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Beamte in der gesetzlichen Krankenversicherung: Möglichkeiten und Kosten

Beamte sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der Regel nicht versicherungspflichtig. Voraussetzung für diese Versicherungsfreiheit ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V, dass sie nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen bei Krankheit Anspruch auf Fortzahlung ihrer Bezüge und auf Beihilfe oder Heilfürsorge haben. Eine gesetzliche Krankenversicherung ist deshalb aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Wer die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann auch als Beamter freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sein.

Finanziell macht es dabei einen erheblichen Unterschied, bei welchem Dienstherrn das Beamtenverhältnis besteht. Ohne Zuschuss müssen freiwillig gesetzlich versicherte Beamte ihren Beitrag häufig vollständig selbst tragen. Mehrere Bundesländer haben inzwischen jedoch eine pauschale Beihilfe eingeführt oder beteiligen sich über besondere Zuschussregelungen an den Kosten der GKV.

 

Können Beamte gesetzlich krankenversichert bleiben?

Mit der Verbeamtung entfällt regelmäßig die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung. War der künftige Beamte zuvor gesetzlich versichert, kann der Versicherungsschutz jedoch als freiwillige Mitgliedschaft fortgeführt werden.

Welche rechtliche Grundlage dafür greift, hängt von der bisherigen Versicherung ab. § 9 SGB V eröffnet verschiedenen Personengruppen den freiwilligen Beitritt. Für bestimmte Fälle sind Vorversicherungszeiten erforderlich. Verlangt werden dann grundsätzlich mindestens 24 Monate gesetzliche Versicherung innerhalb der vergangenen fünf Jahre oder eine ununterbrochene Versicherung von mindestens zwölf Monaten unmittelbar vor dem Ausscheiden.

Daneben kann sich eine bisherige Pflicht- oder Familienversicherung nach § 188 Abs. 4 SGB V als freiwillige Mitgliedschaft fortsetzen, wenn sich nicht unmittelbar ein anderweitiger Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall anschließt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die genannten Vorversicherungszeiten sind deshalb nicht bei jeder Verbeamtung pauschal Voraussetzung für eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung. Der Versicherungsstatus sollte möglichst schon vor der Verbeamtung geklärt werden.

 

Beihilfe und GKV funktionieren unterschiedlich

Traditionell erhalten Beamte von ihrem Dienstherrn individuelle Beihilfe zu ihren Krankheitskosten. Sie übernimmt einen bestimmten Anteil der beihilfefähigen Aufwendungen. Für den verbleibenden Teil wird üblicherweise eine auf den Beihilfeanspruch abgestimmte private Krankenversicherung für Beamte abgeschlossen.

Wie hoch die Beihilfe ausfällt, richtet sich nach dem Beihilferecht des Bundes oder des jeweiligen Landes. Dabei können unter anderem Familienstand und berücksichtigungsfähige Kinder eine Rolle spielen. Einen bundesweit einheitlichen Beihilfesatz für alle Beamten gibt es daher nicht.

Die GKV funktioniert anders. Freiwillig gesetzlich versicherte Beamte besitzen eine Krankenvollversicherung und erhalten die gesetzlich vorgesehenen Leistungen ihrer Krankenkasse. Die individuelle Beihilfe übernimmt bei diesem Modell nicht einfach den Teil der Behandlungskosten, den die GKV nicht bezahlt. Davon zu unterscheiden ist die pauschale Beihilfe, mit der sich einige Dienstherren an den Versicherungsbeiträgen beteiligen.

 

Was kostet die gesetzliche Krankenversicherung für Beamte?

Da Beamte bei Krankheit grundsätzlich weiterhin ihre Dienstbezüge erhalten, besteht regelmäßig kein Anspruch auf Krankengeld aus der GKV. Für die Krankenversicherung gilt dann der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 Prozent. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag der gewählten Krankenkasse. Der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegte durchschnittliche Zusatzbeitrag beträgt 2026 2,9 Prozent; der tatsächlich erhobene Zusatzbeitrag kann von Krankenkasse zu Krankenkasse abweichen.

Beiträge werden höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung erhoben. Sie beträgt 2026 monatlich 5.812,50 Euro beziehungsweise 69.750 Euro im Jahr.

Nicht nur die Dienstbezüge können beitragspflichtig sein

Bei freiwilligen Mitgliedern berücksichtigt die GKV grundsätzlich die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Neben den Dienst- oder späteren Versorgungsbezügen können deshalb beispielsweise auch Einkünfte aus Kapitalvermögen sowie Vermietung und Verpachtung beitragspflichtig sein. Hinzu kommen die Beiträge zur Pflegeversicherung.

