FAQ – häufige Fragen zu Versicherungen und Vorsorge

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Palliativversorgung

Palliativversorgung begleitet Menschen mit schweren, insbesondere lebensbedrohlichen oder nicht heilbaren Erkrankungen. Im Mittelpunkt steht nicht die Heilung der Erkrankung, sondern die Frage, wie Beschwerden gelindert und Lebensqualität, Selbstbestimmung und Wohlbefinden möglichst lange erhalten werden können. Dabei geht es nicht nur um Schmerzen und andere körperliche Beschwerden, sondern auch um Ängste, seelische Belastungen und die Unterstützung von Angehörigen.

Palliativversorgung bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch unmittelbar vor dem Tod steht. Sie kann bereits früher im Krankheitsverlauf beginnen und eine Behandlung der Grunderkrankung ergänzen. Je nach Bedarf findet sie zu Hause, in einer Pflegeeinrichtung, im Krankenhaus oder in einem Hospiz statt.

Welche Hilfe bietet die Palliativversorgung?

Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und persönlichen Bedürfnissen des erkrankten Menschen. Dazu gehören insbesondere die Linderung von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und Unruhe, eine angepasste pflegerische Versorgung sowie Gespräche über Sorgen, Wünsche und Behandlungsentscheidungen. Bei Bedarf arbeiten Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Sozialdienste und Seelsorger zusammen. Auch Angehörige können Beratung und Unterstützung erhalten.

Was ist der Unterschied zwischen allgemeiner und spezialisierter Palliativversorgung?

Die allgemeine Palliativversorgung wird beispielsweise durch Haus- und Fachärzte, Pflegedienste und weitere beteiligte Fachkräfte geleistet. Für Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung kann eine besonders qualifizierte und koordinierte ambulante Betreuung, die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV), infrage kommen.

Wenn die Beschwerden besonders komplex sind und eine aufwendige Betreuung erfordern, kann eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) notwendig werden. Dafür arbeiten speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte in einem Palliativteam zusammen. Sie behandeln belastende Symptome, stimmen die Versorgung ab und helfen dabei, die Betreuung möglichst in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen.

Gesetzlich Versicherte haben unter den Voraussetzungen des § 37b SGB V Anspruch auf SAPV. Dazu gehören eine nicht heilbare, fortschreitende und weit fortgeschrittene Erkrankung, eine begrenzte Lebenserwartung und ein besonders aufwendiger Versorgungsbedarf. Die Leistung muss ärztlich verordnet werden.

Was unterscheidet Palliativversorgung und Hospizbegleitung?

Palliativversorgung ist der übergeordnete Begriff für die Behandlung und Begleitung schwer erkrankter Menschen. Hospizarbeit legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Begleitung in der letzten Lebensphase. Ambulante Hospizdienste unterstützen Betroffene und Angehörige beispielsweise durch Gespräche, Besuche und ehrenamtliche Begleitung. Sie ersetzen keine notwendige ärztliche oder pflegerische Behandlung.

Ein stationäres Hospiz kommt insbesondere dann infrage, wenn ein schwerstkranker Mensch in seiner letzten Lebensphase nicht ausreichend zu Hause versorgt werden kann und keine Krankenhausbehandlung erforderlich ist.

Wer übernimmt die Kosten der Palliativversorgung?

Die Palliativversorgung gehört zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Medizinisch notwendige Behandlungen werden im Rahmen der gesetzlichen Voraussetzungen übernommen. Eine ärztlich verordnete SAPV wird ohne gesetzliche Zuzahlung erbracht. Bei anderen Leistungen, etwa bestimmten Arzneimitteln oder Krankenhausaufenthalten, können die üblichen Zuzahlungsregelungen gelten.

Für die stationäre Hospizversorgung gelten besondere Regeln nach § 39a SGB V. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen unter Anrechnung der Leistungen der Pflegeversicherung 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Den verbleibenden Anteil finanziert das Hospiz selbst, insbesondere durch Spenden. Für gesetzlich Versicherte fällt für die stationäre Hospizversorgung kein Eigenanteil an.

Bei privat Krankenversicherten richtet sich die Erstattung nach dem vereinbarten Versicherungsschutz und den einschlägigen rechtlichen Regelungen. Deshalb sollte die Kostenübernahme insbesondere für spezialisierte ambulante Leistungen oder einen stationären Hospizaufenthalt frühzeitig mit dem Versicherer geklärt werden. Bei Beihilfeberechtigten können zusätzlich Beihilfeansprüche bestehen.

Wo können sich Betroffene und Angehörige beraten lassen?

