Beratung zu Versicherungen und Vorsorge

Welche Versicherungen sind überflüssig?

Nicht jede Versicherung, die angeboten wird, ist auch notwendig. Manche Policen sichern Schäden ab, die Sie möglicherweise problemlos selbst bezahlen könnten. Andere überschneiden sich mit bereits vorhandenem Versicherungsschutz oder bieten für einen vergleichsweise kleinen möglichen Schaden einen sehr speziellen Schutz.

Ob eine Versicherung überflüssig ist, hängt deshalb nicht allein von der Art der Versicherung ab. Entscheidend ist, welches finanzielle Risiko tatsächlich abgesichert wird, wie schwer ein möglicher Schaden für Sie wiegen würde und welchen Schutz Sie bereits haben. Eine einfache Orientierung bietet das GAU-Prinzip: Zuerst sollten die Risiken betrachtet werden, deren finanzielle Folgen Sie nicht oder nur schwer selbst tragen könnten. Erst danach stellt sich die Frage, welche kleineren Risiken Sie zusätzlich versichern möchten.

 

Wann kann eine Versicherung überflüssig sein?

Versicherungen sollen finanzielle Risiken auf einen Versicherer übertragen. Je größer die möglichen finanziellen Folgen eines Ereignisses sind, desto wichtiger kann dieser Schutz sein. Bei kleineren Schäden stellt sich dagegen häufiger die Frage, ob eine Versicherung überhaupt notwendig ist.

Eine Versicherung kann insbesondere dann verzichtbar sein, wenn Sie den möglichen Schaden problemlos aus eigenen Mitteln bezahlen könnten, dasselbe Risiko bereits anderweitig abgesichert ist oder der Vertrag nur einen sehr begrenzten Leistungsumfang bietet.

Dabei sollte nicht allein die Wahrscheinlichkeit eines Schadens entscheiden. Ein seltenes Ereignis kann sehr wichtig zu versichern sein, wenn seine finanziellen Folgen erheblich wären. Umgekehrt muss ein häufiger Schaden nicht unbedingt versichert werden, wenn seine Kosten für Sie überschaubar bleiben.

 

Handy- und Geräteversicherungen: Ist zusätzlicher Schutz notwendig?

Beim Kauf eines Smartphones, Tablets, Fernsehers oder Haushaltsgeräts wird häufig direkt eine zusätzliche Versicherung angeboten. Sie kann beispielsweise bestimmte Schäden durch Sturz, Flüssigkeit oder andere Beschädigungen abdecken. Vor dem Abschluss sollten Sie jedoch genau prüfen, welche Schäden tatsächlich versichert sind. Selbstbeteiligungen, Ausschlüsse, Entschädigungsgrenzen oder eine Entschädigung unterhalb des ursprünglichen Kaufpreises können den Nutzen des Vertrages einschränken.

Außerdem sollten Sie eine Geräteversicherung nicht mit Ihren gesetzlichen Mängelrechten oder einer freiwilligen Herstellergarantie verwechseln. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Ansprüche und Leistungen.

Entscheidend ist letztlich eine einfache Frage: Wäre der Verlust oder die Beschädigung des Geräts für Sie ein ernsthaftes finanzielles Problem? Können Sie ein beschädigtes Smartphone oder Haushaltsgerät ohne größere Schwierigkeiten ersetzen, kann zusätzlicher Versicherungsschutz verzichtbar sein.

 

Garantieverlängerungen: Ist zusätzlicher Schutz sinnvoll?

Auch Garantieverlängerungen werden häufig unmittelbar beim Kauf eines Geräts angeboten. Sie sollen bestimmte Reparaturkosten über einen längeren Zeitraum absichern. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jeder Defekt oder jede Reparatur übernommen wird. Vor dem Abschluss sollten Sie deshalb prüfen, wann der zusätzliche Schutz beginnt, welche Schäden er umfasst und welche Ausschlüsse gelten.

Ebenso wichtig ist die Frage, wie hoch die Kosten der Garantieverlängerung im Verhältnis zum Wert des Geräts und zu möglichen Reparaturkosten sind. Wenn eine Reparatur oder ein Ersatz für Sie finanziell gut zu verkraften wäre, benötigen Sie für dieses Risiko möglicherweise keine zusätzliche Absicherung.

 

Brillenversicherung: Lohnt sich die zusätzliche Police?

Eine Brille kann teuer sein. Trotzdem führt ein beschädigtes oder verlorenes Modell normalerweise nicht zu einem finanziellen Schaden, der die wirtschaftliche Existenz gefährdet. Deshalb gehört auch die Brillenversicherung zu den Verträgen, bei denen sich ein genauer Kostenvergleich lohnt.

