
FAQ
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Nachbarschaftsgefahr | Als Nachbarschaftsgefahr bezeichnet man im Versicherungswesen Risiken, die von benachbarten Grundstücken, Gebäuden oder Betrieben auf ein versichertes Objekt ausgehen. Sie gehört zu den äußeren Risikomerkmalen und spielt insbesondere in der Sach- und Feuerversicherung eine Rolle. Dabei wird zwischen der Eigengefahr des versicherten Objekts und zusätzlichen Gefahren aus seiner Umgebung unterschieden. Welche Nachbarschaftsgefahren gibt es?Eine erhöhte Nachbarschaftsgefahr kann beispielsweise durch benachbarte Tankstellen, Gewerbe- oder Industriebetriebe mit erhöhter Brandgefahr sowie durch die Lagerung leicht brennbarer Materialien entstehen. Entscheidend ist, ob sich ein Schaden von einem Nachbargrundstück auf das versicherte Objekt ausbreiten könnte. Auch der Abstand zwischen Gebäuden, ihre Bauweise und vorhandene Brandschutzmaßnahmen beeinflussen die Risikobewertung. Fehlende Brandwände oder geringe Gebäudeabstände können die Gefahr einer Brandausbreitung erhöhen. Eine ausreichende räumliche und bauliche Trennung kann das Risiko dagegen verringern. Wie wirkt sich die Nachbarschaftsgefahr auf den Versicherungsbeitrag aus?Bei der Risikoprüfung in der Feuer- und Wohngebäudeversicherung kann der Versicherer auch Gefahren auf benachbarten Grundstücken berücksichtigen. Eine erhöhte Nachbarschaftsgefahr kann zu einem Beitragszuschlag, besonderen Versicherungsbedingungen oder einer gesonderten Risikoprüfung führen. Bei besonders hohen Risiken kann ein Versicherer den Abschluss auch ablehnen. Allerdings wird die Nachbarschaftsgefahr nicht bei jedem Versicherungsprodukt gesondert erfasst. Während manche Tarife für private Wohngebäude solche Risiken pauschaler berücksichtigen, können sie bei gewerblichen und industriellen Objekten eine größere Bedeutung für die individuelle Risikobewertung haben. Ob ein Zuschlag erhoben wird, hängt von den Annahmerichtlinien des jeweiligen Versicherers ab. Was gilt, wenn sich die Nachbarschaftsgefahr nach Vertragsabschluss verändert?Verändert sich die Nutzung eines Nachbargrundstücks erheblich, beispielsweise durch die Einrichtung eines besonders brandgefährdeten Betriebs, kann sich dadurch das Schadenrisiko für ein versichertes Gebäude erhöhen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch eine versicherungsrechtliche Gefahrerhöhung mit einer Anzeigepflicht. Ob eine solche Veränderung rechtlich relevant ist, richtet sich insbesondere nach den Voraussetzungen der §§ 23 ff. Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und den vereinbarten Versicherungsbedingungen. Versicherungsnehmer sollten bei einer erkennbar erheblichen Veränderung der Risikosituation prüfen, ob eine Mitteilung an den Versicherer erforderlich ist. Weitere Informationen zur rechtlichen Einordnung von Veränderungen des versicherten Risikos enthält der Beitrag BGH-Urteil zur Gefahrerhöhung in der Gebäudeversicherung. |