Erste Ansprechpartner sind die behandelnden Ärzte, die Krankenkasse und regionale Palliativ- oder Hospizdienste. Gesetzlich Versicherte haben nach § 39b SGB V Anspruch auf individuelle Beratung durch ihre Krankenkasse. Diese hilft bei der Suche nach geeigneten Angeboten und unterstützt bei Bedarf auch bei der Kontaktaufnahme.

Sinnvoll ist es, die gewünschte Versorgung möglichst frühzeitig anzusprechen. So bleibt mehr Zeit, persönliche Wünsche zu klären, Angehörige einzubeziehen und die notwendige Unterstützung zu organisieren.

Synonyme - Palliativbetreuung
Pannenhilfe

Pannenhilfe bezeichnet die Unterstützung, wenn ein Fahrzeug wegen eines technischen Defekts nicht mehr fahrbereit ist. Typische Ursachen sind eine entladene Batterie, ein Reifenschaden oder ein Motorproblem. Ein Pannendienst versucht zunächst, das Fahrzeug vor Ort wieder fahrbereit zu machen. Ist das nicht möglich, kann ein Abschleppdienst organisiert werden. Pannenhilfe wird unter anderem von Automobilclubs, Versicherungsunternehmen und spezialisierten Dienstleistern angeboten.

Welche Leistungen gehören zur Pannenhilfe?

Zur klassischen Pannenhilfe zählen beispielsweise die Starthilfe bei einer entladenen Batterie, Unterstützung bei einem Reifenschaden und kleinere Reparaturen am Pannenort. Lässt sich die Fahrbereitschaft nicht wiederherstellen, kann das Fahrzeug abgeschleppt werden. Welche Kosten übernommen werden und wohin das Fahrzeug gebracht wird, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Weitergehende Leistungen wie ein Mietwagen, die Übernahme von Übernachtungskosten oder die Organisation der Weiterreise gehören nicht automatisch zur Pannenhilfe. Sie können jedoch Bestandteil eines Kfz-Schutzbriefs oder einer entsprechend ausgestalteten Automobilclub-Mitgliedschaft sein.

Ist Pannenhilfe in der Kfz-Versicherung enthalten?

Nein, Pannenhilfe gehört nicht automatisch zum Leistungsumfang einer Kfz-Haftpflicht- oder Kaskoversicherung. Viele Versicherer bieten jedoch einen zusätzlichen Kfz-Schutzbrief an. Dieser kann neben der Pannenhilfe auch Abschleppkosten und weitere Leistungen bei einem Fahrzeugausfall abdecken.

Eine Alternative ist die Mitgliedschaft in einem Automobilclub. Außerdem können Fahrzeughersteller im Rahmen einer Mobilitätsgarantie Pannenhilfe anbieten. Ob eine solche Garantie besteht und welche Bedingungen dafür gelten, sollte insbesondere bei älteren Fahrzeugen oder nach einem Fahrzeugwechsel geprüft werden.

Welche Kosten können trotz Pannenhilfe entstehen?

Auch bei bestehendem Schutz können zusätzliche Kosten entstehen. Das gilt beispielsweise, wenn die vereinbarten Erstattungsgrenzen überschritten werden, bestimmte Ersatzteile nicht abgedeckt sind oder Leistungen außerhalb des versicherten Gebiets benötigt werden. Auch die Kosten für eine größere Reparatur in der Werkstatt sind durch die Pannenhilfe normalerweise nicht versichert.

Im Pannenfall sollte möglichst zuerst die Notrufzentrale des Schutzbriefanbieters oder Automobilclubs kontaktiert werden. Wer eigenständig einen Abschleppdienst beauftragt, riskiert je nach Vertragsbedingungen eine eingeschränkte Kostenerstattung.

Worauf sollte man beim Pannenschutz achten?

Wichtig sind der räumliche Geltungsbereich, die Kostenübernahme für Pannenhilfe und Abschleppen sowie mögliche Leistungen für Mietwagen und Weiterreise. Auch sollte geklärt werden, ob der Schutz bereits am Wohnort gilt und ob er an ein bestimmtes Fahrzeug oder an die versicherte Person gebunden ist.

Vor dem Abschluss eines zusätzlichen Schutzbriefs lohnt sich ein Blick auf bereits vorhandene Leistungen. Wer beispielsweise über eine Automobilclub-Mitgliedschaft oder eine Mobilitätsgarantie verfügt, benötigt möglicherweise keinen weiteren Pannenschutz. Weitere Hinweise bietet unser Beitrag Versicherungsschutzbrief versus Automobilclub.