Entscheidend ist nicht allein, wie viel eine neue Brille kostet. Prüfen Sie, welche Leistungen der Versicherer tatsächlich übernimmt, welche Höchstbeträge gelten und wie viel Sie während der Vertragslaufzeit an Beiträgen zahlen. Können Sie die Kosten einer neuen Brille aus eigenen Rücklagen bezahlen, kann es sinnvoll sein, dieses Risiko selbst zu tragen.

 

Insassenunfallversicherung: Besteht bereits anderer Schutz?

Die Insassenunfallversicherung soll Fahrer und Mitfahrer bei Unfällen im versicherten Fahrzeug absichern. Bevor Sie dafür einen zusätzlichen Vertrag abschließen, sollten Sie jedoch prüfen, welche Ansprüche und Versicherungsleistungen bei einem Verkehrsunfall bereits bestehen können. Je nach Unfallhergang und persönlicher Situation können beispielsweise Ansprüche gegenüber der Kfz-Haftpflichtversicherung eines Unfallverursachers oder Leistungen aus anderen Versicherungen bestehen. Bei versicherten Arbeits- oder Wegeunfällen kann zudem die gesetzliche Unfallversicherung eine Rolle spielen.

Vor allem sollten Sie überlegen, ob Sie Unfallfolgen tatsächlich nur während einer Autofahrt zusätzlich absichern möchten. Eine private Unfallversicherung verfolgt einen anderen Ansatz und kann – abhängig vom Vertrag – Unfälle auch in anderen Lebensbereichen erfassen. Die Insassenunfallversicherung ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass vor einem zusätzlichen Vertragsabschluss zunächst der bereits vorhandene Versicherungsschutz geprüft werden sollte.

 

Krankenhaustagegeldversicherung: Wann ist sie verzichtbar?

Eine Krankenhaustagegeldversicherung zahlt für die versicherte Dauer eines stationären Krankenhausaufenthalts einen vereinbarten Betrag. Ob dieser zusätzliche Geldbetrag benötigt wird, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.

Wichtig ist die Unterscheidung zum Krankentagegeld. Eine Krankentagegeldversicherung kann dazu dienen, einen Einkommensausfall bei längerer Arbeitsunfähigkeit abzusichern. Das Krankenhaustagegeld knüpft dagegen an einen stationären Krankenhausaufenthalt an. Die wichtigere Frage kann deshalb sein, wie Ihre laufenden Kosten bezahlt werden, wenn Ihr Einkommen wegen einer längeren Erkrankung sinkt. Ein zusätzlicher Betrag allein für die Tage im Krankenhaus löst dieses Problem nicht.

 

Reisegepäckversicherung: Wie groß wäre Ihr tatsächlicher Verlust?

Eine Reisegepäckversicherung schützt unter bestimmten Voraussetzungen vor finanziellen Folgen, wenn Gepäck auf einer Reise beschädigt wird, verloren geht oder gestohlen wird. Auch hier sollte jedoch zunächst die mögliche Schadenshöhe betrachtet werden. Prüfen Sie außerdem, welche Gegenstände und Ereignisse versichert sind, welche Entschädigungsgrenzen gelten und welche Anforderungen der Vertrag beispielsweise an die Beaufsichtigung oder Aufbewahrung des Gepäcks stellt.

Könnten Sie den Verlust Ihres Reisegepäcks finanziell selbst verkraften, kann eine zusätzliche Versicherung verzichtbar sein. Bei besonders wertvollem Gepäck kann die persönliche Bewertung dagegen anders ausfallen. Mehr zu den verschiedenen Absicherungen auf Reisen erfahren Sie in unserem Beitrag Welche Reiseversicherungen sind nötig und welche unnötig?.

 

Glasversicherung: Können Sie einen Glasschaden selbst tragen?

Eine Glasversicherung kann Schäden an versicherten Verglasungen abdecken. Ob dieser zusätzliche Schutz notwendig ist, hängt vor allem davon ab, welche Glasflächen vorhanden sind und welche Kosten ein Schaden für Sie verursachen könnte.

Bei einer einzelnen zerbrochenen Scheibe können die finanziellen Folgen überschaubar sein. Anders kann die Situation beispielsweise bei großen Glasflächen, aufwendigen Verglasungen oder einem Wintergarten aussehen. Dann können Reparatur oder Austausch erheblich teurer werden.

Deshalb gilt auch hier: Können Sie einen möglichen Glasschaden problemlos selbst bezahlen, kann eine zusätzliche Glasversicherung verzichtbar sein. Bei größeren oder besonders kostspieligen Verglasungen kann die Bewertung dagegen anders ausfallen.

