
Fachbegriffe aus der Versicherungsbranche
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Captive-Versicherung | Eine Captive-Versicherung ist ein Versicherungsunternehmen, das hauptsächlich oder ausschließlich Risiken seines Eigentümers oder verbundener Unternehmen versichert. Solche Gesellschaften werden insbesondere von größeren Unternehmen oder Unternehmensgruppen gegründet, um bestimmte betriebliche Risiken selbst zu finanzieren und ihren Versicherungsschutz gezielter zu gestalten. Im Unterschied zur bloßen Eigenvorsorge handelt es sich bei einer Captive um einen rechtlich eigenständigen Versicherer. Wie funktioniert eine Captive-Versicherung?Das Unternehmen oder die Unternehmensgruppe gründet beziehungsweise beteiligt sich an einer eigenen Versicherungsgesellschaft. Diese übernimmt vertraglich festgelegte Risiken und erhält dafür Versicherungsbeiträge. Treten versicherte Schäden ein, erbringt die Captive die vereinbarten Leistungen aus ihren verfügbaren Mitteln. Größere Risiken können zusätzlich durch Rückversicherungen abgesichert werden. Eine Captive kann auch als Rückversicherer eingesetzt werden, wenn ein anderer Versicherer zunächst den Versicherungsschutz bereitstellt und anschließend vereinbarte Risiken an die Captive weitergibt. Welche Formen von Captive-Versicherungen gibt es?Bei einer unternehmenseigenen Captive versichert die Gesellschaft überwiegend Risiken eines einzelnen Unternehmens oder Konzerns. Eine Gruppen-Captive wird dagegen von mehreren Unternehmen gemeinsam getragen, die ihre Risiken über eine gemeinsame Versicherungsgesellschaft absichern. Daneben bestehen besondere Organisationsformen, bei denen mehrere Unternehmen eine gemeinsame Infrastruktur nutzen können. Die rechtliche Ausgestaltung und die Trennung der jeweiligen Risiken hängen vom gewählten Modell und den Vorschriften des Sitzstaates ab. Welche Vorteile bietet eine Captive-Versicherung?Eine Captive kann Unternehmen mehr Einfluss auf die Gestaltung ihres Versicherungsschutzes ermöglichen. Sie kann insbesondere dann interessant sein, wenn bestimmte Risiken am regulären Versicherungsmarkt nur eingeschränkt oder zu hohen Beiträgen versicherbar sind. Auch eine bessere Steuerung der eigenen Schadenentwicklung und eine langfristige Risikofinanzierung können Vorteile darstellen. Ob tatsächlich Kosten eingespart werden, hängt jedoch von der Schadenentwicklung, den Betriebskosten, dem erforderlichen Kapital und der gewählten Rückversicherungsstrategie ab. Eine Captive garantiert daher keine wirtschaftlichen Vorteile. Welche Risiken und Anforderungen bestehen?Die Gründung und der Betrieb einer Captive erfordern ausreichend Kapital, versicherungstechnisches Fachwissen und ein geeignetes Risikomanagement. Hohe Schäden können die finanziellen Mittel der Gesellschaft erheblich belasten. Zudem entstehen Kosten für Verwaltung, Aufsicht, Prüfung und gegebenenfalls Rückversicherung. Captives unterliegen den jeweils geltenden versicherungsaufsichtsrechtlichen Anforderungen. Innerhalb der Europäischen Union sind insbesondere die einschlägigen Regelungen des Solvency-II-Aufsichtsrahmens relevant. Die konkreten Anforderungen hängen unter anderem davon ab, ob die Captive als Erst- oder Rückversicherer tätig ist und welche Risiken sie übernimmt. Für wen eignet sich eine Captive-Versicherung?Captive-Versicherungen kommen vor allem für Unternehmen oder Unternehmensgruppen mit einem ausreichend großen und langfristig planbaren Versicherungsbedarf infrage. Voraussetzung ist, dass die wirtschaftlichen Vorteile einer eigenen Versicherungsgesellschaft die zusätzlichen Kosten, Kapitalbindungen und Risiken rechtfertigen. Für Privatpersonen und kleinere Unternehmen ist die Gründung einer eigenen Captive in der Regel keine praktikable Alternative zum Abschluss herkömmlicher Versicherungsverträge. |