Synonyme - Fahrzeugpannenhilfe, Auto-Pannenhilfe, Pannendienst
Parafiskus

Ein Parafiskus ist eine Einrichtung, die öffentliche oder gesellschaftlich wichtige Aufgaben erfüllt und dafür eigene, zweckgebundene Finanzmittel verwaltet. Diese Mittel werden außerhalb des allgemeinen Staatshaushalts geführt. Die Finanzierung erfolgt insbesondere durch gesetzlich vorgeschriebene Beiträge oder andere Abgaben, teilweise auch durch staatliche Zuschüsse. Der Begriff stammt aus der Finanzwissenschaft und bezeichnet keine eigene Rechtsform.

Welche Einrichtungen zählen zu den Parafisken?

Typische Beispiele sind die Träger der gesetzlichen Sozialversicherung. Dazu gehören die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Auch Kirchen und berufsständische Kammern werden in der Finanzwissenschaft zu den Parafisken gezählt.

Gemeinsam ist diesen Einrichtungen, dass sie bestimmte Aufgaben für die Allgemeinheit oder ihre Mitglieder erfüllen und dafür über eigene Finanzmittel verfügen. Wie sie organisiert und finanziert werden, unterscheidet sich je nach Einrichtung.

Was bedeutet Parafiskus für die gesetzliche Sozialversicherung?

Die Sozialversicherungsträger verwalten die ihnen zugewiesenen Mittel nach gesetzlichen Vorgaben. Sozialversicherungsbeiträge dienen beispielsweise der Finanzierung von Krankenbehandlungen, Renten, Pflegeleistungen oder der Absicherung bei Arbeitslosigkeit. Anders als allgemeine Steuereinnahmen sind diese Mittel für bestimmte Aufgaben vorgesehen. Einen Überblick über die einzelnen Versicherungszweige bietet unsere Fachseite zur Sozialversicherung in Deutschland.

Sind Parafisken unabhängig vom Staat?

Parafisken verfügen häufig über eine eigene Organisation und eine gewisse finanzielle Selbstverwaltung. Vollständig unabhängig sind sie jedoch nicht. Ihre Aufgaben, ihre Finanzierung und die Verwendung der Mittel unterliegen gesetzlichen Vorgaben und der jeweils zuständigen Aufsicht.

Bei den gesetzlichen Sozialversicherungsträgern ist die Selbstverwaltung ein wichtiges Organisationsprinzip. Sie ermöglicht Entscheidungen innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens, bedeutet aber keine freie Verfügung über die Beitragseinnahmen.

Ist jede öffentliche Versicherung ein Parafiskus?

Nein. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Einrichtung öffentlich-rechtlich organisiert ist oder öffentliche Träger hat. Öffentlich-rechtliche Versicherungsunternehmen, die Versicherungsschutz auf vertraglicher Grundlage gegen Prämien anbieten, sind deshalb nicht automatisch Parafisken. Die gesetzliche Sozialversicherung nimmt dagegen gesetzlich zugewiesene Aufgaben wahr und gilt als typisches Beispiel für einen Sozialparafiskus.

Synonyme - Parafisci, Parafiscus, Parafiskalität
Parametrischer Trigger

Ein parametrischer Trigger ist ein vertraglich festgelegter Auslöser für eine Versicherungs- oder Rückversicherungsleistung. Entscheidend ist dabei nicht die tatsächlich entstandene Schadenhöhe, sondern ob ein zuvor vereinbarter, objektiv messbarer Schwellenwert erreicht oder überschritten wird. Solche Auslöser werden insbesondere zur Absicherung von Naturkatastrophen eingesetzt, beispielsweise bei Erdbeben, Stürmen oder extremen Niederschlägen.

Wie funktioniert ein parametrischer Trigger?

Bei Vertragsabschluss wird festgelegt, welches Ereignis maßgeblich ist, wie es gemessen wird und unter welchen Bedingungen eine Zahlung erfolgt. Ein Beispiel ist eine Absicherung gegen Erdbeben: Überschreitet ein Erdbeben in einer bestimmten Region die vereinbarte Stärke, kann der Trigger ausgelöst werden. Ob und in welcher Höhe eine Leistung erfolgt, richtet sich nach den vertraglichen Bedingungen.

Die maßgeblichen Ereignisdaten stammen in der Regel aus vorher festgelegten, unabhängigen Mess- oder Datenquellen. Eine aufwendige Ermittlung der tatsächlichen Schadenhöhe ist für die Auslösung der parametrischen Leistung grundsätzlich nicht erforderlich.

Welche Arten parametrischer Trigger gibt es?

