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GAU-Prinzip bei Versicherungen: Große Risiken zuerst absichern

Brauchen Sie wirklich für jedes Risiko eine Versicherung? Wahrscheinlich nicht. Entscheidend ist weniger die Anzahl der Verträge als die Frage, welche finanziellen Folgen ein Schaden für Sie hätte. Ein kleiner Verlust kann ärgerlich sein, ohne Ihre finanzielle Situation ernsthaft zu gefährden. Andere Ereignisse können dagegen Folgen haben, die sich aus eigenen Mitteln kaum auffangen lassen.

Genau hier setzt das GAU-Prinzip an. Übertragen auf Versicherungen bedeutet es: Zuerst die Risiken betrachten, deren finanzielle Folgen besonders schwer wiegen könnten. Kleinere und finanziell verkraftbare Schäden können dagegen möglicherweise selbst getragen werden. So entsteht Versicherungsschutz nicht nach dem Prinzip „möglichst viel“, sondern nach dem tatsächlichen Bedarf.

 

Was bedeutet das GAU-Prinzip bei Versicherungen?

Die Abkürzung GAU steht für „größter anzunehmender Unfall“. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Risikobetrachtung und wird vor allem mit technischen Großrisiken verbunden. Auf Versicherungen übertragen lässt er sich als einfaches Denkmodell nutzen: Welche Ereignisse könnten so hohe finanzielle Folgen haben, dass Sie diese nicht oder nur schwer selbst tragen könnten?

Das GAU-Prinzip ist dabei kein festes Versicherungssystem und keine allgemeingültige Liste notwendiger Versicherungen. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, Risiken zu priorisieren. Was für einen Menschen finanziell existenzbedrohend sein kann, ist für einen anderen möglicherweise beherrschbar. Einkommen, Vermögen, Familie, Beruf, Immobilieneigentum und bestehende Verpflichtungen beeinflussen deshalb den individuellen Versicherungsbedarf.

 

Welche Risiken sollten zuerst betrachtet werden?

Am Anfang stehen Risiken, deren finanzielle Folgen sehr hoch sein können. Dazu können beispielsweise Schadenersatzforderungen nach einem schweren Haftpflichtschaden, der längerfristige Verlust des Arbeitseinkommens oder ein großer Schaden an einer eigenen Immobilie gehören. Wer andere Menschen finanziell versorgt, sollte außerdem berücksichtigen, welche Folgen der eigene Tod für die Hinterbliebenen hätte.

Welche dieser Risiken tatsächlich relevant sind, hängt von der persönlichen Situation ab. Ein Mieter benötigt beispielsweise keine Wohngebäudeversicherung für eine eigene Immobilie. Wer niemanden finanziell versorgt, bewertet eine Todesfallabsicherung anders als eine Familie mit Kindern und laufender Immobilienfinanzierung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Welche Versicherung muss jeder haben?“, sondern: „Welcher Schaden könnte meine finanzielle Situation ernsthaft gefährden?“

 

Muss jeder finanzielle Schaden versichert werden?

Nein. Versicherungsschutz kostet Geld. Deshalb kann es sinnvoll sein, kleinere Schäden bewusst selbst zu tragen, wenn ausreichend finanzielle Mittel dafür vorhanden sind. Ein kaputtes Smartphone, eine beschädigte Brille oder der Verlust eines Gegenstands kann unangenehm sein. Ob dafür eine eigene Versicherung benötigt wird, ist jedoch eine andere Frage.

Dabei gibt es keine allgemeingültige Eurogrenze. Für den einen sind einige hundert Euro problemlos verkraftbar, für den anderen stellen sie bereits eine erhebliche Belastung dar. Auch die Wahrscheinlichkeit eines Schadens und die Kosten des Versicherungsschutzes spielen bei der Entscheidung eine Rolle.