Ohne pauschale Beihilfe oder eine andere Zuschussregelung gibt es für Beamte keinen automatischen Arbeitgeberanteil wie bei Arbeitnehmern. Der GKV-Beitrag kann dann vollständig beim Beamten verbleiben. Gerade bei höheren Bezügen macht dieser Unterschied einen erheblichen Teil der laufenden Kosten aus.

Der heutige Monatsbeitrag allein sagt trotzdem wenig darüber aus, welches System langfristig günstiger ist. Familienangehörige, weitere Einkünfte, Teilzeit, Elternzeit und die spätere Versorgung können die Rechnung verändern.

 

Was verändert die pauschale Beihilfe?

Mit der pauschalen Beihilfe beteiligt sich der Dienstherr nach den jeweiligen beamtenrechtlichen Regelungen an den Kosten einer Krankenvollversicherung. Für freiwillig gesetzlich versicherte Beamte wirkt sie damit ähnlich wie ein Arbeitgeberzuschuss. Häufig orientiert sich die Leistung an der Hälfte des Krankenversicherungsbeitrags, wobei die konkrete Berechnung und mögliche Höchstgrenzen vom jeweiligen Landesrecht abhängen.

Sie ist jedoch keine zusätzliche Leistung neben der klassischen individuellen Beihilfe. Wer sich für die pauschale Beihilfe entscheidet, verzichtet nach den jeweiligen Regelungen grundsätzlich auf die ergänzende individuelle Beihilfe zu Krankheitskosten. In zahlreichen Ländern ist diese Entscheidung unwiderruflich. Ein späterer Wechsel in das traditionelle Modell aus individueller Beihilfe und ergänzender PKV kann dadurch ausgeschlossen sein.

Pauschale Beihilfe ist nicht bundesweit einheitlich

2026 bestehen entsprechende Modelle unter anderem in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen. Die Regelungen der Länder unterscheiden sich in Einzelheiten. Mecklenburg-Vorpommern hat die pauschale Beihilfe 2026 neu eingeführt.

Schleswig-Holstein geht einen anderen Weg. Dort gibt es unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung für freiwillig gesetzlich versicherte Beamte. Seit 2026 wurde die Regelung auch auf Versorgungsempfänger erweitert. Dieses Modell ist deshalb nicht ohne Weiteres mit der pauschalen Beihilfe anderer Bundesländer gleichzusetzen.

Für Bundesbeamte besteht derzeit keine allgemeine pauschale Beihilfe. Vor einer Entscheidung muss daher immer geprüft werden, welche Regelung beim konkreten Dienstherrn gilt und welche Folgen die Wahl für spätere Beihilfeansprüche hat.

 

Familie, Teilzeit und Vorerkrankungen können die Rechnung verändern

Ein wichtiger Unterschied zur PKV ist die beitragsfreie Familienversicherung. Ehe- oder Lebenspartner und Kinder können unter den gesetzlichen Voraussetzungen ohne eigenen Krankenversicherungsbeitrag mitversichert werden. Bei einer privaten Krankenversicherung benötigt dagegen grundsätzlich jedes Familienmitglied einen eigenen Versicherungsschutz, wobei Beihilfeansprüche den privat abzusichernden Anteil erheblich reduzieren können.

Kinder eines gesetzlich versicherten Beamten sind allerdings nicht automatisch familienversichert. Ist der andere Elternteil nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, können insbesondere dessen regelmäßiges Gesamteinkommen und das Verhältnis der Einkommen beider Elternteile über die Familienversicherung entscheiden.

Teilzeit und Elternzeit

Sinken bei Teilzeit die beitragspflichtigen Dienstbezüge unter die Beitragsbemessungsgrenze, kann auch der GKV-Beitrag sinken. Weitere beitragspflichtige Einnahmen werden jedoch weiterhin berücksichtigt. Für Elternzeiten gelten zusätzliche beamtenrechtliche Bestimmungen. Beim Bund bestehen beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen Erstattungsmöglichkeiten für Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Bei Landesbeamten kommt es auf die jeweilige Landesregelung an.