Bei einem einfachen parametrischen Trigger genügt ein einzelnes festgelegtes Messkriterium, beispielsweise eine bestimmte Windgeschwindigkeit oder Erdbebenstärke. Bei gewichteten parametrischen Triggern werden mehrere Messwerte oder Regionen nach einer vereinbarten Formel berücksichtigt. Dabei können beispielsweise Gebiete mit hohen versicherten Werten stärker gewichtet werden.

Gewichtete Trigger können die tatsächliche Risikoverteilung besser abbilden. Sie beseitigen jedoch nicht das sogenannte Basisrisiko, also die Möglichkeit, dass die vertragliche Leistung vom tatsächlich entstandenen Schaden abweicht.

Welche Bedeutung haben parametrische Trigger bei Katastrophenanleihen?

Parametrische Trigger können bei Katastrophenanleihen, auch Cat Bonds genannt, eingesetzt werden. Mit solchen Kapitalmarktinstrumenten können Versicherer oder Rückversicherer bestimmte Katastrophenrisiken auf Anleger übertragen. Tritt ein vertraglich definiertes Ereignis ein und werden die festgelegten Bedingungen erfüllt, kann dies dazu führen, dass Anleger einen Teil ihres eingesetzten Kapitals oder das gesamte betroffene Kapital verlieren. Die dadurch verfügbaren Mittel dienen der vereinbarten Risikoabsicherung.

Nicht jeder Cat Bond verwendet einen parametrischen Trigger. Je nach Konstruktion können auch andere Auslösekriterien maßgeblich sein, beispielsweise die tatsächlich erlittenen Verluste eines Versicherers.

Welche Vorteile und Risiken haben parametrische Trigger?

Ein wesentlicher Vorteil ist die vergleichsweise schnelle und transparente Feststellung, ob die vereinbarten Auszahlungsbedingungen erfüllt sind. Da keine vollständige Schadenregulierung zur Ermittlung der Leistungshöhe erforderlich ist, kann die Abwicklung vereinfacht werden.

Dem steht das Basisrisiko gegenüber: Ein schwerer tatsächlicher Schaden kann entstehen, ohne dass der vereinbarte Schwellenwert erreicht wird. Umgekehrt kann eine Zahlung ausgelöst werden, obwohl der wirtschaftliche Schaden gering ist. Deshalb müssen die Messkriterien, Schwellenwerte und Auszahlungsregeln möglichst genau auf das abzusichernde Risiko abgestimmt werden.

Synonyme - Parametrische Trigger, parametrischer Auslöser, parametrische Auslöser
Partialmodell

Ein Partialmodell, auch partielles internes Modell genannt, ist ein Verfahren, mit dem Versicherungsunternehmen bestimmte Risiken im Rahmen der europäischen Versicherungsaufsicht Solvency II selbst berechnen können. Es dient dazu, die Solvabilitätskapitalanforderung (SCR) zu ermitteln. Diese beschreibt, wie viel Eigenkapital ein Versicherer zur Absicherung seiner Risiken nach den aufsichtsrechtlichen Vorgaben vorhalten muss.

Anders als ein vollständiges internes Modell erfasst ein Partialmodell nur ausgewählte Risiken oder Geschäftsbereiche. Für die übrigen Bereiche wird weiterhin die gesetzlich vorgegebene Standardformel verwendet. Grundlage sind insbesondere die §§ 111 und 112 VAG.

Warum verwenden Versicherer ein Partialmodell?

Versicherungsunternehmen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Geschäftstätigkeit und der damit verbundenen Risiken. Die einheitliche Standardformel kann diese Besonderheiten nicht immer ausreichend abbilden. Mit einem Partialmodell lassen sich ausgewählte Risiken anhand unternehmenseigener Daten und Berechnungsverfahren genauer berücksichtigen.

Ziel ist eine Kapitalanforderung, die besser zum tatsächlichen Risikoprofil des Versicherers passt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Unternehmen weniger Eigenkapital benötigt. Je nach Risikosituation kann die berechnete Kapitalanforderung auch höher ausfallen.

Welche Risiken kann ein Partialmodell erfassen?

Nach § 112 VAG können Partialmodelle für bestimmte Risikomodule oder Untermodule, für das operationelle Risiko sowie für gesetzlich vorgesehene Anpassungen bei der Kapitalberechnung genehmigt werden. Sie können sich auf die gesamte Geschäftstätigkeit oder auf einzelne Hauptgeschäftsbereiche beziehen.

