
Schadenquote
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Schadenquote | Die Schadenquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl der Versicherungswirtschaft. Sie setzt die Schadenaufwendungen eines bestimmten Zeitraums ins Verhältnis zu den verdienten Versicherungsbeiträgen. Damit zeigt sie, welcher Anteil der Beiträge rechnerisch auf den Schadenaufwand entfällt. Die Kennzahl wird insbesondere in der Schaden- und Unfallversicherung verwendet. Wie wird die Schadenquote berechnet?Die grundlegende Formel lautet: Schadenquote (%) = Schadenaufwendungen ÷ verdiente Beiträge × 100 Beispiel: Ein Versicherer weist für ein Geschäftsjahr Schadenaufwendungen von 65 Millionen Euro und verdiente Beiträge von 100 Millionen Euro aus. Daraus ergibt sich eine Schadenquote von 65 Prozent. Rechnerisch entfallen somit 65 Cent je Euro verdientem Beitrag auf den Schadenaufwand. Zu den Schadenaufwendungen gehören neben den geleisteten Schadenzahlungen insbesondere die maßgeblichen Veränderungen der Schadenrückstellungen. Je nach verwendeter Kennzahlendefinition werden auch Schadenregulierungskosten einbezogen. Die verdienten Beiträge umfassen die auf den betrachteten Zeitraum entfallenden Beitragsanteile und sind daher nicht mit den gebuchten Beiträgen gleichzusetzen. Was bedeuten Brutto- und Netto-Schadenquote?Die Brutto-Schadenquote wird vor Berücksichtigung der Rückversicherungsanteile ermittelt. Die Netto-Schadenquote setzt dagegen die Schadenaufwendungen für eigene Rechnung ins Verhältnis zu den verdienten Beiträgen für eigene Rechnung. Durch die Rückversicherung können beide Werte voneinander abweichen. Wann ist eine Schadenquote hoch oder niedrig?Eine hohe Schadenquote bedeutet, dass die Schadenaufwendungen im Verhältnis zu den verdienten Beiträgen hoch sind. Ursachen können beispielsweise Naturkatastrophen, Großschäden, steigende Reparaturkosten oder eine ungünstige Schadenentwicklung sein. Eine niedrige Schadenquote zeigt entsprechend einen geringeren relativen Schadenaufwand an. Allgemeingültige Grenzwerte für eine gute oder schlechte Schadenquote gibt es nicht. Ihre Bewertung hängt insbesondere von der Versicherungssparte, der Risikostruktur und der Entwicklung über mehrere Jahre ab. Auch eine Schadenquote von mehr als 100 Prozent bedeutet zunächst nur, dass die Schadenaufwendungen die verdienten Beiträge übersteigen. Daraus lässt sich nicht unmittelbar auf das Gesamtergebnis oder die Zahlungsfähigkeit des Versicherers schließen. Welchen Einfluss haben Schadenrückstellungen?Für bereits eingetretene, aber noch nicht vollständig abgewickelte Versicherungsfälle bilden Versicherer Schadenrückstellungen. Werden diese erhöht, steigt bei ansonsten unveränderten Bedingungen der ausgewiesene Schadenaufwand und damit die Schadenquote. Werden nicht mehr benötigte Rückstellungen aufgelöst, kann die Quote sinken. Deshalb können auch Neubewertungen älterer Schadenfälle die Schadenquote eines Geschäftsjahres beeinflussen. Die Rückstellungen müssen nach den geltenden Rechnungslegungsvorschriften sachgerecht ermittelt werden. Was sagt die Schadenquote über einen Versicherer aus?Die Schadenquote gibt Hinweise auf die Schadenentwicklung, erlaubt allein jedoch keine abschließende Beurteilung der Wirtschaftlichkeit oder Leistungsfähigkeit eines Versicherungsunternehmens. Für eine umfassendere Betrachtung wird in der Schaden- und Unfallversicherung häufig die Combined Ratio (Schaden-Kosten-Quote) herangezogen, die zusätzlich die maßgeblichen Betriebskosten berücksichtigt. Für Versicherungsnehmer ist wichtig, dass eine niedrige Schadenquote weder günstige Beiträge noch eine besonders kundenfreundliche Schadenregulierung beweist. Bei größeren gewerblichen Versicherungsverträgen, etwa Kfz-Flotten, kann auch die individuelle Schadenquote des versicherten Bestands für die Beitragskalkulation eine Rolle spielen. Diese ist jedoch nicht ohne Weiteres mit der veröffentlichten Schadenquote eines Versicherungsunternehmens vergleichbar. |