Der Einstieg ins Berufsleben verändert auch die finanzielle Verantwortung. Zum ersten Mal steht regelmäßig ein eigenes Arbeitseinkommen zur Verfügung, gleichzeitig entstehen eigene Ansprüche in der Sozialversicherung und möglicherweise neue finanzielle Verpflichtungen. Damit stellt sich eine wichtige Frage: Welche Risiken können Sie selbst tragen – und welche könnten Ihre finanzielle Zukunft ernsthaft gefährden?
Berufseinsteiger brauchen deshalb nicht möglichst viele Versicherungen. Entscheidend ist, zunächst die großen finanziellen Risiken zu betrachten und anschließend zu prüfen, welcher Schutz bereits über die Sozialversicherung, die Familie oder bestehende Verträge vorhanden ist.
Welche Versicherungen sollten Berufseinsteiger zuerst prüfen?
Mit dem ersten eigenen Einkommen wächst häufig auch die Versuchung, viele kleinere Risiken abzusichern. Wichtiger ist zunächst die Frage, welche Ereignisse die eigene finanzielle Existenz gefährden könnten. Dazu können insbesondere hohe Schadenersatzforderungen oder ein langfristiger Verlust des Arbeitseinkommens gehören.
Deshalb gilt auch beim Berufsstart das GAU-Prinzip: Große finanzielle Risiken sollten Vorrang vor Schäden haben, die aus eigenen Rücklagen getragen werden können.
Warum ist die eigene Arbeitskraft für Berufseinsteiger so wichtig?
Am Anfang des Berufslebens ist häufig noch kein größeres Vermögen vorhanden. Dafür liegt ein großer Teil der zukünftigen finanziellen Möglichkeiten im Einkommen, das in den kommenden Jahrzehnten erwirtschaftet werden kann. Fällt die eigene Arbeitskraft dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum aus, kann deshalb gerade für junge Menschen eine erhebliche finanzielle Lücke entstehen.
Arbeitnehmer erwerben mit ihren Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung auch Ansprüche auf Leistungen bei Erwerbsminderung. Für Berufseinsteiger gelten dabei teilweise besondere Regelungen. Eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente und eine private Berufsunfähigkeitsversicherung setzen jedoch an unterschiedlichen Voraussetzungen an und bieten nicht denselben Schutz. Einen Überblick darüber, welche Absicherung die Sozialversicherung bietet und wo finanzielle Lücken entstehen können, finden Sie in unserem Beitrag Das deutsche Sozialversicherungssystem: Sicherheit mit Lücken.
Deshalb sollte früh geprüft werden, welche gesetzliche Absicherung bereits besteht und welche finanzielle Lücke bei einem langfristigen Verlust der Arbeitskraft verbleiben würde. Eine mögliche Ergänzung kann die Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Weitere Möglichkeiten erläutern wir auf unserer Seite zur Einkommensabsicherung.
Wann sollten Berufseinsteiger eine Berufsunfähigkeitsversicherung prüfen?
Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung spielen unter anderem der ausgeübte Beruf, das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand und die gewünschte Absicherung eine Rolle. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich bereits beim Berufseinstieg mit dem Thema zu beschäftigen und nicht erst dann, wenn sich die gesundheitliche Situation verändert hat.
Gleichzeitig verändert sich das Einkommen am Anfang des Berufslebens häufig noch deutlich. Deshalb sollte nicht nur die anfängliche Absicherung betrachtet werden, sondern auch die Frage, wie der Versicherungsschutz später angepasst werden kann. Welche Rolle dabei Nachversicherung und Dynamik spielen können, erläutern wir in unserem Beitrag Nachversicherungsgarantie und Dynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Brauchen Berufseinsteiger eine eigene private Haftpflichtversicherung?
Wer anderen einen Schaden zufügt und dafür haftet, kann mit hohen Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. Besonders Personenschäden können finanzielle Folgen haben, die sich nicht aus dem eigenen Einkommen oder vorhandenen Rücklagen bezahlen lassen. Deshalb gehört die private Haftpflichtversicherung zu den Absicherungen, die beim Berufseinstieg überprüft werden sollten.
Ob bereits ein eigener Vertrag benötigt wird, hängt jedoch von der bisherigen Versicherungssituation ab. Junge Erwachsene können je nach Tarif und persönlicher Situation noch über einen bestehenden Familienvertrag versichert sein. Mit dem Ende von Ausbildung oder Studium und dem Einstieg in das Berufsleben sollte deshalb geprüft werden, ob diese Mitversicherung fortbesteht oder eigener Versicherungsschutz erforderlich wird.
Wie sind Berufseinsteiger krankenversichert?
Mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verändert sich in der Regel auch die bisherige Krankenversicherungssituation. Arbeitnehmer sind grundsätzlich in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig, sofern keine Ausnahme oder Versicherungsfreiheit besteht.
Deshalb sollte beim Berufseinstieg geklärt werden, wie die eigene Kranken- und Pflegeversicherung künftig ausgestaltet ist. Wer aufgrund seiner persönlichen Situation zwischen unterschiedlichen Versicherungsmöglichkeiten wählen kann, sollte dabei nicht allein auf den aktuellen Beitrag schauen, sondern auch Leistungen und langfristige Folgen berücksichtigen. Wer privat oder beruflich ins Ausland reist, sollte zusätzlich prüfen, welcher Krankenversicherungsschutz dort besteht und ob eine Auslandsreisekrankenversicherung benötigt wird.
Was passiert bei einer längeren Krankheit?
Auch Berufseinsteiger sollten wissen, wie ihr Einkommen abgesichert ist, wenn sie über längere Zeit arbeitsunfähig werden. Arbeitnehmer haben unter den gesetzlichen Voraussetzungen zunächst Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Danach kann bei gesetzlich Krankenversicherten Krankengeld eine Rolle spielen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Leistungen bestehen, sondern wie hoch das tatsächlich verfügbare Einkommen im Krankheitsfall wäre und welche laufenden Ausgaben weiter bezahlt werden müssen. Weitere Hintergründe finden Sie in unserem Beitrag Mit diesem Geld können Sie bei einer längeren Erkrankung rechnen.
Brauchen Berufseinsteiger eine Hausratversicherung?
Mit dem Berufseinstieg zieht nicht jeder sofort in die erste eigene Wohnung. Deshalb ist eine Hausratversicherung nicht allein deshalb erforderlich, weil das erste Arbeitsverhältnis beginnt.
Entscheidend ist vielmehr die Wohnsituation und der Wert des eigenen Hausrats. Wer einen eigenen Haushalt gründet, sollte überlegen, welchen finanziellen Verlust beispielsweise ein Brand, Leitungswasserschaden oder Einbruch verursachen könnte und ob dieser aus eigenen Mitteln getragen werden kann. Mit dem Auszug aus dem Elternhaus sollte außerdem geprüft werden, welcher Versicherungsschutz bislang über die Eltern oder deren Haushalt bestand und welche Absicherung für den eigenen Haushalt künftig tatsächlich benötigt wird.
Was gilt für das erste eigene Auto?
Wer beim Berufseinstieg ein eigenes Auto besitzt und als Halter zulassen möchte, benötigt dafür eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Sie schützt vor den finanziellen Folgen von Schadenersatzansprüchen, wenn mit dem versicherten Fahrzeug anderen ein Schaden zugefügt wird.
Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob eine Teil- oder Vollkaskoversicherung zur persönlichen Situation passt. Entscheidend sind unter anderem Fahrzeugwert, mögliche Schadenhöhe und die Frage, welchen finanziellen Verlust Sie selbst tragen könnten. Ein eigenes Auto bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jeder zusätzliche Versicherungsbaustein benötigt wird.
Sollten Berufseinsteiger bereits für das Alter vorsorgen?
Mit dem ersten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis beginnen Arbeitnehmer grundsätzlich auch, eigene Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung aufzubauen. Gleichzeitig liegt der Ruhestand für Berufseinsteiger noch viele Jahrzehnte entfernt. Gerade dieser lange Zeitraum kann für den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge genutzt werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass mit dem ersten Gehalt sofort ein bestimmtes Altersvorsorgeprodukt abgeschlossen werden muss. Zunächst sollte geklärt werden, welche finanziellen Mittel nach laufenden Ausgaben, notwendigen Rücklagen und der Absicherung existenzieller Risiken dauerhaft zur Verfügung stehen. Anschließend können unterschiedliche Möglichkeiten der zusätzlichen Altersvorsorge betrachtet werden. Dabei können sowohl private als auch betriebliche Lösungen eine Rolle spielen.
Welche Rolle spielt die betriebliche Altersvorsorge beim ersten Job?
Beim Berufseinstieg lohnt sich ein Blick darauf, welche Altersvorsorge der Arbeitgeber anbietet. Beschäftigte haben grundsätzlich die Möglichkeit, Teile ihres künftigen Arbeitsentgelts im Rahmen einer Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung einzusetzen. Je nach Gestaltung und gesetzlichen Voraussetzungen kann sich auch der Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligen.
