Wer sich selbstständig macht, muss sich auch um seinen Krankenversicherungsschutz kümmern. Hauptberuflich Selbstständige sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der Regel nicht aufgrund ihrer Selbstständigkeit versicherungspflichtig. Wer bereits gesetzlich versichert ist, kann jedoch häufig als freiwilliges Mitglied in der GKV bleiben. Für bestimmte Gruppen, beispielsweise Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse oder Landwirte nach den besonderen Vorschriften der landwirtschaftlichen Krankenversicherung, gelten eigene Regelungen.
Besonders wichtig ist für Selbstständige die Beitragsberechnung. Hauptberuflich Selbstständige tragen ihre Beiträge in der Regel selbst; für bestimmte Gruppen wie Künstler und Publizisten gelten Sonderregelungen. Zudem berücksichtigt die Krankenkasse bei freiwillig Versicherten nicht nur den Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit. Auch weitere Einnahmen können beitragspflichtig sein. Gleichzeitig gelten eine Mindestbemessungsgrundlage und eine Beitragsbemessungsgrenze.
Freiwillig gesetzlich versichert oder private Krankenversicherung?
Hauptberuflich Selbstständige können grundsätzlich zwischen einer freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung und einer privaten Krankenversicherung wählen, sofern keine besondere Versicherungspflicht besteht. Wer unmittelbar vor Beginn der Selbstständigkeit gesetzlich versichert war, kann seinen Versicherungsschutz unter den gesetzlichen Voraussetzungen in der GKV fortsetzen. Die Entscheidung sollte nicht allein vom aktuellen Beitrag abhängig gemacht werden. Einkommen, Familienplanung, Krankengeldabsicherung und die langfristige Entwicklung des Versicherungsschutzes spielen ebenfalls eine Rolle. Besonders ein späterer Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht jederzeit frei möglich.
Welche Einnahmen zählen bei Selbstständigen für den GKV-Beitrag?
Bei freiwillig gesetzlich versicherten Selbstständigen richtet sich der Beitrag nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Maßgeblich ist daher nicht nur der Umsatz des Unternehmens. Bei der selbstständigen Tätigkeit kommt es grundsätzlich auf das steuerrechtliche Arbeitseinkommen, also vereinfacht auf den Gewinn, an. Darüber hinaus können weitere Einnahmen berücksichtigt werden.
Zu den beitragspflichtigen Einnahmen können beispielsweise Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen, gesetzliche Renten oder Versorgungsbezüge gehören. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch das Einkommen eines nicht gesetzlich krankenversicherten Ehe- oder Lebenspartners Einfluss auf die Beitragsberechnung haben. Insgesamt werden beitragspflichtige Einnahmen jedoch nur bis zur geltenden Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt.
Wie hoch ist der GKV-Beitrag für Selbstständige 2026?
Für freiwillig versicherte Selbstständige ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch gilt 2026 der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 Prozent. Wer sich für den gesetzlichen Krankengeldanspruch ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit entscheidet, zahlt den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Hinzu kommt jeweils der Zusatzbeitrag der gewählten Krankenkasse. Der für 2026 festgelegte durchschnittliche Zusatzbeitrag beträgt 2,9 Prozent; der tatsächlich erhobene Zusatzbeitrag kann je nach Krankenkasse höher oder niedriger sein.
Zusätzlich fallen Beiträge zur sozialen Pflegeversicherung an. Der reguläre Beitragssatz beträgt 2026 3,6 Prozent. Kinderlose Versicherte ab 23 Jahren zahlen einen Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten und damit grundsätzlich 4,2 Prozent. Eltern mit mehreren berücksichtigungsfähigen Kindern unter 25 Jahren können dagegen von Beitragsabschlägen profitieren. Deshalb lässt sich der Gesamtbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung nicht für alle Selbstständigen mit einem einzigen Prozentsatz angeben.
Mindestbeitrag für Selbstständige in der GKV
Auch bei sehr niedrigen Einkünften berechnet die Krankenkasse den Beitrag nicht unbegrenzt nach dem tatsächlich erzielten Einkommen. Für freiwillig Versicherte gilt 2026 eine Mindestbemessungsgrundlage von 1.318,33 Euro monatlich. Wer beispielsweise nur 900 Euro beitragspflichtige Einnahmen im Monat erzielt, zahlt seine Beiträge grundsätzlich trotzdem auf Grundlage von 1.318,33 Euro. Bei Anwendung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 2,9 Prozent beträgt der reine Mindestbeitrag zur Krankenversicherung 2026 rund 222,80 Euro monatlich ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch beziehungsweise rund 230,71 Euro mit Krankengeldanspruch. Hinzu kommt der Beitrag zur Pflegeversicherung. Der tatsächliche Gesamtbetrag hängt deshalb unter anderem vom Zusatzbeitrag der Krankenkasse, vom Krankengeldanspruch und von der persönlichen Situation in der Pflegeversicherung ab.
