Gesetzlich Krankenversicherte müssen sich an den Kosten bestimmter Leistungen beteiligen. Diese gesetzlichen Zuzahlungen betreffen beispielsweise Arznei- und Verbandmittel, Heil- und Hilfsmittel, Krankenhausaufenthalte, häusliche Krankenpflege oder bestimmte Fahrkosten. Gesetzliche Zuzahlungen betreffen grundsätzlich Versicherte ab 18 Jahren. Eine wichtige Ausnahme sind Fahrkosten, bei denen auch Kinder und Jugendliche zuzahlen müssen. Die Höhe der Zuzahlungen richtet sich nach der jeweiligen Leistung. Eine wichtige Grundlage bildet § 61 SGB V. Für viele Leistungen beträgt die Zuzahlung zehn Prozent der Kosten, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro. Sie darf allerdings nicht höher sein als die tatsächlichen Kosten des jeweiligen Mittels.
Zuzahlungen bei Arznei- und Verbandmitteln
Bei verschreibungspflichtigen Arznei- und Verbandmitteln beträgt die gesetzliche Zuzahlung grundsätzlich zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro. Kostet ein Arzneimittel weniger als fünf Euro, ist höchstens der tatsächliche Preis zu zahlen. Bei einem Preis von 50 Euro beträgt die Zuzahlung beispielsweise fünf Euro, bei 80 Euro acht Euro und ab einem Preis von 100 Euro grundsätzlich zehn Euro.
Für bestimmte besonders preisgünstige Arzneimittel kann die Zuzahlung vollständig entfallen. Außerdem können Krankenkassen bei Arzneimitteln, für die ein Rabattvertrag besteht, die Zuzahlung um die Hälfte reduzieren oder ganz erlassen.
Zuzahlungen bei Hilfsmitteln
Zu den Hilfsmitteln gehören beispielsweise Hörhilfen, Rollstühle, Prothesen, orthopädische Einlagen oder bestimmte Inkontinenzhilfen. Bei Hilfsmitteln beträgt die Zuzahlung grundsätzlich zehn Prozent des von der Krankenkasse zu übernehmenden Betrags, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro. Auch hier ist höchstens der tatsächliche Preis des Hilfsmittels zu zahlen.
Eine besondere Regel gilt für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel, beispielsweise bestimmte Inkontinenzhilfen, Stomaartikel, Sonden oder Spritzen. Hier beträgt die Zuzahlung zehn Prozent des von der Krankenkasse zu übernehmenden Betrags, höchstens jedoch 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf.
Zuzahlungen bei Heilmitteln
Heilmittel sind beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder bestimmte Massagen. Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zahlen zehn Prozent der Kosten des Heilmittels sowie zusätzlich zehn Euro je Verordnung. Eine Verordnung kann mehrere Behandlungstermine umfassen.
Zuzahlung im Krankenhaus
Bei einer vollstationären Krankenhausbehandlung zahlen Versicherte ab 18 Jahren zehn Euro je Kalendertag. Die Zuzahlung ist auf höchstens 28 Tage pro Kalenderjahr begrenzt. Damit beträgt die maximale Krankenhauszuzahlung innerhalb eines Kalenderjahres 280 Euro.
Für eine medizinisch notwendige Anschlussrehabilitation beträgt die Zuzahlung ebenfalls zehn Euro pro Kalendertag und ist grundsätzlich auf 28 Tage im Kalenderjahr begrenzt. Bereits im selben Kalenderjahr geleistete Krankenhauszuzahlungen werden dabei angerechnet.
Häusliche Krankenpflege und Haushaltshilfe
Bei häuslicher Krankenpflege beträgt die Zuzahlung zehn Prozent der Kosten sowie zusätzlich zehn Euro je Verordnung. Die prozentuale Zuzahlung ist auf die ersten 28 Tage der Leistungsinanspruchnahme innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt. Übernimmt die Krankenkasse eine Haushaltshilfe, beträgt die Zuzahlung grundsätzlich zehn Prozent der täglichen Kosten, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro pro Tag. Für Haushaltshilfe im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Entbindung fällt keine gesetzliche Zuzahlung an.