Vorerkrankungen

In der GKV gibt es keine Gesundheitsprüfung. Vorerkrankungen führen deshalb weder zu Risikozuschlägen noch zu Leistungsausschlüssen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die GKV bei gesundheitlichen Einschränkungen die einzige sinnvolle Möglichkeit ist. Für neu verbeamtete Personen und bestimmte Angehörige bestehen in der PKV unter bestimmten Voraussetzungen Öffnungsaktionen, die eine Aufnahme auch bei Vorerkrankungen ermöglichen können.

 

Was passiert mit der GKV im Ruhestand?

Eine freiwillige GKV-Mitgliedschaft endet mit der Pensionierung nicht automatisch. An die Stelle der aktiven Dienstbezüge treten dann insbesondere die Versorgungsbezüge. Auf Versorgungsbezüge gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent und nicht der ermäßigte Satz. Hinzu kommt der jeweilige Zusatzbeitrag.

Ob ein Dienstherr die Krankenversicherungsbeiträge im Ruhestand über eine pauschale Beihilfe oder einen Zuschuss mitfinanziert, richtet sich nach dem jeweiligen Beihilferecht. Die spätere Beitragsbelastung gehört deshalb bereits bei der Entscheidung während der aktiven Dienstzeit in den Vergleich.

 

GKV oder Beihilfe und PKV?

Die beiden Möglichkeiten unterscheiden sich nicht nur beim aktuellen Beitrag. Beim klassischen Modell übernimmt die individuelle Beihilfe einen Teil der beihilfefähigen Krankheitskosten und eine private Krankenversicherung sichert den verbleibenden Anteil ab. In der GKV richten sich die Beiträge dagegen grundsätzlich nach den beitragspflichtigen Einnahmen und Familienangehörige können unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert werden.

Welche Variante zur persönlichen Situation passt, kann sich deshalb je nach Dienstherr, Besoldung, weiteren Einkünften und Familienkonstellation unterscheiden. Auch Teilzeit, Elternzeit, Gesundheitszustand, gewünschter Leistungsumfang und die voraussichtliche Situation im Ruhestand spielen eine Rolle.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die pauschale Beihilfe. Wo sie angeboten wird, kann sie die finanzielle Ausgangslage der GKV erheblich verändern. Gleichzeitig kann die Entscheidung dafür dauerhaft sein. Auch ein späterer Wechsel des Dienstherrn sollte mitgedacht werden, weil die Beihilferegelungen von Bund und Ländern nicht einheitlich sind.

 

Ausblick 2027: Höhere Beitragsbemessungsgrenze vorgesehen

Für freiwillig gesetzlich versicherte Beamte mit höheren beitragspflichtigen Einnahmen könnte die GKV 2027 teurer werden. Nach dem im September 2026 vorgelegten Referentenentwurf zur Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung soll die Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 5.812,50 Euro auf 6.375 Euro monatlich steigen. Auf das Jahr gerechnet wären das 76.500 Euro statt bislang 69.750 Euro. Einkommen kann damit bis zu einem deutlich höheren Betrag für die Berechnung des Krankenversicherungsbeitrags herangezogen werden.

Wie hoch die tatsächliche Belastung 2027 sein wird, lässt sich Anfang Oktober 2026 noch nicht abschließend beziffern. Neben der Beitragsbemessungsgrenze ist dafür insbesondere der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse maßgeblich. Auch der durchschnittliche Zusatzbeitrag für 2027 steht noch nicht endgültig fest.

Die neuen Rechengrößen sind ebenfalls noch nicht beschlossen. Die Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung muss zunächst von der Bundesregierung beschlossen werden und anschließend die Zustimmung des Bundesrates erhalten. Die genannten Werte sind deshalb noch als Entwurfsstand zu verstehen.

 

Beamte in der GKV: Auf den Dienstherrn kommt es an

Die gesetzliche Krankenversicherung ist auch für Beamte möglich, wenn die Voraussetzungen für eine freiwillige Mitgliedschaft erfüllt sind. Wie attraktiv sie finanziell ist, hängt jedoch wesentlich davon ab, ob der Dienstherr einen Zuschuss beziehungsweise eine pauschale Beihilfe gewährt und welche beitragspflichtigen Einnahmen vorhanden sind.

Ein Vergleich sollte deshalb über den heutigen Krankenversicherungsbeitrag hinausgehen. Familie, Einkommensentwicklung, Beihilferecht und Ruhestand können die Kosten über viele Jahre verändern. Vor allem bei einer unwiderruflichen Entscheidung für die pauschale Beihilfe lohnt sich ein Blick auf die langfristigen Folgen.

Stand: Oktober 2026