Das GAU-Prinzip bedeutet deshalb nicht, kleine Risiken grundsätzlich unversichert zu lassen. Es hilft vielmehr dabei, zwischen einem finanziell schwer tragbaren Risiko und einem Schaden zu unterscheiden, den Sie möglicherweise selbst übernehmen können.

 

Wie lassen sich Versicherungsrisiken sinnvoll einordnen?

Für eine erste Einschätzung können Risiken gedanklich in drei Gruppen eingeteilt werden: Schäden, die Ihre finanzielle Existenz gefährden könnten, Schäden, die Sie erheblich belasten würden, und Schäden, die Sie aus vorhandenen Rücklagen selbst tragen könnten.

Bei existenzbedrohenden oder sehr schwer tragbaren Risiken spricht viel dafür, den möglichen Versicherungsschutz besonders sorgfältig zu prüfen. Bei finanziell belastenden, aber beherrschbaren Schäden hängt die Entscheidung stärker von persönlichen Rücklagen, Beitrag und gewünschter Sicherheit ab. Bei kleineren Schäden kann Selbsttragen eine sinnvolle Alternative zur Versicherung sein. Diese Einteilung ist keine starre Vorgabe, sondern soll helfen, die Aufmerksamkeit zunächst auf die finanziell bedeutsamsten Risiken zu richten.

 

Welche Versicherungen können große finanzielle Risiken absichern?

Welche Versicherungen wichtig sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Risiko. Eine Privathaftpflichtversicherung kann vor hohen Schadenersatzforderungen schützen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann für Erwerbstätige relevant sein, wenn die eigene Arbeitskraft aus gesundheitlichen Gründen längerfristig ausfällt und dadurch Einkommen fehlt. Eine Risikolebensversicherung kann wichtig werden, wenn Angehörige oder andere Personen finanziell vom eigenen Einkommen abhängig sind.

Bei Immobilieneigentümern kann wiederum ein schwerer Gebäudeschaden eine Größenordnung erreichen, die sich nicht ohne Weiteres aus eigenen Mitteln tragen lässt. Auch hier kommt es darauf an, welche Gefahren tatsächlich versichert sind und welcher Schutz zur Immobilie passt. Diese Beispiele sind keine allgemeingültige Einkaufsliste. Entscheidend bleibt immer die mögliche finanzielle Folge im konkreten Einzelfall. Einen Überblick darüber, welche Absicherungen je nach Lebenssituation besonders wichtig sein können, finden Sie unter Wichtige Versicherungen.

 

Welche Rolle spielen Rücklagen?

Rücklagen und Versicherungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Versicherungen können finanzielle Risiken übernehmen, deren mögliche Höhe die eigenen Mittel deutlich übersteigt. Rücklagen eignen sich dagegen insbesondere dafür, überschaubare Ausgaben und kleinere Schäden selbst aufzufangen.

Je größer der finanzielle Spielraum ist, desto mehr Risiken können möglicherweise selbst getragen werden. Eine pauschale Vorgabe, wie viele Monatsausgaben dafür zurückgelegt werden müssen, hilft jedoch wenig. Entscheidend ist, welche kurzfristigen Belastungen tatsächlich entstehen könnten und welche Mittel dafür verfügbar sein sollen.

 

Ist eine hohe Selbstbeteiligung immer sinnvoll?

Eine Selbstbeteiligung kann Beiträge reduzieren, weil ein Teil eines möglichen Schadens selbst übernommen wird. Daraus folgt aber nicht, dass eine möglichst hohe Selbstbeteiligung automatisch besser ist.

Entscheidend ist, ob die Selbstbeteiligung im Schadenfall problemlos aus eigenen Mitteln bezahlt werden könnte und ob die Beitragsersparnis im Verhältnis dazu sinnvoll erscheint. Eine Selbstbeteiligung, die im Ernstfall selbst zum finanziellen Problem wird, passt nicht zum Grundgedanken des GAU-Prinzips.

 

Warum sollten bestehende Versicherungen zuerst geprüft werden?