| Chronische Erkrankungen | Chronische Erkrankungen sind Krankheiten, die über längere Zeit bestehen oder wiederholt auftreten. Sie können dauerhaft behandlungsbedürftig sein, müssen aber nicht zwangsläufig unheilbar sein. Beispiele sind Diabetes, Asthma, rheumatische Erkrankungen und bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für den Versicherungsschutz ist insbesondere entscheidend, ob eine Erkrankung bereits vor Vertragsabschluss bekannt war oder erst während eines bestehenden Versicherungsvertrags auftritt. Welche Auswirkungen haben chronische Erkrankungen auf Versicherungen?Chronische Erkrankungen können vor allem bei Versicherungen mit Gesundheitsprüfung eine Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise die private Krankenversicherung, die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Risikolebensversicherung. Der Versicherer berücksichtigt bei der Risikobewertung unter anderem die Diagnose, den Krankheitsverlauf und mögliche gesundheitliche Folgen. Je nach Versicherungsart und Anbieter kann der Antrag zu normalen Bedingungen angenommen werden, ein Risikozuschlag oder Leistungsausschluss vorgesehen sein oder eine Ablehnung erfolgen. Müssen chronische Erkrankungen beim Versicherungsabschluss angegeben werden?Bei Versicherungen mit Gesundheitsfragen müssen Antragsteller die ihnen bekannten gefahrerheblichen Umstände vollständig und wahrheitsgemäß angeben, nach denen der Versicherer in Textform fragt. Das gilt auch für gut behandelte oder derzeit beschwerdefreie chronische Erkrankungen, sofern sie von den Fragen und dem abgefragten Zeitraum erfasst sind. Eine Pflicht, ungefragt sämtliche gesundheitlichen Informationen mitzuteilen, besteht dagegen grundsätzlich nicht. Unrichtige oder unvollständige Angaben können unter den gesetzlichen Voraussetzungen erhebliche Folgen für den Versicherungsvertrag haben. Näheres erläutert unser Beitrag zur vorvertraglichen Anzeigepflicht. Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung trotz chronischer Erkrankung möglich?Auch mit einer chronischen Erkrankung kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Ob und zu welchen Bedingungen Versicherungsschutz angeboten wird, hängt von der individuellen Risikoprüfung ab. Bei gesundheitlichen Vorbelastungen kann eine anonymisierte Risikovoranfrage sinnvoll sein, bevor ein verbindlicher Antrag gestellt wird. Tritt eine chronische Erkrankung erst nach Vertragsabschluss auf, bleibt der vereinbarte Versicherungsschutz grundsätzlich bestehen. Eine spätere Erkrankung muss bei einem unverändert fortgeführten Vertrag normalerweise nicht nachgemeldet werden. Ob eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird, richtet sich allerdings nach den vertraglich vereinbarten Leistungsvoraussetzungen. Die Diagnose allein begründet noch keinen Leistungsanspruch. Wie wirken sich chronische Erkrankungen auf die Krankenversicherung aus?In der gesetzlichen Krankenversicherung führen chronische Erkrankungen grundsätzlich weder zu individuellen Risikozuschlägen noch zum Ausschluss medizinisch notwendiger Leistungen allein wegen der gesundheitlichen Vorgeschichte. Bei einem Neuabschluss einer privaten Krankenversicherung kann dagegen eine Gesundheitsprüfung vorgesehen sein, die zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung führen kann. Für den gesetzlich geregelten Basistarif der privaten Krankenversicherung gelten besondere Vorschriften. Wer