Wichtige Versicherungen – welche Absicherung wirklich sinnvoll ist

Welche Versicherungen brauchen Rentner und Pensionäre?

Mit dem Eintritt in den Ruhestand verändert sich nicht nur das Einkommen. Auch der Versicherungsbedarf kann ein anderer werden. Manche Risiken bleiben bestehen, andere verlieren an Bedeutung und einige Verträge sollten an die neue Lebenssituation angepasst werden.

Deshalb ist der Renten- oder Pensionseintritt ein guter Zeitpunkt für einen Versicherungscheck. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Verträge weiterzuführen oder neue Versicherungen abzuschließen. Entscheidend ist die Frage: Welche finanziellen Risiken bestehen im Ruhestand noch – und welche Absicherung passt jetzt zu Ihrem Leben?

 

Was verändert sich beim Eintritt in den Ruhestand?

Mit dem Ende des Berufslebens verändert sich die finanzielle Situation. An die Stelle des bisherigen Arbeitseinkommens treten beispielsweise gesetzliche Rente, Pension, betriebliche oder private Altersvorsorge und weitere Einkünfte. Gleichzeitig können beruflich bedingte Ausgaben und Risiken entfallen, während andere Themen wie Gesundheit, Pflege, Wohnen oder die Absicherung des vorhandenen Vermögens stärker in den Vordergrund rücken.

Deshalb sollten bestehende Versicherungen nicht allein deshalb weitergeführt werden, weil sie seit vielen Jahren bestehen. Ebenso wenig sollten sie allein wegen des Renten- oder Pensionseintritts gekündigt werden. Zunächst sollte geprüft werden, welches Risiko der jeweilige Vertrag absichert und ob dieses Risiko im Ruhestand noch besteht. Welche Punkte bereits vor dem Rentenbeginn einen genaueren Blick verdienen, lesen Sie auch in unserem Beitrag Die 5 größten Fehler kurz vor der Rente. Auch hier hilft das GAU-Prinzip: Vorrang haben finanzielle Risiken, deren Folgen Sie nicht ohne Weiteres selbst tragen können.

 

Was passiert mit der Krankenversicherung im Ruhestand?

Mit dem Rentenbeginn endet die Krankenversicherung nicht. Bei gesetzlich Versicherten ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Rentner erfüllt sind oder eine andere Form der gesetzlichen Krankenversicherung besteht. Entscheidend sind dabei unter anderem die persönlichen Versicherungszeiten und die bisherige Versicherungssituation.

Wer vor dem Rentenbeginn privat krankenversichert ist, sollte ebenfalls prüfen, wie die Krankenversicherung im Ruhestand fortgeführt wird und ob im individuellen Fall andere Versicherungsmöglichkeiten bestehen. Dabei sollten insbesondere Beiträge, Leistungen und die persönliche finanzielle Situation langfristig betrachtet werden.

Für Pensionärinnen und Pensionäre gelten teilweise andere Rahmenbedingungen. Bei beihilfeberechtigten Personen spielt neben der Krankenversicherung insbesondere der jeweilige Beihilfeanspruch eine Rolle. Deshalb sollte beim Eintritt in den Ruhestand geprüft werden, wie Beihilfe und Krankenversicherung künftig zusammenspielen und ob der bestehende Versicherungsschutz angepasst werden muss.

 

Welche Bedeutung hat die Pflegeversicherung im Ruhestand?

Die Pflegeversicherung bleibt auch im Ruhestand ein wichtiger Bestandteil der Absicherung. Wer gesetzlich krankenversichert ist, ist grundsätzlich zugleich in der sozialen Pflegeversicherung versichert; privat Krankenversicherte benötigen eine private Pflegepflichtversicherung.

Die gesetzlich vorgesehenen Pflegeleistungen decken jedoch nicht zwangsläufig sämtliche Kosten ab, die bei Pflegebedürftigkeit entstehen können. Deshalb sollte geprüft werden, welche finanziellen Folgen eine spätere Pflegebedürftigkeit für das eigene Einkommen und Vermögen hätte und ob bereits zusätzlicher Schutz besteht. Bestehende Kranken- oder Pflegezusatzversicherungen sollten dabei nicht vorschnell gekündigt werden. Bei einem späteren Neuabschluss können insbesondere Eintrittsalter, Gesundheitszustand und eine erneute Gesundheitsprüfung eine Rolle spielen. Weitere Hintergründe finden Sie in unserem Beitrag zur Pflegeversicherung und Vermögenssicherung im Alter.

 

Bleibt die private Haftpflichtversicherung im Ruhestand wichtig?

Die Haftung für Schäden, die anderen Menschen zugefügt werden, endet nicht mit dem Berufsleben. Deshalb bleibt die private Haftpflichtversicherung grundsätzlich auch im Ruhestand ein wichtiger Schutz vor hohen Schadenersatzforderungen.

