Firmenversicherungen

D&O-Versicherung: Wer sie braucht und wie sie schützt

Die D&O-Versicherung bietet Schutz für Führungskräfte in Unternehmen und deckt Haftungsrisiken ab, die aus der beruflichen Tätigkeit entstehen. Sie sichert nicht nur das Privatvermögen der Manager, sondern auch die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens. Durch erhöhte Anforderungen in der rechtlichen und gesellschaftlichen Landschaft steigt der Bedarf an solchem Versicherungsschutz. Die Versicherung deckt Schadensersatzforderungen sowie damit verbundene Rechtskosten ab und schützt auch bei unrechtmäßigen Ansprüchen. Unternehmen schließen in der Regel die Versicherung für ihre Führungskräfte ab und schützen damit beide Seiten.

 

Zielgruppen und Notwendigkeitsanalyse der D&O-Versicherung

Die D&O-Versicherung ist für Führungspersonal und Mitglieder von Kontrollorganen gedacht, die aufgrund ihrer Entscheidungen hohen Haftungsrisiken ausgesetzt sind.

  1. Dazu zählen u.a. Vorstände, Geschäftsführer und Start-up-Gründer.
  2. Auch Personen mit speziellen Funktionen wie Compliance Officer benötigen diesen Schutz.
  3. Die Versicherung ist nicht nur für Großkonzerne, sondern auch für Führungskräfte kleiner und mittelständischer Unternehmen wichtig.
  4. Bei Start-ups sind die Risiken aufgrund unsicherer Märkte und schneller Entscheidungen besonders hoch.

 

Abgrenzung zur Vermögensschaden- und Berufshaftpflichtversicherung

Eine klare Unterscheidung zwischen D&O-Versicherung, Vermögensschadenhaftpflichtversicherung und Berufshaftpflichtversicherung ist wichtig, da sie unterschiedliche Schutzziele haben und diverse Personengruppen absichern. Sie ergänzen sich und sind nicht vollständig austauschbar.

  1. Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung schützt das Vermögen einer Organisation und ist für alle Mitarbeiter und Organe bei ihrer satzungsgemäßen Tätigkeit relevant. Die D&O-Versicherung schützt vorrangig das Privatvermögen der Organe und sekundär das der Organisation. Beide Versicherungen sind notwendig, um umfassenden Schutz zu bieten.
  2. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Vermögensschadenhaftpflicht- und der D&O-Versicherung liegt in der Definition des Versicherungsfalls. Bei ersterer ist es die Pflichtverletzung, die zu einem Vermögensschaden führt, während bei der D&O-Versicherung der Versicherungsfall die offizielle Inanspruchnahme des Organs ist. Dadurch sind die Hürden für die D&O-Versicherung höher.
  3. Die Versicherungssummen sind bei der D&O-Versicherung höher als bei der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, da Schäden durch Organentscheidungen finanziell schwerwiegender sein können als durch alltägliche Mitarbeiterentscheidungen.
  4. Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung deckt alltägliche Fehler ab, während die D&O-Versicherung seltene, aber gravierende Fehler von Organmitgliedern abdeckt. Beide haben unterschiedliche Risikoprofile, die angepasste Versicherungsansätze und Prämien erfordern.
  5. Die Berufshaftpflichtversicherung ist für bestimmte Berufsgruppen wie Rechtsanwälte und Architekten gedacht und schützt gegen berufliche Haftungsrisiken. Im Unterschied zur D&O-Versicherung, welche die Verantwortung in Führungspositionen absichert, deckt die Berufshaftpflicht die Risiken der fachspezifischen Arbeit ab. Manager, die in einem haftpflichtversicherungspflichtigen Beruf arbeiten, benötigen möglicherweise beide Versicherungen.

 

Versicherungsumfang und Leistungsspektrum

Die D&O-Versicherung deckt Haftungsrisiken von Führungskräften sowohl innerhalb des Unternehmens als auch gegenüber Dritten ab. Diese Absicherung ist wichtig, da Schadenersatzforderungen das private Vermögen gefährden können.