die gesetzlichen Aufnahmevoraussetzungen erfüllt, darf nicht wegen einer chronischen Erkrankung abgelehnt werden. Krankheitsbedingte Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse sind dort ausgeschlossen. Welche Bedeutung haben chronische Erkrankungen bei der Risikolebensversicherung?Bei einer Risikolebensversicherung können chronische Erkrankungen die Annahmeentscheidung beeinflussen, weil der Versicherer das individuelle Todesfallrisiko beurteilt. Je nach Erkrankung und Krankheitsverlauf sind normale Vertragsbedingungen, Risikozuschläge oder eine Ablehnung möglich. Erkrankt die versicherte Person erst nach Vertragsabschluss, bleibt der vereinbarte Todesfallschutz grundsätzlich bestehen. Bei einer späteren Erhöhung der Versicherungssumme können jedoch neue Gesundheitsfragen erforderlich sein. Können chronische Erkrankungen zu einer Erwerbsminderungsrente führen?Eine chronische Erkrankung kann einen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente begründen, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen die Erwerbsfähigkeit entsprechend vermindern und die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Für eine volle Erwerbsminderungsrente ist grundsätzlich eine Leistungsfähigkeit von weniger als drei Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt maßgeblich. Bei mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden kommt grundsätzlich eine teilweise Erwerbsminderungsrente infrage. Entscheidend ist nicht allein die Diagnose, sondern wie stark die Erkrankung die Erwerbsfähigkeit tatsächlich einschränkt. Anders als bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung steht grundsätzlich nicht die Ausübung des bisherigen Berufs im Mittelpunkt. Welche Alternativen bestehen bei einer Ablehnung?Lehnt ein Versicherer einen Antrag wegen einer chronischen Erkrankung ab, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass bei anderen Anbietern kein Versicherungsschutz erhältlich ist. Die Annahmerichtlinien können sich unterscheiden. Eine anonymisierte Risikovoranfrage kann helfen, mögliche Angebote und Einschränkungen vorab zu klären. Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht erhältlich, können unter Umständen eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Dread-Disease-Versicherung infrage kommen. Diese Versicherungen haben jedoch andere Leistungsvoraussetzungen und ersetzen den Schutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht gleichwertig. |
| Claims-Made-Prinzip | Das Claims-Made-Prinzip, auch Anspruchserhebungsprinzip genannt, ist eine Regelung zur zeitlichen Zuordnung des Versicherungsschutzes, die insbesondere bei bestimmten Haftpflichtversicherungen verwendet wird. Maßgeblich ist grundsätzlich der Zeitpunkt, zu dem ein Dritter erstmals einen Haftpflichtanspruch gegen den Versicherten erhebt. Im Unterschied zum Schadenereignisprinzip kommt es damit nicht allein darauf an, wann der Schaden verursacht wurde oder eingetreten ist. Wie funktioniert das Claims-Made-Prinzip?Bei einer Versicherung nach dem Claims-Made-Prinzip muss der Haftpflichtanspruch grundsätzlich innerhalb des vereinbarten Versicherungszeitraums erstmals erhoben werden. Zusätzlich können die Versicherungsbedingungen vorsehen, dass der Anspruch innerhalb bestimmter Fristen beim Versicherer gemeldet werden muss. Ein Beispiel: Ein Geschäftsführer trifft im Jahr 2025 eine fehlerhafte Entscheidung. Der daraus entstandene Schaden wird erst 2027 erkannt und ein entsprechender Haftpflichtanspruch gegen ihn erhoben. Bei einer Claims-Made-Deckung kann die im Jahr 2027 bestehende Versicherung zuständig sein, sofern die übrigen