FAQ – häufige Fragen zu Versicherungen und Vorsorge

FAQ

Suche nach Begriffen
BegriffDefinition
Versicherungspflicht

Versicherungspflicht bedeutet, dass Personen unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen verpflichtet sind, gegen bestimmte Risiken versichert zu sein. In der Sozialversicherung entsteht diese Pflicht häufig unmittelbar kraft Gesetzes, während bei anderen Pflichtversicherungen ein Versicherungsvertrag abgeschlossen werden muss. Besonders bekannt ist die Pflicht zur Absicherung im Krankheitsfall. Daneben bestehen gesetzliche Versicherungspflichten etwa in der Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung sowie bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. Welche Pflicht im Einzelfall gilt, hängt unter anderem von der beruflichen Tätigkeit, dem Einkommen und der persönlichen Lebenssituation ab. Eine allgemeine Verpflichtung, sämtliche Versicherungen abzuschließen, gibt es nicht.

 

Welche Versicherungspflichten gibt es in Deutschland?

Die meisten gesetzlichen Versicherungspflichten betreffen die Sozialversicherung. Arbeitnehmer sind grundsätzlich in der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig. Für einzelne Personengruppen gelten jedoch Ausnahmen. So können beispielsweise Arbeitnehmer mit einem Einkommen oberhalb der maßgebenden Jahresarbeitsentgeltgrenze unter den gesetzlichen Voraussetzungen in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungsfrei sein. Auch Selbstständige unterliegen nicht automatisch denselben Versicherungspflichten wie Arbeitnehmer.

Außerhalb der Sozialversicherung ist insbesondere die Kfz-Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Für bestimmte Berufsgruppen, beispielsweise Rechtsanwälte oder Steuerberater, bestehen außerdem berufsrechtliche Pflichten zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung.

 

Wer ist in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig?

Die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich insbesondere nach § 5 SGB V. Sie betrifft unter den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen beispielsweise Arbeitnehmer, Auszubildende, Studierende, Rentner und Bezieher bestimmter Sozialleistungen. Die einzelnen Personengruppen und gesetzlichen Ausnahmen erläutert unser Beitrag zur GKV-Versicherungspflicht.

Bei Arbeitnehmern ist vor allem die Jahresarbeitsentgeltgrenze von Bedeutung. Liegt das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt darüber und sind die weiteren gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, besteht Versicherungsfreiheit in der GKV. Die betroffene Person kann dann unter den jeweiligen Voraussetzungen freiwillig gesetzlich versichert bleiben oder in die private Krankenversicherung wechseln. Eine Überschreitung der Einkommensgrenze führt also nicht automatisch zu einer privaten Krankenversicherung.

 

Muss jeder in Deutschland krankenversichert sein?

In Deutschland besteht grundsätzlich die Pflicht, für einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz zu sorgen. Dabei ist zwischen der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflicht zum Abschluss einer privaten Krankheitskostenversicherung zu unterscheiden. Für die GKV gelten insbesondere die Regelungen des SGB V. Für Personen, die nicht gesetzlich versichert oder versicherungspflichtig sind, enthält § 193 VVG Vorschriften zur privaten Krankheitskostenversicherung und bestimmte Ausnahmen.

Wer nicht der Versicherungspflicht in der GKV unterliegt, muss deshalb nicht zwangsläufig eine private Krankenversicherung abschließen. Je nach persönlicher Situation kann auch eine freiwillige Mitgliedschaft in der GKV bestehen oder möglich sein. Entscheidend ist, welchem Versicherungssystem die Person nach den gesetzlichen Vorschriften zugeordnet ist und welche Zugangsvoraussetzungen erfüllt werden.

 

Welche Pflichten bestehen in der Pflege-, Renten- und Unfallversicherung?

Neben der Krankenversicherung bestehen in weiteren Zweigen der Sozialversicherung gesetzliche Versicherungspflichten. Arbeitnehmer sind grundsätzlich in der Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig. Auch bestimmte Selbstständige können der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen. In der Pflegeversicherung folgt die Absicherung grundsätzlich der Krankenversicherung: Gesetzlich Krankenversicherte sind in der Regel in der sozialen Pflegeversicherung versichert, privat Krankenversicherte müssen grundsätzlich eine private Pflege-Pflichtversicherung unterhalten.

Beschäftigte stehen außerdem kraft Gesetzes unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Anders als bei der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung werden die Beiträge für Beschäftigte grundsätzlich allein vom Arbeitgeber getragen. Auch weitere Personengruppen, beispielsweise Schüler und Studierende bei bestimmten versicherten Tätigkeiten, können gesetzlich unfallversichert sein.

 

Wann sind eine Kfz- oder Berufshaftpflichtversicherung vorgeschrieben?

Nach dem Pflichtversicherungsgesetz müssen Halter der vom Gesetz erfassten Fahrzeuge grundsätzlich eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen und aufrechterhalten. Sie dient vor allem dazu, Personen abzusichern, die durch den Gebrauch eines Fahrzeugs einen Schaden erleiden. Für bestimmte Halter und Fahrzeuge gelten gesetzliche Ausnahmen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Bereich Autoversicherungen.

Auch in bestimmten Berufen ist eine Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Das betrifft beispielsweise Rechtsanwälte, Steuerberater und weitere Berufsgruppen, bei denen eine Berufshaftpflichtversicherung Voraussetzung für die Berufsausübung ist. Welche Mindestversicherungssummen und sonstigen Anforderungen gelten, richtet sich nach dem jeweiligen Berufsrecht.

 

Warum gibt es eine gesetzliche Versicherungspflicht?

Gesetzliche Versicherungspflichten sollen verhindern, dass Menschen bei bestimmten Risiken ohne ausreichende Absicherung bleiben oder Geschädigte ihre berechtigten Ansprüche nicht durchsetzen können. In der Sozialversicherung steht die soziale Absicherung bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Erwerbsminderung, Alter, Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfällen im Mittelpunkt. Bei der Kfz- und Berufshaftpflichtversicherung geht es dagegen insbesondere um den Schutz Dritter vor den finanziellen Folgen eines Schadens.

Welche Folgen eine fehlende Versicherung hat, hängt von der jeweiligen Versicherungspflicht ab. Sie reichen je nach Rechtsgebiet von Beitragsnachforderungen bis zu weiteren gesetzlichen Sanktionen. Eine pauschale Aussage, dass jede fehlende Pflichtversicherung strafbar sei oder automatisch zum Verlust sämtlicher Leistungen führe, wäre daher falsch.

Synonyme: Pflichtversicherung, gesetzliche Versicherungspflicht, Krankenversicherungspflicht, Sozialversicherungspflicht, Pflicht zur Krankenversicherung

Mentioned in