Versicherungssumme, Leistungsgrenzen und Selbstbeteiligung haben können. Prüfen Sie deshalb nicht nur, ob ein Risiko versichert ist, sondern auch, in welcher Höhe, in welchem Umfang und mit welchen Begrenzungen der Versicherer leistet.
Wann ist eine Selbstbeteiligung sinnvoll?
Mit einer Selbstbeteiligung übernehmen Sie einen vereinbarten Teil eines Schadens selbst. Dadurch kann sich der Versicherungsbeitrag reduzieren. Ob sich das lohnt, hängt von der jeweiligen Versicherung, der tatsächlichen Beitragsersparnis und Ihren finanziellen Möglichkeiten ab.
Eine Selbstbeteiligung sollte deshalb so gewählt werden, dass Sie den Betrag im Schadenfall problemlos selbst tragen können und die Beitragsersparnis in einem sinnvollen Verhältnis zum zusätzlichen Eigenrisiko steht. Pauschale Empfehlungen für eine bestimmte Höhe helfen dabei nur begrenzt. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Beitrag, möglichem Schaden und dem Betrag, den Sie selbst übernehmen können und möchten.
Ausschlüsse und Bedingungen genau prüfen
Mindestens ebenso wichtig wie die versicherten Leistungen ist die Frage, wann eine Versicherung nicht leistet. Ausschlüsse legen fest, welche Ereignisse oder Schäden vom Versicherungsschutz ausgenommen sind. Je nach Versicherungsart können außerdem Wartezeiten, Leistungsgrenzen oder besondere Voraussetzungen gelten.
Lesen Sie deshalb nicht nur die Leistungsübersicht. Entscheidend sind auch die Versicherungsbedingungen und die dort verwendeten Definitionen. Gerade bei langfristigen oder finanziell besonders wichtigen Absicherungen können Details darüber entscheiden, welchen Schutz ein Vertrag tatsächlich bietet. Beim Abschluss bestimmter Versicherungen spielt außerdem die vorvertragliche Anzeigepflicht eine wichtige Rolle.
Bestehende Versicherungen regelmäßig überprüfen
Versicherungsbedarf verändert sich. Berufseinstieg, Partnerschaft, Kinder, eine eigene Immobilie, Veränderungen des Einkommens oder der Übergang in den Ruhestand können dazu führen, dass ein früher sinnvoller Versicherungsschutz nicht mehr zur heutigen Situation passt.
Prüfen Sie deshalb regelmäßig Ihre bestehenden Verträge. Dabei geht es nicht nur darum, mögliche Lücken zu erkennen. Ebenso sinnvoll ist die Frage, ob Versicherungen doppelt vorhanden sind, bestimmte Leistungen nicht mehr benötigt werden oder Versicherungssummen und Vertragsbedingungen angepasst werden sollten.
Eine Überprüfung muss also nicht zu mehr Versicherungen führen. Sie kann genauso bedeuten, einen Vertrag anzupassen oder auf eine nicht mehr benötigte Absicherung zu verzichten.
Was Sie vor einem Versicherungsabschluss prüfen sollten
Bevor Sie sich für einen Vertrag entscheiden, sollten Sie einige grundlegende Fragen beantworten:
- Welches konkrete Risiko möchte ich absichern?
- Welche finanziellen Folgen könnte ein Schaden für mich haben?
- Kann und möchte ich einen Teil dieses Risikos selbst tragen?
- Welche Leistungen bietet der Vertrag tatsächlich?
- Welche Versicherungssummen, vereinbarten Leistungen oder Leistungsgrenzen gelten?
- Welche Ausschlüsse, Wartezeiten oder besonderen Voraussetzungen gibt es?
- Welche Selbstbeteiligung ist vereinbart?
- Besteht für dieses Risiko möglicherweise bereits Versicherungsschutz?
- Passt der Beitrag dauerhaft zu meinen finanziellen Möglichkeiten?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich ein Versicherungsangebot sinnvoll beurteilen und mit anderen Angeboten vergleichen.
Der passende Versicherungsschutz beginnt mit dem richtigen Risiko
Pauschale Listen mit „unverzichtbaren“ oder „überflüssigen“ Versicherungen greifen häufig zu kurz. Eine Privathaftpflichtversicherung schützt beispielsweise vor anderen finanziellen Risiken als eine Wohngebäude-, Berufsunfähigkeits- oder Rechtsschutzversicherung. Ob und in welchem Umfang eine Absicherung sinnvoll ist, hängt von Ihrem persönlichen Risiko, Ihrer Lebenssituation und Ihren finanziellen Möglichkeiten ab.
Der entscheidende Grundsatz bleibt deshalb einfach: Versichern Sie vor allem die Risiken, deren finanzielle Folgen Sie nicht selbst tragen können oder möchten. Erst danach geht es darum, welcher Vertrag dieses Risiko zu angemessenen Bedingungen absichert.