Vertragsbedingungen erfüllt sind. Entscheidend sind insbesondere der vereinbarte Versicherungszeitraum und mögliche Regelungen zur Rückwärtsdeckung. Bei welchen Versicherungen wird das Claims-Made-Prinzip verwendet?Das Claims-Made-Prinzip ist besonders bei der D&O-Versicherung zur Absicherung von Haftungsrisiken von Geschäftsführern und anderen Organmitgliedern verbreitet. Es kann außerdem bei bestimmten Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen und weiteren spezialisierten Haftpflichtdeckungen vereinbart werden. Nicht jede Berufshaftpflichtversicherung arbeitet nach diesem Prinzip. Welche zeitliche Zuordnung gilt, ergibt sich aus den jeweiligen Versicherungsbedingungen. Was ist der Unterschied zum Schadenereignisprinzip?Beim Schadenereignisprinzip ist grundsätzlich ein während der Versicherungsdauer eingetretenes, vertraglich definiertes Schadenereignis für die zeitliche Zuordnung maßgeblich. Der daraus entstehende Anspruch kann unter Umständen erst später geltend gemacht werden. Beim Claims-Made-Prinzip steht dagegen die erstmalige Erhebung des Haftpflichtanspruchs im Vordergrund. Deshalb kann auch ein Anspruch wegen eines früher verursachten Schadens versichert sein, wenn die vertraglichen Voraussetzungen einschließlich einer gegebenenfalls erforderlichen Rückwärtsdeckung erfüllt sind. Was bedeuten Rückwärtsdeckung und Nachmeldefrist?Eine Rückwärtsdeckung kann ermöglichen, dass auch Ansprüche wegen Pflichtverletzungen oder Schadenursachen aus der Zeit vor Versicherungsbeginn erfasst werden. Häufig gelten dafür Einschränkungen, insbesondere bei bereits bekannten Umständen oder Ansprüchen. Eine Nachmeldefrist oder Nachmeldeckung kann unter den vereinbarten Voraussetzungen Schutz für Ansprüche bieten, die erst nach Vertragsende erhoben werden. Umfang, Dauer und Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Vertrag. Eine automatische Nachdeckung besteht nicht bei jeder Claims-Made-Versicherung. Worauf ist beim Versichererwechsel zu achten?Beim Wechsel oder bei der Beendigung einer Claims-Made-Versicherung können Deckungslücken entstehen. Das gilt insbesondere dann, wenn der bisherige Vertrag keine ausreichende Nachmeldeckung vorsieht und der neue Versicherer frühere Pflichtverletzungen nicht oder nur eingeschränkt einschließt. Vor einem Wechsel sollten deshalb der Beginn der Rückwärtsdeckung, mögliche Ausschlüsse für bekannte Umstände, die Meldefristen und eine gegebenenfalls vereinbarte Nachmeldeckung geprüft werden. Ein nahtloser zeitlicher Anschluss zweier Verträge allein gewährleistet noch keinen lückenlosen Versicherungsschutz. |
| Courtage | Die Courtage ist eine Vergütung, die ein Makler für die Vermittlung eines Vertrags erhält. Im Versicherungsbereich bezeichnet sie insbesondere die Vergütung eines Versicherungsmaklers durch den Versicherer. Bei klassischen courtagefinanzierten Versicherungsverträgen ist diese Vergütung regelmäßig in die Beitragskalkulation einbezogen. Der Versicherungsnehmer zahlt sie deshalb normalerweise nicht gesondert an den Makler. Wie funktioniert die Courtage bei Versicherungen?Vermittelt ein Versicherungsmakler einen Versicherungsvertrag, erhält er nach Maßgabe seiner Vereinbarung mit dem Versicherer eine Vergütung. Diese kann als Abschlusscourtage, laufende Bestandscourtage oder Kombination aus beiden ausgestaltet sein. Die Höhe und Berechnung unterscheiden sich je nach Versicherungsart, Versicherer und Vergütungsvereinbarung. Die Courtage wird zwar üblicherweise vom Versicherer ausgezahlt, wirtschaftlich werden die Vertriebskosten jedoch bei der Kalkulation der Versicherungsbeiträge berücksichtigt. Eine