FAQ – häufige Fragen zu Versicherungen und Vorsorge

Hinterbliebenenrente

Suche nach Begriffen
BegriffDefinition
Hinterbliebenenrente

Die Hinterbliebenenrente gehört zu den Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung für den Todesfall. Sie soll die finanziellen Folgen abfedern, die entstehen können, wenn ein Ehe- oder Lebenspartner oder ein Elternteil stirbt. Zu den wichtigsten Hinterbliebenenrenten gehören die Witwen- und Witwerrente sowie die Waisenrente. Eine besondere Form ist die Erziehungsrente.

Welche Hinterbliebenenrente gezahlt wird und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, hängt von der persönlichen Situation ab. Bei Witwen-, Witwer- und Waisenrenten kommt es grundsätzlich auf die Versicherungszeiten des Verstorbenen an. Die allgemeine Wartezeit beträgt fünf Jahre. Sie muss jedoch beispielsweise nicht erfüllt sein, wenn der Verstorbene bereits eine Rente bezogen hat oder die Wartezeit vorzeitig erfüllt ist.

Witwen- und Witwerrente

Nach dem Tod eines Ehepartners oder eingetragenen Lebenspartners kann Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente bestehen. Dabei wird zwischen der kleinen und der großen Witwen- oder Witwerrente unterschieden.

Die kleine Witwen- oder Witwerrente beträgt grundsätzlich 25 Prozent der Rente, die der Verstorbene bezogen hat oder hätte. Nach neuem Recht wird sie in der Regel höchstens 24 Kalendermonate gezahlt.

Die große Witwen- oder Witwerrente beträgt grundsätzlich 55 Prozent. Unter bestimmten Voraussetzungen des alten Rechts sind es 60 Prozent. Anspruch auf die große Hinterbliebenenrente kann insbesondere bestehen, wenn eine gesetzlich festgelegte Altersgrenze erreicht ist, eine Erwerbsminderung vorliegt oder ein Kind erzogen wird. Die Altersgrenze wird schrittweise angehoben und richtet sich nach dem Todesjahr des Versicherten.

Für die ersten drei Kalendermonate nach dem Sterbemonat gilt das sogenannte Sterbevierteljahr. In dieser Zeit wird die Witwen- oder Witwerrente in Höhe der Versichertenrente des Verstorbenen berechnet; eigenes Einkommen des Hinterbliebenen wird in diesem Zeitraum nicht angerechnet.

Waisenrente

Kinder können nach dem Tod eines Elternteils eine Halbwaisenrente und nach dem Tod beider unterhaltspflichtigen Eltern eine Vollwaisenrente erhalten. Die Halbwaisenrente beträgt grundsätzlich 10 Prozent, die Vollwaisenrente 20 Prozent der maßgeblichen Versichertenrente. Hinzu kommt ein Zuschlag, dessen Höhe sich nach den rentenrechtlichen Zeiten des verstorbenen Elternteils beziehungsweise der Eltern richtet.

Die Waisenrente wird grundsätzlich bis zum 18. Geburtstag gezahlt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Anspruch darüber hinaus bestehen, beispielsweise während einer Schul- oder Berufsausbildung, eines Studiums oder eines Freiwilligendienstes. Auch bei einer Behinderung können besondere Voraussetzungen gelten. Eine Waisenrente kann längstens bis zum 27. Geburtstag gezahlt werden.

Erziehungsrente

Die Erziehungsrente unterscheidet sich wesentlich von der Witwen-, Witwer- und Waisenrente: Sie wird aus dem eigenen Versicherungskonto des überlebenden Elternteils gezahlt. Sie kann insbesondere in Betracht kommen, wenn eine Ehe geschieden wurde, der frühere Ehepartner verstorben ist und der überlebende geschiedene Elternteil ein Kind erzieht.

Voraussetzung ist unter anderem, dass der Antragsteller grundsätzlich die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren aus eigenen rentenrechtlichen Zeiten erfüllt hat und nicht wieder geheiratet hat. In der Regel muss ein eigenes Kind oder ein Kind des früheren Ehepartners erzogen werden, das noch keine 18 Jahre alt ist. Bei einem Kind mit Behinderung kann ein Anspruch unter bestimmten Voraussetzungen auch darüber hinaus bestehen.

Hinterbliebenenrente muss beantragt werden

Hinterbliebenenrenten werden grundsätzlich nicht automatisch gezahlt, sondern müssen beantragt werden. Hat der verstorbene Ehe- oder Lebenspartner bereits eine Rente bezogen, kann für das Sterbevierteljahr unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb von 30 Tagen nach dem Tod beim Renten-Service der Deutschen Post ein Vorschuss beantragt werden. Der Vorschuss wird später mit der bewilligten Witwen- oder Witwerrente verrechnet.

Rentensplitting als Alternative

Ehepartner und eingetragene Lebenspartner können unter bestimmten Voraussetzungen ein Rentensplitting durchführen. Dabei werden die während der Splittingzeit erworbenen Rentenanwartschaften zwischen beiden Partnern aufgeteilt. Das Rentensplitting ist grundsätzlich verbindlich und kann Auswirkungen auf einen späteren Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente haben. Wird ein Rentensplitting durchgeführt, besteht grundsätzlich kein Anspruch mehr auf Witwen- oder Witwerrente. Deshalb sollte die Entscheidung sorgfältig geprüft werden.

Zusammenfassung: Die Hinterbliebenenrente soll die finanziellen Folgen eines Todesfalls abfedern. Zu den wichtigsten Leistungen gehören die Witwen- und Witwerrente sowie die Waisenrente. Die Erziehungsrente nimmt eine Sonderstellung ein, weil sie aus dem eigenen Versicherungskonto des Berechtigten gezahlt wird. Welche Leistung tatsächlich beansprucht werden kann, hängt von den Versicherungszeiten und der persönlichen Lebenssituation ab.