 

Nicht jede umstrittene Versicherung ist automatisch überflüssig

Bei manchen Versicherungen wäre eine pauschale Einordnung als „überflüssig“ zu einfach. Dazu können beispielsweise eine Reiserücktrittsversicherung, Fahrradversicherung, Tierkrankenversicherung oder Rechtsschutzversicherung gehören. Ob der Schutz für Sie sinnvoll ist, hängt stärker von der möglichen Schadenshöhe, Ihrer persönlichen Situation, Ihrem Sicherheitsbedürfnis und dem bereits vorhandenen Versicherungsschutz ab.

Ein gutes Beispiel ist die Fahrradversicherung. Bei einem Fahrrad mit überschaubarem Wert kann vorhandener Schutz ausreichen oder ein Verlust finanziell selbst getragen werden. Bei einem hochwertigen Fahrrad oder E-Bike kann die mögliche Schadenhöhe dagegen ganz anders aussehen. Außerdem sollte geprüft werden, welcher Schutz bereits über die Hausratversicherung besteht. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Fahrradversicherung: Diebstahlschutz über Hausrat oder separate Versicherung?.

Auch eine Absicherung von Kreditverpflichtungen ist nicht allein deshalb unnötig, weil sie zusätzliche Kosten verursacht. Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und Tod können dazu führen, dass Kreditraten nicht mehr oder nur noch schwer bezahlt werden können. Entscheidend ist deshalb, welche dieser Risiken tatsächlich abgesichert werden sollen, welcher Schutz bereits besteht und ob der konkrete Versicherungsvertrag die vorhandene Lücke sinnvoll schließt.

Ähnliches gilt für eine Sterbegeldversicherung. Wer ausreichende Rücklagen für spätere Bestattungskosten besitzt, kann möglicherweise darauf verzichten. Wer dagegen bewusst sicherstellen möchte, dass dafür eine bestimmte Versicherungsleistung zur Verfügung steht, kann zu einer anderen Entscheidung kommen.

 

Welche Versicherungen sollten Sie nicht vorschnell kündigen?

Beim Aussortieren vermeintlich überflüssiger Versicherungen sollte nicht einfach bei den teuersten Verträgen begonnen werden. Ein hoher Beitrag kann auch deshalb entstehen, weil ein besonders großes finanzielles Risiko abgesichert wird.

Eine Privathaftpflichtversicherung kann beispielsweise vor Schadenersatzforderungen schützen, die weit über die eigenen finanziellen Möglichkeiten hinausgehen. Für Menschen, die ihren Lebensunterhalt aus ihrer Arbeitskraft bestreiten, kann wiederum die Absicherung des Einkommens eine zentrale Rolle spielen. Bei Immobilieneigentümern können schwere Schäden am eigenen Gebäude ein erhebliches Vermögensrisiko darstellen.

Welche Versicherungen für Sie wichtig sein können, hängt deshalb von Ihrer Lebenssituation ab. Einen Überblick finden Sie auf unserer Seite Welche Versicherungen sind wirklich wichtig?.

 

Wie erkennen Sie eine möglicherweise überflüssige Versicherung?

Bevor Sie eine Versicherung abschließen oder einen bestehenden Vertrag kündigen, helfen einige einfache Fragen:

  • Welches konkrete finanzielle Risiko soll die Versicherung absichern?
  • Wie hoch könnte der Schaden tatsächlich werden?
  • Könnten Sie diesen Schaden aus eigenen Rücklagen bezahlen?
  • Ist dasselbe Risiko bereits durch eine andere Versicherung abgedeckt?
  • Welche Ausschlüsse, Selbstbeteiligungen und Leistungsgrenzen enthält der Vertrag?
  • Stehen Beitrag und möglicher Nutzen für Sie in einem angemessenen Verhältnis?

Je leichter Sie einen möglichen Schaden selbst tragen können, desto eher können Sie überlegen, auf eine Versicherung zu verzichten. Je stärker ein Schaden dagegen Ihre finanzielle Sicherheit gefährden könnte, desto wichtiger wird die Absicherung dieses Risikos.

 

Überflüssige Versicherungen erkennen statt pauschal aussortieren

Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie viele Versicherungen kann ich kündigen? Entscheidend ist, ob Ihre Verträge die richtigen Risiken absichern. Geräte-, Brillen- oder andere Kleinstversicherungen können häufig verzichtbar sein, wenn Sie einen möglichen Schaden problemlos selbst tragen können. Gleichzeitig kann eine Versicherung für ein seltenes Ereignis sehr wichtig sein, wenn dessen finanzielle Folgen besonders schwer wiegen.

Deshalb gilt auch beim Aussortieren: Große finanzielle Risiken zuerst absichern und bei kleineren Risiken bewusst entscheiden, ob Sie dafür wirklich eine Versicherung benötigen.