Ein Versicherer könnte beispielsweise für ausgewählte versicherungstechnische Risiken ein eigenes Berechnungsmodell verwenden, während andere Risiken weiterhin nach der Standardformel bewertet werden. Die Ergebnisse müssen nach den aufsichtsrechtlichen Vorgaben zu einer gesamten Solvabilitätskapitalanforderung zusammengeführt werden.

Welche Voraussetzungen muss ein Partialmodell erfüllen?

Ein Versicherungsunternehmen darf ein Partialmodell nicht eigenmächtig für die aufsichtsrechtliche Kapitalberechnung einsetzen. Die Verwendung muss von der zuständigen Aufsichtsbehörde genehmigt werden. Das Unternehmen muss insbesondere nachweisen, dass das Modell sein Risikoprofil besser abbildet als die Standardformel und dass der begrenzte Anwendungsbereich sachlich gerechtfertigt ist.

Außerdem gelten Anforderungen an die verwendeten Daten, die statistischen Verfahren, die Dokumentation und die regelmäßige Überprüfung des Modells. Das Modell muss in das Risikomanagement des Unternehmens eingebunden sein und mit den gesetzlichen Vorgaben zur Kapitalberechnung übereinstimmen.

Welche Bedeutung hat ein Partialmodell für Versicherungsnehmer?

Für Versicherungsnehmer hat ein Partialmodell keine unmittelbare Auswirkung auf die vereinbarten Versicherungsleistungen oder die Berechnung ihrer individuellen Beiträge. Es betrifft in erster Linie die finanzielle Risikobewertung und Kapitalausstattung des Versicherungsunternehmens. Damit ist es Teil des aufsichtsrechtlichen Systems, das die dauerhafte Erfüllbarkeit der Verpflichtungen gegenüber den Versicherten absichern soll.

Synonyme - Partielles internes Modell, partielles Modell, Partialmodelle
Partnerwerkstatt

Eine Partnerwerkstatt ist eine Kfz-Werkstatt, die mit einem Versicherungsunternehmen zusammenarbeitet. Versicherer vereinbaren mit solchen Werkstätten bestimmte Bedingungen für die Reparatur und Abwicklung von Fahrzeugschäden. Partnerwerkstätten spielen insbesondere bei Kaskoversicherungen mit vereinbarter Werkstattbindung eine Rolle.

Welche Vorteile kann eine Partnerwerkstatt bieten?

Partnerwerkstätten bieten je nach Vereinbarung zusätzliche Leistungen wie einen Hol- und Bringdienst, ein Ersatzfahrzeug oder die direkte Abrechnung mit dem Versicherer an. Dadurch kann sich die Schadenabwicklung für Versicherte vereinfachen. Ob diese Leistungen tatsächlich enthalten sind, hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag und dem Werkstattnetz ab.

Die Zusammenarbeit mit einem Versicherer ist allerdings keine Garantie für eine bessere Reparaturqualität. Auch freie Werkstätten und Vertragswerkstätten der Fahrzeughersteller können fachgerechte Reparaturen durchführen.

Muss man eine Partnerwerkstatt nutzen?

Das hängt vom Versicherungsvertrag und von der Art des Schadens ab. Wurde in der Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung eine Werkstattbindung vereinbart, müssen Versicherte bei den davon erfassten Reparaturen grundsätzlich eine vom Versicherer vorgesehene Werkstatt nutzen. Wer stattdessen eine andere Werkstatt beauftragt, muss je nach Vertragsbedingungen mit einer gekürzten Erstattung oder einer zusätzlichen Selbstbeteiligung rechnen.

Besteht keine Werkstattbindung, können Versicherte ihre Reparaturwerkstatt grundsätzlich selbst wählen. Die Erstattung richtet sich weiterhin nach den vereinbarten Versicherungsbedingungen. Weitere Informationen zur Absicherung von Fahrzeugschäden bietet unsere Fachseite zur Teilkasko- und Vollkaskoversicherung.

Was gilt bei einem unverschuldeten Unfall?

Bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall besteht grundsätzlich freie Werkstattwahl. Geschädigte müssen ihr Fahrzeug nicht allein deshalb in einer Partnerwerkstatt des gegnerischen Haftpflichtversicherers reparieren lassen, weil dieser eine solche Werkstatt empfiehlt. Allerdings kann bei der Erstattung von Reparaturkosten unter bestimmten Voraussetzungen eine zumutbare und gleichwertige günstigere Reparaturmöglichkeit berücksichtigt werden.

Eine Empfehlung des gegnerischen Versicherers sollte deshalb nicht mit einer verbindlichen Werkstattvorgabe verwechselt werden. Wer unsicher ist, sollte vor einer Reparatur klären, welche Kosten übernommen werden und ob besondere Bedingungen gelten.