  1. Die Innenhaftung bezieht sich auf Schadenersatzansprüche eines Unternehmens gegen seine Führungskräfte aufgrund von Pflichtverletzungen, etwa fehlerhaften Entscheidungen oder Nichtbeachtung von Compliance. Es gibt eine Beweislastumkehr, wodurch Manager nachweisen müssen, dass sie sorgfältig gehandelt haben. Die Dokumentation aller Entscheidungen ist daher wichtig, vor allem weil Manager bei Verdacht oft sofort freigestellt werden und keinen Zugang zu entlastenden Unterlagen haben.
  2. Die Außenhaftung bezieht sich auf die Verantwortlichkeit von versicherten Personen gegenüber Dritten, wie Kunden, Geschäftspartnern oder Behörden, die durch deren Handlungen Schaden erleiden. Sie kann aus verschiedenen Gründen entstehen, darunter fehlerhafte Geschäftsberichte oder Regelverstöße.
  3. Die D&O-Versicherung deckt nicht nur Schadenersatz, sondern auch Verteidigungskosten wie Anwalts- und Gerichtskosten ab. Sie ermöglicht freie Anwaltswahl und übernimmt vereinbarte Honorare, was eine qualifizierte Verteidigung ohne finanzielle Belastung erlaubt.
  4. Der erweiterte Vermögensschadenbegriff deckt neben direkten finanziellen Schäden auch indirekte Schäden ab, die mit der beruflichen Tätigkeit zusammenhängen. Dies ist wichtig, da komplexe Wertschöpfungsketten und indirekte Effekte von Entscheidungen in der modernen Geschäftswelt zunehmend eine Rolle spielen.
  5. Der Versicherungsschutz umfasst bedingt vorsätzliche Pflichtverletzungen, aber nicht absichtliche. Abwehrkosten für die Klärung von Vorsatzvorwürfen sind gedeckt, bis ein Vorsatz festgestellt wird. Wird später Vorsatz bestätigt, muss der Versicherte die erhaltenen Leistungen zurückerstatten.
  6. Die D&O-Versicherung deckt Regressansprüche des Unternehmens gegen seine Führungskräfte bei Strafen, Bußgeldern oder anderen Sanktionen ab. Dies ist in Zeiten zunehmender regulatorischer Überwachung und höherer Bußgelder für Compliance-Verstöße besonders wichtig.

 

Ausschlüsse und Leistungsbegrenzungen

Die D&O-Versicherung hat bestimmte Ausschlüsse und Leistungsbegrenzungen, die wichtig für das Verständnis des Versicherungsschutzes sind. Diese Einschränkungen sind für die Vertragsgestaltung notwendig, um die Prämien erschwinglich zu halten. Moderne Policen zielen darauf ab, die Ausschlüsse zu minimieren und transparent zu machen.

  1. Vorsätzliche Pflichtverletzungen sind grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen, da vorsätzliches Handeln nicht versicherbar ist. Jedoch sind bedingt vorsätzliche Pflichtverletzungen versichert, was eine wichtige Unterscheidung ist.
  2. Eine Ausnahme von der Regel, dass Vorsatz nicht versichert ist, existiert für den Fall, dass eine versicherte Person annehmen konnte, sie handle zum Wohl der Gesellschaft basierend auf angemessenen Informationen. Diese Regelung basiert auf der Business Judgment Rule und schützt Manager, die in gutem Glauben und mit bestem Wissen handeln. Die versicherte Person muss dabei immer die Satzung, den Gesellschaftervertrag, interne Richtlinien und spezifische Anweisungen beachten.
  3. Ein wichtiger Rechtsgrundsatz in der Versicherung ist, dass persönliche Merkmale wie Wissen oder Vorsatz eines Versicherten nicht anderen Versicherten zugerechnet werden. Fehlverhalten eines Organmitglieds führt nicht zum Deckungsausschluss anderer Organmitglieder. Dies ist besonders bei der gesamtschuldnerischen Haftung von Organmitgliedern relevant.
  4. Strafen, Geldauflagen, Vertragsstrafen und Bußgelder sind in der Regel nicht versichert, da persönliche Sanktionen nicht auf die Versichertengemeinschaft übertragen werden sollen. Jedoch gibt es Versicherungsschutz für Regressansprüche eines versicherten Unternehmens gegen Personen wegen Vertragsstrafen und Bußgeldern, sofern dies rechtlich erlaubt ist.
  5. Für Versicherungsfälle im Zusammenhang mit den USA oder dem amerikanischen Recht gibt es spezielle Regelungen. Diese Regelungen variieren je nach Versicherer und sind aufgrund der strengeren Haftungsbedingungen und höheren Schadensersatzforderungen in den USA notwendig.
  6. Bekannte Schäden oder Pflichtverletzungen sowie anhängige Verfahren sind von der Versicherung ausgeschlossen, da nur unbekannte Risiken versichert werden können. Unternehmen müssen daher bei der Antragstellung einer D&O-Versicherung ehrlich über bekannte Risiken und laufende Verfahren informieren.