Bevor zusätzlicher Versicherungsschutz abgeschlossen wird, sollte geklärt werden, welche Risiken bereits abgesichert sind. Manche Leistungen können Bestandteil eines bestehenden Vertrags sein oder sich mit anderen Versicherungen überschneiden. Mehrere Verträge für dasselbe Risiko bedeuten nicht automatisch besseren Schutz.

Genauso wichtig ist die andere Richtung: Ein vorhandener Vertrag bedeutet nicht automatisch, dass das betreffende Risiko ausreichend abgesichert ist. Versicherungssumme, Leistungsumfang, Ausschlüsse und persönliche Lebenssituation können sich verändert haben.

 

Warum ist die billigste Versicherung nicht automatisch die beste?

Das GAU-Prinzip richtet den Blick zuerst auf das Risiko und erst danach auf den Preis. Ein günstiger Vertrag kann sehr gut passen, wenn er den benötigten Schutz bietet. Umgekehrt hilft ein niedriger Beitrag wenig, wenn gerade das entscheidende Risiko nicht oder nur unzureichend versichert ist.

Deshalb sollten neben dem Beitrag auch Leistungsumfang, Versicherungssummen, Selbstbeteiligungen und relevante Ausschlüsse betrachtet werden. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Warum die billigste Versicherung nicht die Lösung ist.

 

Wie können Sie das GAU-Prinzip praktisch anwenden?

Für die eigene Versicherungsplanung reichen zunächst einige einfache Fragen. Dabei geht es nicht darum, sofort ein bestimmtes Produkt auszuwählen, sondern die finanziellen Risiken in die richtige Reihenfolge zu bringen.

  1. Was kann passieren? Überlegen Sie, welche größeren finanziellen Risiken in Ihrer persönlichen Situation bestehen.
  2. Wie hoch könnte der Schaden werden? Betrachten Sie nicht nur den wahrscheinlichsten, sondern auch einen finanziell schwerwiegenden Verlauf.
  3. Könnten Sie den Schaden selbst tragen? Prüfen Sie, welche Rücklagen und laufenden finanziellen Spielräume vorhanden sind.
  4. Besteht bereits Versicherungsschutz? Kontrollieren Sie vorhandene Verträge und mögliche Überschneidungen.
  5. Bleibt eine relevante Lücke? Erst dann stellt sich die Frage, ob und welcher zusätzliche Versicherungsschutz sinnvoll sein kann.

So beginnt die Versicherungsentscheidung nicht beim Produkt, sondern beim Risiko.

 

Wann sollte der Versicherungsschutz neu geprüft werden?

Versicherungsbedarf verändert sich mit dem Leben. Ein Berufswechsel, ein deutlich verändertes Einkommen, eine Partnerschaft, die Geburt eines Kindes, der Kauf einer Immobilie oder der Eintritt in den Ruhestand können dazu führen, dass Risiken neu bewertet werden müssen.

Eine Überprüfung ist deshalb besonders dann sinnvoll, wenn sich die persönliche oder finanzielle Situation wesentlich verändert. Ein starrer jährlicher Neuabschluss oder Austausch von Versicherungen ist dagegen nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass bestehender Schutz weiterhin zur tatsächlichen Situation passt.

 

Fazit: Gut versichert heißt nicht viel versichert

Das GAU-Prinzip bietet keine fertige Liste der Versicherungen, die jeder Mensch benötigt. Sein Nutzen liegt in einer anderen Perspektive: Zuerst werden die Risiken betrachtet, deren finanzielle Folgen besonders schwer wiegen könnten.

Kleinere Schäden können möglicherweise aus Rücklagen getragen werden, während finanziell schwer tragbare Risiken gezielt abgesichert werden. Wie diese Grenze verläuft, hängt von der persönlichen und finanziellen Situation ab.

Gut versichert bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Versicherungen zu besitzen. Entscheidend ist, dass die wirklich wichtigen Risiken passend abgesichert sind – nicht mehr und nicht weniger.

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