Synonyme - Versicherungspartnerwerkstatt, Kfz-Partnerwerkstatt, Versicherungswerkstatt
Passive Rückversicherung

Von einer passiven Rückversicherung spricht man, wenn ein Versicherungsunternehmen einen Teil seiner übernommenen Risiken an einen Rückversicherer weitergibt. Das Versicherungsunternehmen wird dabei als Erstversicherer oder Zedent bezeichnet. Der Rückversicherer übernimmt gegen eine vereinbarte Vergütung einen Teil der finanziellen Belastung aus den abgesicherten Risiken.

Der Begriff „passiv“ beschreibt die Sicht des Unternehmens, das Risiken abgibt. Bei der aktiven Rückversicherung betrachtet man dagegen die Seite des Unternehmens, das diese Risiken übernimmt.

Wie funktioniert eine passive Rückversicherung?

Ein Versicherer kann beispielsweise einen Teil seiner möglichen Schäden aus Sturmereignissen rückversichern. Kommt es zu einem versicherten Großschaden, beteiligt sich der Rückversicherer nach den vereinbarten Bedingungen an der finanziellen Belastung.

Die Risikoübertragung kann unterschiedlich gestaltet werden. Bei einer Quotenrückversicherung übernimmt der Rückversicherer einen festgelegten Anteil der versicherten Risiken und Schäden. Bei einer nichtproportionalen Rückversicherung beteiligt er sich dagegen erst, wenn eine vereinbarte Schadengrenze überschritten wird. Welche Risiken und Beträge tatsächlich abgesichert sind, bestimmt der jeweilige Rückversicherungsvertrag.

Welche Vorteile bietet die passive Rückversicherung?

Durch die Weitergabe von Risiken kann ein Versicherungsunternehmen seine finanzielle Belastung bei großen oder zahlreichen Schäden begrenzen. Das ist insbesondere bei Naturkatastrophen, außergewöhnlichen Großschäden oder hohen Versicherungssummen von Bedeutung. Die Rückversicherung kann außerdem dazu beitragen, dass ein Versicherer Risiken übernehmen kann, die er allein nur schwer tragen könnte.

Unter den aufsichtsrechtlich vorgesehenen Voraussetzungen kann eine wirksame Rückversicherung auch bei der Berechnung der erforderlichen Kapitalausstattung berücksichtigt werden. Eine automatische Verringerung der Eigenkapitalanforderungen ist damit jedoch nicht verbunden.

Welche Risiken bleiben für den Erstversicherer bestehen?

Eine passive Rückversicherung beseitigt nicht sämtliche Risiken. Der Erstversicherer trägt weiterhin den vertraglich vereinbarten Eigenanteil. Außerdem können Deckungsgrenzen, Ausschlüsse oder Streitigkeiten über den Rückversicherungsvertrag dazu führen, dass Schäden nicht vollständig erstattet werden. Hinzu kommt das Risiko, dass der Rückversicherer seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann.

Was bedeutet die passive Rückversicherung für Versicherungsnehmer?

Für Versicherungsnehmer ändert sich durch den Abschluss einer passiven Rückversicherung grundsätzlich nichts am bestehenden Versicherungsvertrag. Ihr Vertragspartner bleibt der Erstversicherer, der auch weiterhin für die vereinbarten Leistungen verantwortlich ist. Der Versicherungsnehmer muss seine Ansprüche daher grundsätzlich gegenüber diesem Unternehmen geltend machen und nicht gegenüber dessen Rückversicherer.

Synonyme - Passives Rückversicherungsgeschäft, passive Rückversicherungen
Passivenversicherung

Eine Passivenversicherung schützt vor bestimmten finanziellen Belastungen, die durch neue oder höhere Verbindlichkeiten entstehen können. Der Begriff stammt aus der versicherungswirtschaftlichen Einteilung nach dem versicherten Vermögensinteresse. Während eine Aktivenversicherung vorhandene Vermögenswerte oder Forderungen absichert, richtet sich eine Passivenversicherung auf mögliche Verpflichtungen, die das Vermögen belasten können. Das wichtigste Beispiel ist die Haftpflichtversicherung.

Was ist der Unterschied zwischen Aktiven- und Passivenversicherung?

Bei einer Aktivenversicherung steht der Schutz vorhandener Vermögenswerte im Vordergrund, beispielsweise eines Gebäudes oder des Hausrats. Eine Passivenversicherung schützt dagegen vor bestimmten finanziellen Verpflichtungen, die erst durch ein versichertes Ereignis entstehen oder sich erhöhen können. Dazu gehören insbesondere Schadensersatzansprüche Dritter, für die der Versicherte rechtlich verantwortlich ist.

