Altersvorsorge beginnt mit einer einfachen Frage: Was bleibt Ihnen später eigentlich? Die Antwort darauf ist von Mensch zu Mensch verschieden. Entscheidend sind unter anderem Ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, eine mögliche betriebliche Altersversorgung, Ihre private Vorsorge und die Frage, welchen Lebensstandard Sie im Ruhestand erhalten möchten.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Vorsorgeverträge abzuschließen. Gute Altersvorsorge sollte zu Ihrem Einkommen, Ihrer Lebenssituation und Ihren persönlichen Zielen passen. Und sie sollte sich verändern können, wenn sich Ihr Leben verändert.
Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Möglichkeiten der Altersvorsorge und erfahren, welche Fragen Sie bei Ihrer persönlichen Planung berücksichtigen sollten.
Altersvorsorge: Erst wissen, was später da ist
Bevor Sie über zusätzliche Altersvorsorge nachdenken, sollten Sie zunächst wissen, welche Einkünfte Sie im Ruhestand voraussichtlich bereits haben. Für viele Arbeitnehmer bildet die gesetzliche Rente die wichtigste Grundlage. Hinzukommen können beispielsweise eine Betriebsrente, private Rentenversicherungen oder staatlich geförderte Vorsorge.
Erst aus dem Vergleich zwischen den voraussichtlichen Alterseinkünften und dem gewünschten finanziellen Bedarf lässt sich erkennen, ob eine Versorgungslücke besteht – und wie groß diese sein könnte.
Dabei sollte nicht nur die Höhe einer späteren Rente betrachtet werden. Auch Inflation, Steuern sowie mögliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung können beeinflussen, wie viel Geld im Ruhestand tatsächlich zur Verfügung steht.
Die gesetzliche Rentenversicherung – die Grundlage für viele Arbeitnehmer
Für die meisten Arbeitnehmer ist die gesetzliche Rentenversicherung die zentrale Grundlage ihrer Altersvorsorge. Wie hoch die spätere Rente ausfällt, hängt insbesondere vom Versicherungsverlauf, den versicherten Einkommen und dem Zeitpunkt des Rentenbeginns ab.
Einen wichtigen Anhaltspunkt bietet die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie zeigt unter anderem, welche Rentenansprüche bereits erworben wurden und welche Altersrente sich bei bestimmten Annahmen ergeben könnte.
Neben der klassischen Altersrente kennt die gesetzliche Rentenversicherung unterschiedliche Rentenarten und Leistungen. Auch der mögliche Zeitpunkt des Rentenbeginns und die dafür notwendigen Versicherungszeiten spielen für die persönliche Planung eine wichtige Rolle.
Für Ihre Altersvorsorge ist deshalb weniger ein allgemeines Rentenniveau entscheidend als die Frage: Mit welcher gesetzlichen Rente können Sie persönlich rechnen?
Betriebliche Altersversorgung – Vorsorge über den Arbeitgeber
Die betriebliche Altersversorgung (bAV) kann die gesetzliche Rente ergänzen. Sie kann vom Arbeitgeber finanziert, über eine Entgeltumwandlung aufgebaut oder aus beiden Komponenten finanziert werden.
Für die betriebliche Altersversorgung gibt es verschiedene Durchführungswege. Dazu gehören beispielsweise Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktzusage. Welcher Weg zur Verfügung steht, wird wesentlich vom Arbeitgeber bestimmt.
Bei einer Entgeltumwandlung werden Teile des künftigen Bruttoentgelts für die Altersvorsorge verwendet. Dadurch können während der Ansparphase Steuern und Sozialabgaben gespart werden. Bei einer Entgeltumwandlung über Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds muss der Arbeitgeber grundsätzlich 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zusätzlich als Zuschuss weiterleiten, soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart. Tarifvertragliche Regelungen können davon abweichen.
Ob eine betriebliche Altersversorgung im konkreten Fall vorteilhaft ist, sollte jedoch nicht allein anhand der Ersparnis während der Einzahlung beurteilt werden. Arbeitgeberleistungen, Kosten, die spätere Besteuerung sowie mögliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gehören ebenfalls in die Betrachtung.