 

Versicherungssummen und Deckungsempfehlungen

Die Festlegung der Versicherungssumme einer D&O-Versicherung ist komplex, da keine einfache Formel existiert. Verschiedene Faktoren müssen beachtet werden, um eine adäquate und wirtschaftlich sinnvolle Deckung zu gewährleisten. Statistische Daten zeigen, dass die meisten Versicherten eine Versicherungssumme zwischen 2,5 und 10 Millionen Euro wählen, was die übliche Marktbreite darstellt.

  1. Die Bilanzsumme eines Unternehmens ist entscheidend für die Festlegung der Versicherungssumme. Experten raten, mindestens 30 bis 50 Prozent der Bilanzsumme als Versicherungssumme zu wählen, da Schadensansprüche oft von der Unternehmensgröße abhängen. Ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 50 Millionen Euro sollte also eine D&O-Versicherung von 15 bis 25 Millionen Euro erwägen.
  2. Das Eigenkapital eines Unternehmens ist ein wichtiger Maßstab für die Versicherungssumme, wobei empfohlen wird, dass etwa 50 Prozent des Eigenkapitals versichert sein sollten. Dies schützt vor Schadenersatzforderungen, die das Eigenkapital bedrohen können. Diese Absicherung ist vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen mit geringeren finanziellen Reserven von großer Bedeutung.
  3. Experten raten etablierten Unternehmen, bei der Wahl der Versicherungssumme mindestens 50 Prozent ihres Jahresumsatzes abzudecken, da der Jahresumsatz ein wichtiger Indikator für die Geschäftsaktivität und potenzielle Haftungsrisiken ist. Ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro sollte also eine Versicherungssumme von mindestens 50 Millionen Euro erwägen.
  4. Die Versicherungssumme sollte bei mehreren versicherten Personen um mindestens 50 Prozent pro zusätzlicher Person erhöht werden, um das steigende Schadenpotenzial abzudecken und eine angemessene Deckung für alle Organmitglieder zu sichern.
  5. Für kleine Organisationen mit einem jährlichen Haushaltsvolumen von bis zu 500.000 Euro wird eine D&O-Versicherungssumme von mindestens 500.000 Euro vorgeschlagen. Größere Verbände, Stiftungen und Vereine sollten die Mindeststandards für Unternehmens-D&O-Versicherungen einhalten. Diese Empfehlungen berücksichtigen die spezifischen Bedürfnisse und Risikoprofile unterschiedlicher Organisationsstrukturen.
  6. Bei der Planung der Versicherungssumme für eine D&O-Versicherung ist zu beachten, dass nicht immer der volle Betrag zur Verfügung steht. Für bestimmte Leistungsarten, wie Vermögensschaden-Rechtsschutz und Reputationsschaden, gibt es oft Sublimits von 20 Prozent der Gesamtsumme. Diese Begrenzungen müssen in der Gesamtplanung berücksichtigt werden, um ausreichenden Schutz zu gewährleisten.

 

Prämienstruktur und Einflussfaktoren

Die Kosten einer D&O-Versicherung sind sehr unterschiedlich und hängen von vielen Faktoren ab, die das Risiko des Unternehmens und seiner Führungskräfte darstellen. Der Preis für eine D&O-Versicherung schwankt je nach Risikoprofil stark und kann von einigen hundert Euro bis zu zehntausenden Euro pro Jahr betragen.