Die Unterscheidung beschreibt somit das versicherte Vermögensinteresse und keine besondere Rechtsform oder eigenständige Versicherungssparte.

Warum gehört die Haftpflichtversicherung zu den Passivenversicherungen?

Eine Haftpflichtversicherung schützt den Versicherten vor den finanziellen Folgen versicherter Haftpflichtansprüche. Verursacht beispielsweise jemand fahrlässig einen Schaden am Eigentum einer anderen Person, kann daraus eine Schadensersatzverpflichtung entstehen. Die Haftpflichtversicherung prüft den Anspruch und übernimmt bei bestehendem Versicherungsschutz die berechtigte Entschädigung.

Typische Beispiele sind die Privathaftpflichtversicherung, die Kfz-Haftpflichtversicherung sowie die Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung. Welche Risiken und Ansprüche abgesichert sind, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Einen Überblick bietet unsere Fachseite zu den Haftpflichtversicherungen.

Was bedeutet passiver Rechtsschutz?

Zur Haftpflichtversicherung gehört auch die Abwehr unbegründeter Schadensersatzansprüche. Der Versicherer prüft, ob der Versicherte tatsächlich haftet, und übernimmt im Rahmen des Versicherungsschutzes erforderliche Kosten der Anspruchsabwehr, beispielsweise für Anwälte oder Gerichtsverfahren. Diese Funktion wird als passiver Rechtsschutz bezeichnet.

Anders als eine eigenständige Rechtsschutzversicherung dient dieser Schutz nicht allgemein dazu, eigene Ansprüche gegen andere Personen durchzusetzen. Er ist auf die Abwehr der gegen den Versicherten gerichteten Haftpflichtansprüche beschränkt. Die grundlegenden Leistungspflichten der Haftpflichtversicherung ergeben sich aus § 100 Versicherungsvertragsgesetz (VVG).

Synonyme - Passivenversicherungen, Passivversicherung, Passivversicherungen
Passiver Rechtsschutz

Der passive Rechtsschutz bezeichnet im Versicherungswesen die Abwehr von Ansprüchen, die Dritte gegen eine versicherte Person oder ein versichertes Unternehmen erheben. Er ist eine wesentliche Leistung der Haftpflichtversicherung. Der Versicherer prüft geltend gemachte Schadensersatzansprüche, wehrt unbegründete Forderungen ab und übernimmt im Rahmen des Versicherungsschutzes die dafür erforderlichen Kosten.

Wie funktioniert der passive Rechtsschutz?

Macht ein Geschädigter Schadensersatzansprüche gegen den Versicherungsnehmer geltend, prüft der Haftpflichtversicherer, ob eine Haftung besteht und der Anspruch vom Versicherungsschutz erfasst ist. Berechtigte Forderungen erfüllt er im vereinbarten Umfang. Unbegründete oder überhöhte Forderungen wehrt er ab. Dazu kann der Versicherer auch einen Rechtsanwalt beauftragen und die Verteidigung in einem Gerichtsverfahren übernehmen.

Welche Kosten übernimmt der passive Rechtsschutz?

Bei der Abwehr versicherter Haftpflichtansprüche übernimmt der Versicherer grundsätzlich die erforderlichen Kosten. Dazu können Anwaltsgebühren, Gerichtskosten sowie Kosten für Sachverständige und Zeugen gehören. Maßgeblich sind insbesondere § 101 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und die jeweiligen Versicherungsbedingungen. Nach der gesetzlichen Grundregel werden die Kosten der Anspruchsabwehr nicht auf die Versicherungssumme angerechnet. Abweichende vertragliche Regelungen sind nur im gesetzlich zulässigen Rahmen möglich.

Welche Versicherungen bieten passiven Rechtsschutz?

Der passive Rechtsschutz gehört insbesondere zur Privathaftpflichtversicherung, Tierhalterhaftpflichtversicherung sowie zur Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung. Auch die Kfz-Haftpflichtversicherung wehrt im Rahmen ihres Versicherungsschutzes unbegründete Schadensersatzansprüche ab. Welche Forderungen erfasst sind, richtet sich nach der jeweiligen Versicherungsart und den Vertragsbedingungen.

Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Rechtsschutz?

