
Minimum Capital Requirement
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Minimum Capital Requirement | Das Minimum Capital Requirement (MCR) bezeichnet die Mindestkapitalanforderung für Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen im europäischen Aufsichtsrecht Solvency II. Es legt fest, welche Mindesthöhe anrechnungsfähiger Basiseigenmittel ein Versicherungsunternehmen vorhalten muss, damit Versicherungsnehmer und andere Anspruchsberechtigte keinem unannehmbaren Risiko ausgesetzt werden. Das MCR ist eine aufsichtsrechtliche Sicherheitsgrenze. Es soll dazu beitragen, dass Versicherungsunternehmen ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen können. Es ist von der höheren Solvenzkapitalanforderung, dem Solvency Capital Requirement (SCR), zu unterscheiden. Auf welchen gesetzlichen Grundlagen beruht das MCR?Die rechtliche Grundlage bildet die europäische Solvency-II-Richtlinie (2009/138/EG), insbesondere Artikel 129. Ergänzende Vorgaben zur Berechnung enthält die Delegierte Verordnung (EU) 2015/35. In Deutschland ist die Mindestkapitalanforderung insbesondere in den §§ 89, 122 und 123 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) geregelt. Die Vorschriften betreffen die finanzielle Ausstattung und Beaufsichtigung von Versicherungsunternehmen. Die Eigenkapitalregeln für Banken nach Basel III sind davon zu unterscheiden. Wie wird das Minimum Capital Requirement berechnet?Die Berechnung berücksichtigt insbesondere versicherungstechnische Rückstellungen, gebuchte Beiträge und weitere gesetzlich festgelegte Größen. Die Höhe des MCR hängt damit unter anderem von Art und Umfang des Versicherungsgeschäfts ab. Die berechnete Mindestkapitalanforderung wird grundsätzlich durch eine Untergrenze von 25 Prozent und eine Obergrenze von 45 Prozent der Solvenzkapitalanforderung (SCR) begrenzt. Zusätzlich gelten gesetzliche absolute Mindestbeträge, die je nach Art des Versicherungsunternehmens unterschiedlich hoch sind. Diese absoluten Untergrenzen bleiben auch dann maßgeblich, wenn sie über dem rechnerischen prozentualen Wert liegen. Was ist der Unterschied zwischen MCR und SCR?Das Solvency Capital Requirement (SCR) ist die risikobasierte Solvenzkapitalanforderung. Es soll sicherstellen, dass ein Versicherungsunternehmen auch erhebliche unerwartete Verluste mit hoher Wahrscheinlichkeit auffangen kann. Das Minimum Capital Requirement (MCR) bezeichnet dagegen die aufsichtsrechtliche Mindestschwelle. Wird das SCR unterschritten, sind bereits aufsichtsrechtliche Maßnahmen vorgesehen. Eine Unterschreitung des MCR ist jedoch besonders schwerwiegend und löst strengere gesetzliche Eingriffsmöglichkeiten aus. Was passiert, wenn ein Versicherungsunternehmen das MCR unterschreitet?Unterschreitet ein Versicherungsunternehmen die Mindestkapitalanforderung, muss es die Aufsichtsbehörde unverzüglich informieren und innerhalb der gesetzlichen Frist einen kurzfristigen Finanzierungsplan vorlegen. Dieser muss darlegen, wie die anrechnungsfähigen Basiseigenmittel wieder auf das erforderliche Niveau gebracht werden sollen. Gelingt die Wiederherstellung der Mindestkapitalausstattung nicht innerhalb der vorgesehenen Frist oder ist der vorgelegte Plan offensichtlich unzureichend, können besonders weitreichende aufsichtsrechtliche Folgen eintreten. Dazu gehört unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch der Entzug der Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb. Welche Bedeutung hat das MCR für Versicherte?Versicherungsnehmer müssen das MCR nicht selbst berechnen. Die Einhaltung der Mindestkapitalanforderung wird im Rahmen der Versicherungsaufsicht überwacht. Das MCR ist damit ein Bestandteil der gesetzlichen Vorkehrungen, die die finanzielle Leistungsfähigkeit von Versicherungsunternehmen und die Ansprüche ihrer Kunden schützen sollen. Eine erfüllte Mindestkapitalanforderung ist allerdings keine Garantie dafür, dass ein Versicherungsunternehmen niemals in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Das MCR ist eine aufsichtsrechtliche Untergrenze und ersetzt weder die weitergehenden Solvenzanforderungen noch andere Schutzmechanismen. |