
FAQ
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Lebenserwartung | Die Lebenserwartung gibt an, wie viele Lebensjahre Menschen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe unter den zugrunde gelegten Sterblichkeitsverhältnissen durchschnittlich erreichen können. Sie ist eine statistische Größe und keine Vorhersage darüber, wie alt ein einzelner Mensch tatsächlich wird. Unterschieden wird zwischen der Lebenserwartung bei Geburt und der sogenannten ferneren Lebenserwartung. Letztere beschreibt, wie viele Lebensjahre Menschen, die bereits ein bestimmtes Alter erreicht haben, durchschnittlich noch vor sich haben. Für Versicherungen ist die Lebenserwartung eine wichtige Kalkulationsgrundlage. Sie hilft insbesondere dabei, die voraussichtliche Dauer von Rentenzahlungen und die Wahrscheinlichkeit von Todesfällen einzuschätzen. Welche Bedeutung sie im Einzelnen hat, hängt von der jeweiligen Versicherungsart ab. Wie wird die Lebenserwartung berechnet?Die Berechnung erfolgt anhand von Sterbetafeln. Diese zeigen, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, in einem bestimmten Alter zu sterben oder das nächste Lebensjahr zu erreichen. Daraus lässt sich die durchschnittlich verbleibende Lebensdauer ableiten. Die amtliche Statistik unterscheidet dabei zwischen Periodensterbetafeln und Generationen- beziehungsweise Kohortensterbetafeln. Periodensterbetafeln bilden die Sterblichkeitsverhältnisse eines bestimmten Zeitraums ab, ohne zukünftige Veränderungen einzurechnen. Kohortensterbetafeln betrachten dagegen einzelne Geburtsjahrgänge. Solange noch Angehörige eines Jahrgangs leben, müssen für die verbleibende Lebenszeit Annahmen über die künftige Sterblichkeit getroffen werden. Versicherungsunternehmen verwenden für ihre Kalkulation eigene beziehungsweise branchenspezifische versicherungsmathematische Sterbetafeln, die auf das jeweilige versicherte Risiko abgestimmt sind. Welche Faktoren beeinflussen die Lebenserwartung?Die Lebenserwartung hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören genetische Voraussetzungen, Geschlecht, Ernährung, Bewegung, medizinische Versorgung und Umweltbelastungen. Auch Bildung, Einkommen und berufliche Belastungen spielen eine Rolle. Der historische Anstieg der Lebenserwartung ist unter anderem auf bessere Lebensbedingungen, Fortschritte in der Medizin und den Rückgang der Säuglings- und Kindersterblichkeit zurückzuführen. Innerhalb Deutschlands bestehen zudem regionale Unterschiede. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Baden-Württemberg seit Jahren vergleichsweise hoch, während sie in einigen anderen Bundesländern niedriger ausfällt. Solche Unterschiede hängen mit verschiedenen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zusammen. Sie lassen jedoch keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die individuelle Lebensdauer zu. Wie hoch ist die Lebenserwartung in Deutschland?Nach der Sterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamtes beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland 78,8 Jahre für Männer und 83,4 Jahre für Frauen. Diese Werte beschreiben die Sterblichkeitsverhältnisse des untersuchten Zeitraums. Sie sind keine Prognose darüber, wie alt heute geborene Kinder tatsächlich werden. Wer bereits ein höheres Lebensalter erreicht hat, kann statistisch mit weiteren Lebensjahren rechnen. Für 65-jährige Männer beträgt die fernere Lebenserwartung nach derselben Sterbetafel rund 18 Jahre, für gleichaltrige Frauen 21,1 Jahre. Gerade bei der Altersvorsorge ist diese verbleibende Lebenserwartung von Bedeutung, weil die finanzielle Absicherung möglicherweise über mehrere Jahrzehnte reichen muss. Die aktuellen Zahlen und methodischen Erläuterungen veröffentlicht das Statistische Bundesamt. Warum ist die Lebenserwartung für die Altersvorsorge wichtig?Wer länger lebt, benötigt unter Umständen auch länger ein regelmäßiges Einkommen. Bei einer lebenslangen privaten Rentenversicherung trägt der Versicherer das Risiko, dass die versicherte Person länger lebt als kalkuliert. Die erwartete Rentenbezugsdauer fließt deshalb in die Berechnung der Rentenleistungen ein. Wer dagegen eigenes Kapital für den Ruhestand anspart, muss selbst berücksichtigen, wie lange dieses Geld ausreichen soll. Auch für die gesetzliche Rentenversicherung ist die demografische Entwicklung wichtig. Eine längere durchschnittliche Rentenbezugsdauer beeinflusst die langfristige Finanzierung des Systems, ohne dass sich daraus automatisch eine bestimmte Beitragserhöhung oder Rentenkürzung ableiten lässt. Bei der persönlichen Planung sollte außerdem bedacht werden, dass die tatsächliche Lebensdauer deutlich über dem statistischen Durchschnitt liegen kann. Weitere Informationen finden Sie im Bereich private Altersvorsorge. Welche Rolle spielt die Lebenserwartung bei anderen Versicherungen?Bei einer Risikolebensversicherung kommt es darauf an, wie wahrscheinlich der Tod der versicherten Person während der vereinbarten Vertragslaufzeit ist. Sinkt die Sterblichkeit, kann sich bei ansonsten gleichen Bedingungen auch das versicherte Todesfallrisiko verringern. Bei einer lebenslangen Rentenversicherung wirkt eine längere erwartete Lebensdauer dagegen in die andere Richtung, weil Renten möglicherweise über einen längeren Zeitraum gezahlt werden müssen. In der Krankenversicherung kann eine längere Lebensdauer mit einer längeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen verbunden sein. Die Entwicklung der Gesundheitsausgaben hängt jedoch ebenso von Erkrankungshäufigkeit, Behandlungskosten und medizinischem Fortschritt ab. Die Lebenserwartung allein bestimmt deshalb weder die Beiträge noch den Leistungsumfang einer Krankenversicherung. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung stehen andere Risiken im Mittelpunkt. Entscheidend sind insbesondere die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit, die mögliche Dauer des Leistungsbezugs und das vereinbarte Versicherungsendalter. Eine steigende allgemeine Lebenserwartung bedeutet nicht automatisch, dass Berufsunfähigkeit häufiger eintritt oder sich bestehende Vertragslaufzeiten verlängern. Fazit: Lebenserwartung und langfristige finanzielle PlanungDie Lebenserwartung hilft, die durchschnittliche Lebensdauer einer Bevölkerungsgruppe einzuschätzen. Für Versicherungen bildet sie eine wichtige statistische Grundlage, insbesondere bei der Berechnung lebenslanger Renten und der Absicherung von Todesfallrisiken. Bei der persönlichen Altersvorsorge sollte jedoch nicht allein der Durchschnitt maßgeblich sein. Entscheidend ist, dass die finanzielle Absicherung auch dann ausreicht, wenn das eigene Leben deutlich länger dauert als statistisch erwartet. |