Private Altersvorsorge – individuell für später vorsorgen
Die private Altersvorsorge ergänzt die gesetzliche und gegebenenfalls betriebliche Absicherung. Wie sie gestaltet wird, hängt unter anderem davon ab, wie viel Zeit bis zum Ruhestand bleibt, welcher Betrag regelmäßig zur Verfügung steht und wie wichtig Sicherheit, Renditechancen und Flexibilität sind.
Eine Möglichkeit ist die private Rentenversicherung. Sie kann beispielsweise klassisch oder fondsgebunden gestaltet werden. Die Unterschiede betreffen unter anderem Garantien, Kapitalanlage, Kosten, Renditechancen und die Möglichkeiten der späteren Auszahlung.
Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung wird das Vertragsguthaben ganz oder teilweise am Kapitalmarkt angelegt. Dadurch entstehen andere Chancen und Risiken als bei stärker garantieorientierten Varianten. Welche Lösung passt, hängt deshalb auch davon ab, wie Sie mit Wertschwankungen umgehen und welche Sicherheiten Sie für Ihre Altersvorsorge wünschen.
Auch die spätere Besteuerung und die Sicherheit einer privaten Rentenversicherung gehören zu den Punkten, die vor einer Entscheidung betrachtet werden sollten.
Staatlich geförderte Altersvorsorge – Förderung kann einen Unterschied machen
Bestimmte Formen der Altersvorsorge werden staatlich gefördert. Dabei unterscheiden sich Förderwege, Voraussetzungen und Zielgruppen erheblich. Deshalb sollte nicht allein die Höhe einer Förderung darüber entscheiden, ob eine Vorsorgeform zur persönlichen Situation passt.
Zu den bekannten Formen gehören die Riester-Rente sowie die Basisrente. Die Förderung funktioniert dabei unterschiedlich: Während bei Riester insbesondere Zulagen und mögliche steuerliche Vorteile eine Rolle spielen, erfolgt die Förderung der Basisrente über die steuerliche Berücksichtigung der Beiträge.
Eine Förderung ist jedoch immer nur ein Teil der Rechnung. Eigenbeitrag, Kosten, Vertragsdauer, Flexibilität und die spätere Auszahlung entscheiden mit darüber, was von einer geförderten Altersvorsorge tatsächlich bleibt.
Riester-Rente – Altersvorsorge mit staatlicher Förderung
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Die Förderung besteht aus Zulagen und möglichen steuerlichen Vorteilen. Besonders für Familien mit Kindern und Menschen mit geringerem Einkommen kann die Förderung im Verhältnis zum eigenen Beitrag interessant sein.
Wie attraktiv eine Riester-Rente im Einzelfall ist, hängt jedoch nicht allein von der Förderung ab. Auch der erforderliche Eigenbeitrag, die Kosten des Vertrages, die verbleibende Laufzeit und die spätere Auszahlung müssen berücksichtigt werden.
Eine besondere Verwendungsmöglichkeit der Riester-Förderung ist Wohn-Riester. Dabei kann gefördertes Altersvorsorgevermögen unter bestimmten Voraussetzungen für selbst genutztes Wohneigentum eingesetzt werden.
Die staatlich geförderte private Altersvorsorge wird derzeit reformiert. Für bestehende Riester-Verträge ist deshalb besonders wichtig, nicht vorschnell zu kündigen, sondern zunächst Förderung, Vertragsbedingungen und mögliche Alternativen zu vergleichen.
Basisrente – steuerlich geförderte Altersvorsorge
Die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, ist eine steuerlich geförderte Form der Altersvorsorge. Sie kann insbesondere für Selbstständige und Freiberufler interessant sein, kommt grundsätzlich aber auch für andere Personengruppen infrage.
Die Förderung erfolgt nicht über Zulagen, sondern über die steuerliche Berücksichtigung der Beiträge im Rahmen der gesetzlichen Voraussetzungen. Im Gegenzug ist die Basisrente stark auf die Altersversorgung ausgerichtet: Das angesparte Kapital kann grundsätzlich nicht als einmalige Kapitalleistung ausgezahlt werden, sondern dient der lebenslangen Rentenzahlung.