Trotzdem lohnt sich ein Blick in den bestehenden Vertrag. Ältere Policen können andere Leistungen und Bedingungen enthalten als neuere Tarife. Außerdem sollte geprüft werden, welche Personen mitversichert sind, ob der Vertrag noch zur aktuellen Lebens- und Wohnsituation passt und wie der Tarif mit Schäden durch deliktunfähige Personen umgeht. Letzteres kann beispielsweise relevant werden, wenn eine versicherte Person aufgrund einer Erkrankung für einen verursachten Schaden rechtlich nicht verantwortlich ist.

 

Sollten Hausrat- und Wohngebäudeversicherung überprüft werden?

Auch im Ruhestand kann ein größerer Schaden am eigenen Hausrat eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Ob eine Hausratversicherung benötigt wird, hängt deshalb nicht vom Alter ab, sondern insbesondere vom Wert des Hausrats und davon, ob ein größerer Verlust aus eigenen Mitteln getragen werden könnte.

Verändert sich die Wohnsituation – beispielsweise durch einen Umzug in eine kleinere Wohnung, einen gemeinsamen Haushalt oder später in eine betreute Wohnform –, sollte der Versicherungsschutz angepasst werden. Auch nach größeren Anschaffungen oder Veränderungen des Hausrats kann eine Überprüfung sinnvoll sein. Weitere Hinweise finden Sie in unserem Beitrag zur Hausratversicherung.

Wer eine eigene Immobilie besitzt, sollte außerdem die Wohngebäudeversicherung regelmäßig überprüfen. Entscheidend ist, dass die versicherten Gefahren und Leistungen weiterhin zur Immobilie und zur persönlichen Risikosituation passen.

 

Was sollte bei der Kfz-Versicherung im Ruhestand geprüft werden?

Mit dem Ende des Berufslebens kann sich auch die Nutzung des Autos verändern. Wer nicht mehr täglich zur Arbeitsstelle fährt, legt möglicherweise weniger Kilometer im Jahr zurück. Deshalb sollte geprüft werden, ob die beim Versicherer angegebene jährliche Fahrleistung noch zur tatsächlichen Nutzung passt.

Auch der bestehende Kaskoschutz sollte von Zeit zu Zeit überprüft werden. Ob Vollkasko, Teilkasko oder ausschließlich die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung zur persönlichen Situation passen, hängt unter anderem vom Fahrzeug, seinem Wert und davon ab, welches finanzielle Risiko selbst getragen werden kann.

 

Brauchen Rentner und Pensionäre noch eine Rechtsschutzversicherung?

Mit dem Ende des Berufslebens können bestimmte berufliche Rechtsrisiken wegfallen. Andere mögliche Konflikte bleiben jedoch bestehen – beispielsweise als Verkehrsteilnehmer, Mieter, Vermieter oder im privaten Bereich. Auch Auseinandersetzungen mit Sozialversicherungsträgern können für Rentner eine Rolle spielen.

Deshalb sollte nicht allein entschieden werden, ob eine Rechtsschutzversicherung weiterhin benötigt wird, sondern auch, welche Bausteine noch zur persönlichen Situation passen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Wann lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?.

 

Ist eine private Unfallversicherung im Ruhestand noch sinnvoll?

Der Eintritt in den Ruhestand beendet das Unfallrisiko nicht. Unfälle können weiterhin im Haushalt, beim Sport, auf Reisen oder in der Freizeit passieren. Eine private Unfallversicherung kann bei dauerhaften Folgen eines versicherten Unfalls vereinbarte Leistungen erbringen.

Ob der bestehende Schutz weiterhin benötigt wird, sollte jedoch nicht allein vom Alter oder von der Wahrscheinlichkeit eines Unfalls abhängen. Entscheidend ist, welche finanziellen Folgen eine dauerhafte Beeinträchtigung hätte, welche Leistungen der Vertrag vorsieht und welche anderen finanziellen Mittel oder Absicherungen vorhanden sind. Bei bestehenden Verträgen sollte außerdem geprüft werden, ob Altersgrenzen oder altersabhängige Veränderungen der Leistungen vorgesehen sind. Je nach Tarif können auch Assistance-Leistungen vereinbart sein, beispielsweise Unterstützung im Haushalt oder bei der Organisation von Hilfe nach einem Unfall. Ob solche Leistungen benötigt werden, hängt von der persönlichen Lebenssituation und den bereits vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten ab.

 

Welche Absicherung ist auf Reisen wichtig?

Wer im Ruhestand häufiger oder länger reist, sollte auch den Krankenversicherungsschutz im Ausland überprüfen. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt im Ausland nicht in jeder Situation sämtliche entstehenden Kosten. Die Kosten eines Rücktransports nach Deutschland werden von der gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich nicht übernommen.