Beratung ist daher nicht automatisch kostenlos, nur weil der Versicherungsnehmer keine gesonderte Rechnung erhält. Ist ein Versicherungsmakler trotz Courtage unabhängig?Ein Versicherungsmakler ist grundsätzlich nicht als Vertreter eines bestimmten Versicherers tätig, sondern Sachwalter der Interessen seines Kunden. Er ist verpflichtet, seine Beratung an den Bedürfnissen des Versicherungsnehmers auszurichten und die gesetzlichen Beratungs- und Dokumentationspflichten zu erfüllen. Die Vergütung durch einen Versicherer hebt diese rechtliche Stellung nicht automatisch auf. Unterschiedlich hohe Courtagen können jedoch wirtschaftliche Interessenkonflikte begründen. Ob ein Makler seine Pflichten erfüllt, hängt deshalb nicht allein von seiner Vergütungsform ab. Warum die Werbung mit Unabhängigkeit dennoch rechtlich problematisch sein kann, erläutert unser Beitrag Versicherungsmakler: Unabhängig trotz Courtage?. Was ist der Unterschied zwischen Courtage und Provision?Beide Begriffe bezeichnen Vergütungen im Zusammenhang mit der Vermittlung von Verträgen. Im Versicherungsbereich wird die Vergütung eines Versicherungsmaklers üblicherweise als Courtage bezeichnet, während bei Versicherungsvertretern häufig von Provision gesprochen wird. Die Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch teilweise gleichbedeutend verwendet. Für die rechtliche Einordnung ist jedoch nicht die Bezeichnung der Vergütung entscheidend, sondern die tatsächliche Stellung des Vermittlers gegenüber dem Versicherer und dem Kunden. Worauf sollten Versicherungsnehmer achten?Die Courtage ist nur ein Aspekt bei der Beurteilung einer Versicherungsvermittlung. Entscheidend sind die Qualität der Beratung, eine angemessene Auswahl geeigneter Versicherungsangebote, die Vertragsbedingungen und die langfristigen Gesamtkosten. Bei bestimmten Versicherungsprodukten, insbesondere Versicherungsanlageprodukten, gelten zusätzliche Informationspflichten zu Kosten und Vergütungen. Eine courtagefinanzierte Vermittlung bedeutet deshalb weder automatisch eine schlechtere Beratung noch garantiert sie eine unabhängige Produktauswahl. |
| Cross-Selling | Cross-Selling bezeichnet den Verkauf zusätzlicher Produkte oder Dienstleistungen an Kunden, die bereits ein anderes Produkt nutzen oder einen Vertrag abgeschlossen haben. Im Versicherungsbereich bedeutet dies, dass Versicherer oder Vermittler ergänzende Versicherungen anbieten. Ziel ist es, weitere Kundenbedürfnisse abzudecken und zugleich zusätzliche Vertragsabschlüsse zu erzielen. Wie funktioniert Cross-Selling bei Versicherungen?Beim Cross-Selling werden bestehende Versicherungsverträge zum Anlass genommen, weitere Absicherungsmöglichkeiten anzusprechen. Wer beispielsweise eine Kfz-Versicherung abgeschlossen hat, erhält möglicherweise ein Angebot für eine Verkehrsrechtsschutzversicherung. Auch beim Abschluss einer Hausratversicherung kann eine zusätzliche Absicherung bestimmter Risiken angeboten werden. Ob ein solches Angebot sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Risiken bereits versichert sind und welcher zusätzliche Schutz tatsächlich benötigt wird. Ein Zusammenhang zwischen zwei Versicherungsprodukten bedeutet nicht automatisch, dass beide abgeschlossen werden sollten. Welche Vorteile kann Cross-Selling für Versicherungsnehmer haben?Ergänzende Versicherungsangebote können helfen, bisher nicht abgesicherte Risiken zu erkennen. Außerdem bieten manche Versicherer Beitragsnachlässe an, wenn mehrere Verträge bei ihnen bestehen. Die Verwaltung verschiedener Versicherungen über einen Anbieter kann ebenfalls einfacher sein. Solche Vorteile sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein einzelner Vertrag bei einem anderen Versicherer bessere Leistungen oder günstigere Bedingungen bieten kann. Welche Nachteile und Risiken bestehen beim Cross-Selling?Cross-Selling kann dazu führen, dass Versicherungsnehmer zusätzliche Verträge abschließen, obwohl bereits ausreichender Versicherungsschutz besteht oder das betreffende Risiko selbst getragen werden könnte. Auch Überschneidungen zwischen verschiedenen Versicherungen sind möglich. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen des Versicherers oder Vermittlers. Ein zusätzliches Angebot ist deshalb nicht automatisch eine unabhängige Empfehlung. Entscheidend bleibt, ob der vorgeschlagene Versicherungsschutz zum tatsächlichen Bedarf passt. Worauf sollten Versicherungsnehmer achten?Vor dem Abschluss einer zusätzlichen Versicherung sollten bestehende Verträge, mögliche Deckungsüberschneidungen, Leistungsausschlüsse und die langfristigen Kosten geprüft werden. Ein Paketnachlass allein ist kein ausreichender Grund für einen weiteren Vertrag. Sinnvolles Cross-Selling kann vorhandene Versicherungslücken schließen. Werden dagegen hauptsächlich zusätzliche Beiträge verursacht, ohne dass ein entsprechender Schutzbedarf besteht, profitieren vor allem Versicherer und Vermittler. |
| Cyber-Versicherung | Eine Cyber-Versicherung dient der Absicherung bestimmter finanzieller Folgen von Cyberangriffen, IT-Sicherheitsvorfällen und Datenschutzverletzungen. Je nach Vertrag können eigene Schäden, Schadensersatzansprüche Dritter sowie Kosten für technische und rechtliche Unterstützung versichert sein. Dabei wird zwischen gewerblichen Cyberversicherungen und Angeboten für Privatpersonen unterschieden. Welche Leistungen bietet eine Cyber-Versicherung?Zum möglichen Versicherungsschutz gehören die Wiederherstellung von Daten und IT-Systemen, die Beseitigung von Schadsoftware sowie die Unterstützung bei der Bewältigung eines Cyberangriffs. Bei Unternehmen können zusätzlich Schäden durch Betriebsunterbrechungen und Haftpflichtansprüche Dritter versichert sein. Die konkreten Leistungen, Entschädigungsgrenzen und Ausschlüsse ergeben sich aus den jeweiligen Versicherungsbedingungen. Was unterscheidet gewerbliche und private Cyberversicherungen?Gewerbliche Cyberversicherungen richten sich an Unternehmen und Selbstständige. Sie können beispielsweise finanzielle Folgen eines IT-Ausfalls, Kosten für die Wiederherstellung betrieblicher Systeme und bestimmte Ansprüche geschädigter Kunden abdecken. Besonders relevant sind sie für Betriebe, deren Geschäftstätigkeit von digitalen Prozessen oder der Verarbeitung sensibler Daten abhängt. Private Cyberversicherungen konzentrieren sich dagegen auf Risiken der privaten Internetnutzung, etwa Identitätsmissbrauch, bestimmte Formen des Onlinebetrugs oder Datenverlust. Welche Leistungen tatsächlich versichert sind, erläutert unsere Fachseite zur privaten Cyberversicherung. Ist eine Cyber-Versicherung notwendig?Ob eine Cyber-Versicherung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Risiko, den möglichen finanziellen Folgen und bereits vorhandenem Versicherungsschutz ab. Unternehmen sollten insbesondere ihre Abhängigkeit von IT-Systemen berücksichtigen. Privatpersonen sollten zunächst prüfen, ob bestehende Versicherungen oder gesetzliche Ansprüche bereits Schutz bieten. Eine kritische Einordnung für Verbraucher bietet unser Blogbeitrag Private Cyberversicherungen: dringend nötig oder komplett überflüssig?. Unabhängig vom Versicherungsvertrag bleiben technische Sicherheitsmaßnahmen und regelmäßige Datensicherungen unverzichtbar. |