Ob eine betriebliche Altersvorsorge im persönlichen Fall sinnvoll ist, sollte jedoch nicht allein anhand einer möglichen Steuer- oder Sozialabgabenersparnis beurteilt werden. Zu berücksichtigen sind unter anderem Arbeitgeberleistungen, Kosten, Flexibilität, ein möglicher Arbeitgeberwechsel sowie mögliche Auswirkungen der Entgeltumwandlung auf Sozialversicherungsansprüche und die spätere Auszahlung.
Brauchen Berufseinsteiger eine Risikolebensversicherung?
Eine Risikolebensversicherung dient in erster Linie dazu, Menschen finanziell abzusichern, die vom Einkommen der versicherten Person abhängig sind, oder bestimmte finanzielle Verpflichtungen für den Todesfall abzusichern.
Wer beim Berufseinstieg keine Kinder, keinen finanziell abhängigen Partner und keine größeren gemeinsamen Verpflichtungen hat, benötigt deshalb nicht automatisch eine solche Absicherung. Verändert sich die Lebenssituation später durch Familie, Immobilienfinanzierung oder andere Verpflichtungen, sollte der Bedarf neu geprüft werden.
Welche Versicherungen brauchen Berufseinsteiger nicht automatisch?
Das erste eigene Gehalt ist kein Grund, jedes denkbare Risiko zu versichern. Versicherungen für kleinere Schäden oder überschaubare finanzielle Verluste können im Verhältnis zu ihrem Nutzen weniger wichtig sein als der Aufbau eigener Rücklagen.
Auch eine private Unfallversicherung ersetzt keine Absicherung der Arbeitskraft. Sie kann bei dauerhaften Folgen eines versicherten Unfalls vereinbarte Leistungen erbringen, erfasst aber nicht automatisch die finanziellen Folgen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Krankheit.
Zusatzversicherungen sollten ebenfalls erst im Zusammenhang mit den persönlichen Wünschen und dem verfügbaren Budget betrachtet werden. Ob beispielsweise zusätzliche Leistungen für Zähne oder Krankenhausaufenthalte gewünscht werden, ist eine individuelle Entscheidung. Solche Absicherungen sollten jedoch nicht dazu führen, dass für finanziell wesentlich größere Risiken kein ausreichender Spielraum mehr vorhanden ist.
Deshalb sollte vor jedem Abschluss gefragt werden: Welche finanzielle Folge hätte der Schaden tatsächlich? Kann ich diesen Betrag selbst tragen? Und gibt es bereits einen anderen Versicherungsschutz? So lässt sich vermeiden, dass ein großer Teil des verfügbaren Einkommens für viele kleine Versicherungen ausgegeben wird, während wichtige Risiken unzureichend abgesichert bleiben.
Was sollte sich nach Ausbildung oder Studium beim Versicherungsschutz ändern?
Der Übergang von Ausbildung oder Studium in das reguläre Berufsleben ist ein guter Zeitpunkt für einen vollständigen Versicherungscheck. Dabei sollte zunächst geklärt werden: Welche Versicherungen bestehen bereits? Wo besteht noch Versicherungsschutz über die Eltern? Welche Mitversicherung verändert sich oder endet? Und welche Risiken sind durch die neue Lebenssituation überhaupt erst entstanden?
Mit dem eigenen Einkommen kommen häufig weitere Veränderungen hinzu – beispielsweise ein eigener Haushalt, ein Auto oder neue finanzielle Verpflichtungen. Deshalb sollten bestehende Verträge nicht einfach übernommen und neue Versicherungen nicht allein aufgrund des Berufseinstiegs abgeschlossen werden. Entscheidend ist, welche Risiken mit der neuen Lebenssituation tatsächlich hinzugekommen sind. Den vorhergehenden Übergang von Schule zu Ausbildung oder Studium betrachten wir ausführlicher in unserem Beitrag Welche Versicherungen sind nach der Schule wichtig?.
Versicherungscheck für Berufseinsteiger: Was ist wirklich wichtig?
Beim Start ins Berufsleben sollte nicht die Anzahl der Versicherungsverträge im Mittelpunkt stehen. Wichtiger ist die Frage, welche finanziellen Risiken die eigene Zukunft gefährden könnten und welcher Schutz bereits durch die Sozialversicherung, die Familie oder bestehende Verträge vorhanden ist.
Danach lässt sich prüfen, wo tatsächlich eine finanzielle Lücke besteht. Besonders die eigene Haftung und die langfristige Absicherung des Arbeitseinkommens verdienen dabei früh Aufmerksamkeit. Andere Versicherungen werden erst wichtig, wenn sich beispielsweise Wohnsituation, Vermögen, Familie oder finanzielle Verpflichtungen verändern.
Deshalb gilt auch beim ersten eigenen Einkommen: Zuerst die großen finanziellen Risiken betrachten – und nicht jeden Schaden versichern, den Sie auch selbst tragen könnten.