Eine Auslandsreisekrankenversicherung kann solche Lücken je nach Tarif absichern. Dabei sollten insbesondere der räumliche Geltungsbereich, die mögliche Reisedauer und die Bedingungen für einen Krankenrücktransport betrachtet werden. Vorteilhaft sind Bedingungen, die bereits einen medizinisch sinnvollen und vertretbaren Rücktransport erfassen und nicht erst einen medizinisch notwendigen. Wer längere Zeit im Ausland verbringt, sollte außerdem darauf achten, ob die zulässige Reisedauer des Vertrags dafür ausreicht.

 

Was passiert mit Berufsunfähigkeits- und Krankentagegeldversicherung im Ruhestand?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung dient dazu, das Einkommen aus der beruflichen Tätigkeit abzusichern. Mit dem endgültigen Ausscheiden aus dem Berufsleben verändert sich deshalb der Bedarf an dieser Absicherung grundlegend. Zudem enden Berufsunfähigkeitsversicherungen regelmäßig zu einem vertraglich vereinbarten Zeitpunkt.

Auch eine private Krankentagegeldversicherung dient dazu, einen krankheitsbedingten Einkommensausfall abzusichern. Fällt das bisherige Erwerbseinkommen mit dem Ruhestand weg, verändert sich damit auch der Bedarf an dieser Absicherung. Ob und in welchem Umfang der Vertrag fortgeführt werden kann oder noch benötigt wird, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung und der persönlichen Situation ab. Das gilt insbesondere, wenn neben Rente oder Pension weiterhin eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.

Bestehende Verträge sollten deshalb nicht allein aufgrund des Renten- oder Pensionseintritts vorschnell gekündigt werden. Entscheidend sind das vereinbarte Versicherungsende, mögliche Leistungsansprüche, die konkrete Vertragsgestaltung und die persönliche Einkommenssituation.

 

Was sollte mit Lebensversicherungen und Altersvorsorgeverträgen geschehen?

Mit Beginn des Ruhestands erreichen viele Verträge zur Altersvorsorge ihre Auszahlungsphase. Je nach Vertrag können beispielsweise Rentenzahlungen, Kapitalleistungen oder unterschiedliche Auszahlungsoptionen vorgesehen sein. Deshalb sollte rechtzeitig geprüft werden, welche Möglichkeiten bestehen und wie sie zur persönlichen Finanzplanung im Ruhestand passen.

Auch bestehende Lebensversicherungen sollten nicht automatisch gekündigt oder unverändert weitergeführt werden. Entscheidend ist, welchen Zweck der Vertrag noch erfüllt. Bestehen finanzielle Verpflichtungen oder sollen Angehörige weiterhin abgesichert werden, kann Hinterbliebenenschutz weiterhin eine Rolle spielen. Ist dieser Bedarf weggefallen, kann sich die Bewertung verändern.

 

Welche Verträge sollten Rentner und Pensionäre besonders überprüfen?

Im Laufe vieler Berufsjahre sammeln sich häufig unterschiedliche Versicherungsverträge an. Manche wurden für eine Lebenssituation abgeschlossen, die inzwischen nicht mehr besteht. Andere Verträge sind weiterhin wichtig, ihre Leistungen oder Versicherungssummen passen aber möglicherweise nicht mehr zur heutigen Situation.

Deshalb sollte geprüft werden, ob sich Haushalt, Wohnsituation, Fahrzeugnutzung, Reisen, finanzielle Verpflichtungen oder die mitversicherten Personen verändert haben. Auch doppelte Absicherungen oder inzwischen entbehrliche Zusatzbausteine können dabei auffallen.

Der günstigste Vertrag ist dabei nicht automatisch der passendste. Umgekehrt ist ein Vertrag auch nicht deshalb sinnvoll, weil er schon seit Jahrzehnten besteht. Entscheidend bleibt das Verhältnis zwischen dem persönlichen Risiko, den vereinbarten Leistungen und den Kosten.

 

Versicherungscheck im Ruhestand: Was brauchen Sie wirklich noch?

Der Eintritt in den Ruhestand ist ein guter Anlass, den gesamten Versicherungsschutz neu zu betrachten. Dabei sollte zuerst geklärt werden, welche großen finanziellen Risiken weiterhin bestehen und welche davon bereits durch gesetzliche Leistungen, vorhandenes Vermögen oder bestehende Versicherungen abgedeckt sind. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Verträge weiterhin benötigt werden, welche angepasst werden sollten und welche möglicherweise ihre ursprüngliche Aufgabe verloren haben.

Deshalb gilt auch im Ruhestand: Gut versichert bedeutet nicht, alle bisherigen Versicherungen weiterzuführen. Entscheidend ist, dass der Versicherungsschutz zu Ihrem heutigen Leben passt.