  1. Die Versicherungssumme ist der Hauptfaktor für die Höhe der Versicherungsprämien und richtet sich oft nach den Bilanzkennzahlen eines Unternehmens.
    Günstige Versicherungstarife mit einer Deckung von 100.000 Euro kosten unter 500 Euro, aber für größere Firmen könnte diese Summe zu niedrig sein, wobei höhere Summen auch höhere Prämien bedeuten.
  2. Der Jahresumsatz eines Unternehmens ist ein wichtiger Faktor bei der Berechnung von Versicherungsprämien, da ein höherer Umsatz höhere Risiken bedeuten kann. Nach einer Finlex D&O-Marktanalyse 2024 liegen die Versicherungsprämien
    • im SME-Segment (bis 100 Millionen Euro Umsatz) meist etwas über 1 Promille der Versicherungssumme.
    • bei Kleineren Unternehmen (bis zu 25 Millionen Euro Umsatz) durchschnittlich bei etwa 1.200 Euro pro Million Euro Versicherungssumme.
    • bei größeren Unternehmen (Umsatz von bis zu 100 Millionen Euro)  bei bis zu 1.450 Euro pro Million Euro Versicherungssumme.
  3. Auch Branchenrisiken sind entscheidend für die Prämienbemessung, da sie je nach Branche variieren und die Kosten beeinflussen. Risikoreichere Branchen wie Finanzen, Pharma oder Technologie zahlen höhere Prämien als weniger regulierte Branchen, da sie unterschiedlichen Haftungs- und Regulierungsanforderungen unterliegen.
  4. Das Alter eines Unternehmens beeinflusst die Höhe der Versicherungsprämien. Ältere Unternehmen mit langjähriger Erfolgsgeschichte und soliden Strukturen zahlen oft niedrigere Prämien. Start-ups ohne lange Historie können jedoch spezielle Tarife erhalten, die ihre spezifischen Bedürfnisse berücksichtigen.
  5. Das individuelle Risiko von Führungskräften beeinflusst die Versicherungsprämien ebenfall. Spezifische Risiken, Erfahrung, frühere Schäden und Verantwortungsbereiche spielen dabei eine Rolle. Komplexe Zuständigkeiten oder hohe öffentliche Sichtbarkeit können zu höheren Prämien führen.

 

Selbstbeteiligung und regulatorische Anforderungen

Das "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" (VorstAG) führte am 5. August 2009 eine obligatorische Selbstbeteiligung für D&O-Versicherungen ein.

  1. Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften müssen nun eine Selbstbeteiligung von mindestens 10% des Schadens bis zu mindestens 1,5-fachen ihrer festen Jahresvergütung tragen. Diese Regelung soll zu einem verantwortungsvollen Management anregen und kurzfristige Gewinnziele vermeiden.
  2. In der Praxis ist die Selbstbeteiligung auf das 1,5-fache des Jahresentgelts begrenzt, um Vorstände vor zu hohen finanziellen Belastungen zu schützen.
  3. Eine Versicherung der Selbstbeteiligung ist möglich; die Prämien variieren je nach Risiko und können bei großen Unternehmen bis zu 30.000 Euro im Jahr betragen.

 

Handlungsempfehlungen und Best Practices

  1. Die Umsetzung einer effektiven D&O-Versicherungsstrategie erfordert eine genaue Risikoanalyse und Berücksichtigung der Bedürfnisse der Führungskräfte.
  2. Entscheidend ist die Auswahl eines erfahrenen Versicherers, der die Risiken versteht.
  3. Führungskräfte sollten ihre Entscheidungen dokumentieren, da im Schadensfall die Beweislast bei ihnen liegt.
  4. Kombiniert werden sollten Vermögensschaden-Haftpflicht- und D&O-Versicherung für umfassenden Schutz.
  5. Die Versicherungssumme und Sublimits müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden.
  6. Vorstände sollten eine Selbstbehaltversicherung in Betracht ziehen.
  7. Starke Corporate-Governance-Strukturen können Risiken und Versicherungskosten senken.
  8. Zudem ist die Berücksichtigung internationaler Risiken, insbesondere für Aktivitäten in den USA, wichtig.

 

Fazit und Ausblick

Die D&O-Versicherung ist ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements für Führungskräfte und Unternehmen. Angesichts steigender Schadenszahlen und hoher Schadenswerte ist sie von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die zunehmende Komplexität von Vorschriften und die Erwartung einer verantwortungsvollen Unternehmensführung verstärken ihre Relevanz. Die D&O-Versicherung entwickelt sich von einer reinen Schutzmaßnahme zu einem strategischen Instrument des Risikomanagements, bei dem präventive Maßnahmen und die Anpassung an veränderte Risikoprofile entscheidend sind. Unternehmen, die proaktiv handeln, können sich besser auf die komplexen Anforderungen der Managementhaftung einstellen.