Beim aktiven Rechtsschutz geht es darum, eigene rechtliche Interessen wahrzunehmen, beispielsweise Schadensersatzansprüche gegen eine andere Person durchzusetzen. Eine Rechtsschutzversicherung kann hierfür die vereinbarten Kosten übernehmen. Der passive Rechtsschutz innerhalb einer Haftpflichtversicherung dient dagegen der Abwehr von Haftpflichtansprüchen, die gegen den Versicherten gerichtet sind. Er ersetzt deshalb keine eigenständige Rechtsschutzversicherung.

Ist der passive Rechtsschutz gesetzlich geregelt?

Ja. Nach § 100 VVG gehört die Abwehr unbegründeter Haftpflichtansprüche zu den grundlegenden Leistungspflichten des Haftpflichtversicherers. § 101 VVG regelt insbesondere die Kosten der Anspruchsabwehr. Der konkrete Versicherungsschutz richtet sich zusätzlich nach dem jeweiligen Vertrag.

Was sollten Versicherungsnehmer bei einer Schadensersatzforderung beachten?

Wer mit einer Schadensersatzforderung konfrontiert wird, sollte seinen Haftpflichtversicherer zeitnah informieren und die geltenden Anzeige- und Mitwirkungspflichten beachten. Forderungen sollten nicht ohne vorherige Abstimmung mit dem Versicherer anerkannt oder bezahlt werden. Bei gerichtlichen Schreiben ist besondere Eile geboten, da kurze Fristen gelten können. Der Versicherer kann dann die erforderlichen Schritte zur Regulierung oder Anspruchsabwehr veranlassen.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zur Absicherung von Schadensersatzansprüchen bietet unsere Fachseite zur Privathaftpflichtversicherung. Die Absicherung eigener rechtlicher Interessen erläutert unsere Fachseite zur Rechtsschutzversicherung.

Synonyme - Passiver Haftpflichtrechtsschutz, passive Anspruchsabwehr
Passivlegitimation

Die Passivlegitimation bezeichnet im Zivilrecht die Frage, ob eine Person oder ein Unternehmen tatsächlich der richtige Anspruchsgegner ist. Passivlegitimiert ist, wer nach dem materiellen Recht zur Erfüllung des geltend gemachten Anspruchs verpflichtet ist. Das Gegenstück ist die Aktivlegitimation: Sie beschreibt, wem der Anspruch rechtlich zusteht. Beide Begriffe sind besonders wichtig, wenn ein Anspruch gerichtlich durchgesetzt werden soll.

Welche Bedeutung hat die Passivlegitimation bei einer Klage?

Die Passivlegitimation gehört zur Begründetheit einer zivilrechtlichen Klage. Das Gericht prüft, ob der Beklagte tatsächlich zur verlangten Leistung verpflichtet ist. Fehlt die Passivlegitimation, wird die Klage grundsätzlich als unbegründet abgewiesen. Das ist von der Zulässigkeit einer Klage zu unterscheiden, bei der es beispielsweise um die Zuständigkeit des Gerichts oder die Prozessführungsbefugnis geht.

Wer ist bei einem Versicherungsfall passivlegitimiert?

Das hängt davon ab, welcher Anspruch geltend gemacht wird. Verlangt ein Versicherungsnehmer eine vertraglich geschuldete Versicherungsleistung, richtet sich der Anspruch grundsätzlich gegen den verpflichteten Versicherer. Macht dagegen ein Geschädigter einen Schadensersatzanspruch geltend, ist zunächst die Person oder das Unternehmen Anspruchsgegner, die beziehungsweise das für den Schaden rechtlich einzustehen hat.

Bei einer Haftpflichtversicherung ist der Versicherer nicht automatisch gegenüber dem Geschädigten zur Zahlung verpflichtet. Ein unmittelbarer Anspruch gegen den Haftpflichtversicherer besteht nur, wenn das Gesetz oder eine andere maßgebliche Rechtsgrundlage dies vorsieht. Ein wichtiges Beispiel ist der Direktanspruch nach § 115 Versicherungsvertragsgesetz (VVG), insbesondere bei der Kfz-Haftpflichtversicherung.

Warum ist die Passivlegitimation für Verbraucher wichtig?

Wer einen Anspruch gerichtlich geltend machen möchte, muss prüfen, gegen wen dieser rechtlich besteht. Wird die falsche Person oder das falsche Unternehmen verklagt, kann die Klage trotz eines möglicherweise bestehenden Anspruchs gegen einen anderen Beteiligten erfolglos bleiben. Gerade bei Versicherungsfällen ist deshalb zwischen dem vertraglichen Leistungsanspruch gegen den Versicherer und einem Schadensersatzanspruch gegen den verantwortlichen Schädiger zu unterscheiden.

Synonyme - passivlegitimiert, Passivlegitimierung, passiv legitimiert