Höchstbeitrag und Beitragsbemessungsgrenze 2026
Nach oben wird die Beitragsberechnung durch die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt. Sie beträgt 2026 in der Kranken- und Pflegeversicherung 5.812,50 Euro monatlich beziehungsweise 69.750 Euro jährlich. Einkommen oberhalb dieser Grenze erhöht den Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag nicht weiter. Bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent beträgt der Höchstbeitrag zur Krankenversicherung für Selbstständige 2026 rund 982,31 Euro monatlich ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch und rund 1.017,19 Euro mit Krankengeldanspruch. Die Pflegeversicherung kommt zusätzlich hinzu. Da insbesondere Kinderlosenzuschlag und mögliche Abschläge für mehrere Kinder den Pflegebeitrag beeinflussen, unterscheidet sich auch hier der tatsächliche Gesamtbeitrag.
Wie wird das Einkommen gegenüber der Krankenkasse nachgewiesen?
Bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit steht das tatsächliche Jahreseinkommen meist noch nicht fest. Die Krankenkasse setzt die Beiträge deshalb zunächst vorläufig anhand der nachgewiesenen voraussichtlichen Einnahmen fest. Später dient der Einkommensteuerbescheid als Grundlage für die endgültige Beitragsberechnung.
Nach Vorlage des Steuerbescheids werden die Beiträge für das betreffende Kalenderjahr anhand der tatsächlich erzielten beitragspflichtigen Einnahmen endgültig festgesetzt. Waren die Einkünfte höher als zunächst angenommen, kann eine Nachzahlung entstehen. Waren sie niedriger, kann sich eine Erstattung ergeben. Selbstständige sollten deshalb bei schwankendem Einkommen finanzielle Reserven für mögliche Nachforderungen einplanen.
Warum ist die Drei-Jahres-Frist beim Steuerbescheid wichtig?
Wurden die Beiträge zunächst vorläufig festgesetzt, müssen die für die endgültige Festsetzung erforderlichen Einkommensnachweise innerhalb der gesetzlichen Fristen vorgelegt werden. Für das jeweilige Kalenderjahr gilt nach § 240 SGB V grundsätzlich eine Frist von drei Jahren nach dessen Ablauf. Fehlt der erforderliche Nachweis, kann die Krankenkasse die Beiträge für das betreffende Jahr endgültig auf Grundlage der Beitragsbemessungsgrenze festsetzen. Das kann erhebliche Nachforderungen verursachen.
Allerdings gibt es eine Korrekturmöglichkeit: Wird nach einer solchen Höchstbeitragsfestsetzung innerhalb von zwölf Monaten ein Antrag auf Neufestsetzung gestellt und der Einkommensteuerbescheid nachgereicht, können die Beiträge auf Grundlage der tatsächlich erzielten Einnahmen neu berechnet werden. Liegt noch kein Steuerbescheid vor, weil das Finanzamt ihn noch nicht erlassen hat, bestehen ebenfalls besondere Nachweismöglichkeiten. Selbstständige sollten Schreiben ihrer Krankenkasse zur Einkommensprüfung deshalb nicht unbeachtet lassen.
Krankengeld für gesetzlich versicherte Selbstständige
Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige haben nicht automatisch einen gesetzlichen Krankengeldanspruch. Sie können gegenüber ihrer Krankenkasse jedoch erklären, dass ihre Mitgliedschaft einen solchen Anspruch umfassen soll. Dann gilt statt des ermäßigten Beitragssatzes von 14,0 Prozent der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent. Das gesetzliche Krankengeld beginnt bei dieser Absicherung grundsätzlich mit der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit.
Daneben bieten Krankenkassen Krankengeld-Wahltarife an, mit denen je nach Tarif auch eine andere Absicherung möglich sein kann. Eine weitere Möglichkeit ist eine private Krankentagegeldversicherung. Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie lange der Selbstständige einen krankheitsbedingten Verdienstausfall aus eigenen Rücklagen überbrücken kann.
Was gilt bei nebenberuflicher Selbstständigkeit?