Zuzahlungen bei Fahrkosten
Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse medizinisch notwendige Fahrkosten, beträgt die Zuzahlung grundsätzlich zehn Prozent der Kosten, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro je Fahrt. Anders als bei vielen anderen Zuzahlungen gilt diese Regel auch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Fahrten zu ambulanten Behandlungen werden nur unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen. Besondere Regelungen gelten beispielsweise bei bestimmten Serienbehandlungen sowie für Versicherte mit den Schwerbehindertenmerkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“ und unter bestimmten Voraussetzungen bei Pflegegrad 3, 4 oder 5. Ob eine vorherige Genehmigung der Krankenkasse erforderlich ist, hängt von der Art der Fahrt und der Behandlung ab.
Wann fallen keine Zuzahlungen an?
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind grundsätzlich von gesetzlichen Zuzahlungen befreit. Eine wichtige Ausnahme bilden Fahrkosten. Keine Zuzahlungen fallen außerdem unter anderem für von der GKV übernommene Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sowie für empfohlene Schutzimpfungen an.
Bei Arzneimitteln können darüber hinaus einzelne Präparate zuzahlungsfrei sein. Ob ein bestimmtes Arzneimittel von der Zuzahlung befreit ist, kann sich ändern und sollte deshalb im Einzelfall geprüft werden.
Belastungsgrenze: Wie hoch dürfen Zuzahlungen im Jahr sein?
Damit Versicherte durch gesetzliche Zuzahlungen finanziell nicht überfordert werden, sieht § 62 SGB V eine persönliche Belastungsgrenze vor. Sie beträgt grundsätzlich zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Für Versicherte, die wegen derselben schwerwiegenden chronischen Erkrankung in Dauerbehandlung sind und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, reduziert sich die Belastungsgrenze auf ein Prozent.
Bei der Berechnung sind besondere Regelungen und Freibeträge zu berücksichtigen. Nicht jede selbst getragene Ausgabe im Gesundheitsbereich zählt als gesetzliche Zuzahlung. Mehrkosten oberhalb eines Festbetrags, Eigenanteile bei Zahnersatz oder Aufwendungen für nicht von der Krankenkasse übernommene Leistungen werden beispielsweise nicht ohne Weiteres auf die Belastungsgrenze angerechnet. Weitere Informationen finden Sie unter Härtefallregelung und Belastungsgrenze in der GKV.
Es empfiehlt sich, die Belege über geleistete Zuzahlungen aufzubewahren. Wird die persönliche Belastungsgrenze bereits während des Kalenderjahres erreicht, kann bei der Krankenkasse eine Befreiung für die restlichen Monate beantragt werden. Wird erst nachträglich festgestellt, dass die Belastungsgrenze überschritten wurde, können zu viel geleistete Zuzahlungen grundsätzlich erstattet werden.
Zuzahlung und Eigenanteil sind nicht dasselbe
Gesetzliche Zuzahlungen sollten von anderen Eigenbeteiligungen unterschieden werden. Wer beispielsweise bei einem Hilfsmittel eine aufwendigere Ausführung wählt, als medizinisch notwendig und von der Krankenkasse vorgesehen ist, muss entstehende Mehrkosten möglicherweise selbst tragen. Solche Mehrkosten zählen grundsätzlich nicht automatisch zu den Zuzahlungen, die für die persönliche Belastungsgrenze berücksichtigt werden.
Fazit: Zuzahlungen sind gesetzlich begrenzt
Zuzahlungen gehören bei zahlreichen Leistungen zur gesetzlichen Krankenversicherung. Ihre Höhe ist jedoch gesetzlich geregelt und durch die persönliche Belastungsgrenze begrenzt. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen gesetzlichen Zuzahlungen und sonstigen selbst zu tragenden Kosten. Wer regelmäßig Arzneimittel, Heilmittel oder andere zuzahlungspflichtige Leistungen benötigt, sollte seine Belege sammeln und frühzeitig prüfen, ob die persönliche Belastungsgrenze erreicht wird.
Stand: Oktober 2026