Ob die steuerlichen Vorteile und die langfristige Bindung zur persönlichen Vorsorge passen, hängt deshalb stark von der individuellen und steuerlichen Situation ab.
Welche Altersvorsorge passt zu Ihnen?
Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Für einen jungen Berufseinsteiger können andere Kriterien wichtig sein als für eine Familie mit Kindern, einen Selbstständigen oder jemanden, der nur noch wenige Jahre bis zum Ruhestand hat.
Für die persönliche Planung sind vor allem folgende Fragen wichtig:
- Welche Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge bestehen bereits?
- Wie viel Einkommen möchten oder benötigen Sie im Ruhestand?
- Wie groß ist die voraussichtliche Versorgungslücke?
- Wie viel können Sie heute dauerhaft für Ihre Altersvorsorge aufbringen?
- Welche Fördermöglichkeiten kommen für Sie infrage?
- Wie wichtig sind Ihnen Sicherheit, Renditechancen und Flexibilität?
- Was passiert mit Ihrer Vorsorge, wenn sich Einkommen oder Lebenssituation verändern?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich sinnvoll beurteilen, welche Bausteine zusammenpassen. Auch unterschiedliche Lebenssituationen können besondere Anforderungen mit sich bringen. So können beispielsweise Elternzeit, Teilzeitarbeit oder längere Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit Auswirkungen auf die spätere Altersversorgung haben. Welche besonderen Auswirkungen solche Erwerbsbiografien haben können, betrachten wir auch im Beitrag „Altersvorsorge für Frauen“.
Früh anfangen hilft – aber später anfangen ist besser als gar nicht
Wer früh mit der Altersvorsorge beginnt, hat einen wichtigen Vorteil: mehr Zeit. Dadurch können auch kleinere regelmäßige Beiträge über einen langen Zeitraum einen Beitrag zur späteren Versorgung leisten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Altersvorsorge ab einem bestimmten Alter keinen Sinn mehr hat. Auch später können zusätzliche Beiträge, betriebliche Möglichkeiten oder eine Anpassung bestehender Verträge die finanzielle Situation im Ruhestand verbessern.
Wichtiger als der vermeintlich perfekte Zeitpunkt ist deshalb, sich überhaupt mit der eigenen Situation zu beschäftigen.
Altersvorsorge regelmäßig überprüfen
Eine einmal abgeschlossene Altersvorsorge sollte nicht jahrzehntelang unbeachtet bleiben. Einkommen, Familie, Beruf und persönliche Ziele können sich verändern. Gleichzeitig ändern sich gesetzliche Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten.
Deshalb ist es sinnvoll, die eigene Altersvorsorge in regelmäßigen Abständen und besonders bei größeren Veränderungen im Leben zu überprüfen. Je näher der Ruhestand rückt, desto wichtiger wird außerdem die Abstimmung der verschiedenen Renten- und Vorsorgebausteine. Welche Punkte dabei häufig übersehen werden, zeigt auch unser Beitrag „Die größten Fehler kurz vor der Rente“.
Dabei geht es nicht automatisch darum, bestehende Verträge zu ersetzen oder neue abzuschließen. Manchmal ist ein vorhandener Vertrag weiterhin passend, manchmal kann er angepasst werden – und manchmal zeigt die Prüfung, dass an anderer Stelle tatsächlich Vorsorge fehlt.
Fazit: Altersvorsorge sollte zu Ihrem Leben passen
Gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge können sich gegenseitig ergänzen. Staatliche Förderungen können zusätzliche Vorteile bieten. Welche Kombination sinnvoll ist, lässt sich jedoch nicht allgemein beantworten.
Der erste Schritt besteht deshalb nicht darin, ein bestimmtes Produkt auszuwählen. Zunächst sollten Sie wissen, was bereits vorhanden ist, was Ihnen später voraussichtlich zur Verfügung steht und was möglicherweise noch fehlt.
So wird aus einzelnen Vorsorgebausteinen eine Altersvorsorge, die zu Ihrer persönlichen Situation passt – heute und möglichst auch in Zukunft.