Nicht jede selbstständige Tätigkeit wird krankenversicherungsrechtlich als hauptberufliche Selbstständigkeit eingestuft. Wer beispielsweise hauptsächlich als Arbeitnehmer beschäftigt ist und daneben selbstständig arbeitet, kann weiterhin aufgrund seiner Beschäftigung gesetzlich pflichtversichert sein. Entscheidend ist eine Gesamtbetrachtung der wirtschaftlichen Bedeutung und des zeitlichen Umfangs der Tätigkeiten.
Eine starre Stundengrenze, nach der jede Tätigkeit unterhalb einer bestimmten Wochenarbeitszeit automatisch nebenberuflich wäre, gibt das Gesetz nicht vor. Beschäftigt ein Selbstständiger im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit regelmäßig mindestens einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig, wird allerdings gesetzlich vermutet, dass die Selbstständigkeit hauptberuflich ausgeübt wird. Die konkrete Einordnung nimmt die Krankenkasse anhand der jeweiligen Verhältnisse vor.
Familienversicherung trotz Selbstständigkeit?
Eine selbstständige Tätigkeit schließt eine beitragsfreie Familienversicherung nicht automatisch aus. Voraussetzung ist jedoch unter anderem, dass die Selbstständigkeit nicht hauptberuflich ausgeübt wird und das regelmäßige Gesamteinkommen die maßgebliche Einkommensgrenze nicht überschreitet. Im Jahr 2026 liegt diese grundsätzlich bei 565 Euro monatlich; bei einer geringfügigen Beschäftigung gilt die Minijob-Grenze von 603 Euro. Wer hauptberuflich selbstständig tätig ist, kann dagegen unabhängig von einem niedrigen Einkommen nicht beitragsfrei über den Ehe- oder Lebenspartner familienversichert werden. Gerade bei kleinen oder neu gegründeten Unternehmen ist die Unterscheidung zwischen haupt- und nebenberuflicher Selbstständigkeit daher besonders wichtig.
Was tun bei stark sinkendem Einkommen oder Zahlungsschwierigkeiten?
Sinkt das Einkommen deutlich, sollten Selbstständige frühzeitig Kontakt mit ihrer Krankenkasse aufnehmen und prüfen lassen, ob die vorläufige Beitragsfestsetzung angepasst werden kann. Maßgeblich sind dabei die gesetzlichen Vorgaben und geeignete Nachweise über die veränderte Einkommenssituation. Die Mindestbemessungsgrundlage bleibt grundsätzlich bestehen. Auch bei bereits bestehenden Beitragsrückständen ist es sinnvoll, die Krankenkasse frühzeitig anzusprechen. Je nach Situation können beispielsweise Zahlungsvereinbarungen oder eine Stundung in Betracht kommen. Beitragsforderungen sollten nicht einfach ignoriert werden, da Rückstände weitere finanzielle und versicherungsrechtliche Folgen haben können.
Ausblick 2027: Höhere Beitragsgrenzen in der GKV
Für 2027 müssen sich freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige voraussichtlich auf höhere Beitragsgrenzen einstellen. Nach dem aktuellen Entwurf der Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2027 soll die Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung von 5.812,50 Euro auf 6.375 Euro monatlich steigen. Die monatliche Bezugsgröße soll von 3.955 Euro auf 4.130 Euro steigen. Da sich die Mindestbemessungsgrundlage freiwillig Versicherter aus der Bezugsgröße ableitet, würde damit auch der Mindestwert für die Beitragsberechnung steigen.
Die Rechengrößen für 2027 sind derzeit noch nicht endgültig beschlossen. Auch die Entwicklung der Zusatzbeiträge der Krankenkassen bleibt abzuwarten. Selbstständige sollten deshalb zum Jahreswechsel prüfen, wie sich die endgültigen Rechengrößen und der Zusatzbeitrag ihrer Krankenkasse auf ihren persönlichen Beitrag auswirken.
GKV für Selbstständige: Nicht nur auf den Beitrag achten
Ob die gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige langfristig passt, hängt von der persönlichen und wirtschaftlichen Situation ab. Neben dem Beitrag spielen beispielsweise die Familienversicherung, die Absicherung bei längerer Krankheit und die langfristige Einkommensentwicklung eine Rolle.
Ein regelmäßiger Vergleich der gesetzlichen Krankenkassen kann sich ebenfalls lohnen. Unterschiede bestehen insbesondere beim Zusatzbeitrag, bei freiwilligen Zusatzleistungen, Bonusprogrammen, Wahltarifen und beim Service. Weitere Informationen bietet unser Krankenkassenvergleich.
Stand: Oktober 2026

