FAQ – häufige Fragen zu Versicherungen und Vorsorge

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BegriffDefinition
Äquivalenzprinzip

Das Äquivalenzprinzip bezeichnet in der Versicherungswirtschaft den versicherungsmathematischen Grundsatz, dass die kalkulierten Beiträge und die erwarteten Versicherungsleistungen in einem rechnerisch angemessenen Verhältnis stehen sollen. Dabei werden insbesondere die Wahrscheinlichkeit eines Versicherungsfalls und die voraussichtliche Höhe der Versicherungsleistungen berücksichtigt.

Das Prinzip ist eine wichtige Grundlage der Beitragskalkulation. Es bedeutet allerdings nicht, dass jeder Versicherungsnehmer genau so viel an Leistungen erhält, wie er zuvor an Beiträgen gezahlt hat.

Wie funktioniert das Äquivalenzprinzip?

Versicherungsunternehmen kalkulieren ihre Beiträge anhand statistischer Daten und versicherungsmathematischer Annahmen. Dabei berücksichtigen sie unter anderem, wie häufig bestimmte Versicherungsfälle voraussichtlich eintreten und welche durchschnittlichen Kosten damit verbunden sind.

Vereinfacht lässt sich der erwartete Schadenaufwand aus der Eintrittswahrscheinlichkeit und der durchschnittlichen Schadenhöhe berechnen. Dieser erwartete Aufwand bildet eine Grundlage für die Risikoprämie.

Zum tatsächlich verlangten Versicherungsbeitrag können weitere Bestandteile hinzukommen, beispielsweise Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie kalkulatorische Sicherheitszuschläge. Deshalb ist der Versicherungsbeitrag nicht mit dem reinen mathematischen Schadenserwartungswert gleichzusetzen.

Was ist der Unterschied zwischen individuellem und kollektivem Äquivalenzprinzip?

In der Versicherungsmathematik wird zwischen zwei Betrachtungsweisen unterschieden:

  • Individuelles Äquivalenzprinzip: Bei der Beitragskalkulation wird das versicherte Risiko einer Person oder eines Vertrags berücksichtigt. Risikomerkmale können beispielsweise das Alter, der Gesundheitszustand oder die Art der versicherten Tätigkeit sein. Wie stark solche Merkmale berücksichtigt werden dürfen, hängt von der Versicherungsart und den gesetzlichen Vorgaben ab.
  • Kollektives Äquivalenzprinzip: Die kalkulierten Beitragseinnahmen eines Versichertenkollektivs sollen in einem angemessenen rechnerischen Verhältnis zu den erwarteten Versicherungsleistungen stehen. Dabei werden Risiken innerhalb der Versichertengemeinschaft ausgeglichen.

Beide Betrachtungsweisen schließen sich nicht aus. Versicherungsunternehmen können individuelle Risikomerkmale berücksichtigen und gleichzeitig auf einen Risikoausgleich innerhalb größerer Versichertengruppen angewiesen sein.

Welche Bedeutung hat das Äquivalenzprinzip in der privaten Krankenversicherung?

In der substitutiven privaten Krankenversicherung spielt die versicherungsmathematische Kalkulation eine wichtige Rolle. Bei der Beitragsberechnung werden unter anderem das Eintrittsalter, der vereinbarte Leistungsumfang und die kalkulierten Krankheitskosten berücksichtigt.

Dabei werden in entsprechenden Tarifen auch Alterungsrückstellungen aufgebaut, um die mit zunehmendem Alter erwarteten höheren Krankheitskosten bei der langfristigen Beitragskalkulation zu berücksichtigen.

Das Äquivalenzprinzip bedeutet jedoch nicht, dass die Beiträge während der gesamten Vertragslaufzeit unverändert bleiben. Verändern sich maßgebliche Kalkulationsgrundlagen und sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, können Beitragsanpassungen erforderlich werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Fachseite zur PKV-Beitragserhöhung.

Worin unterscheidet sich das Äquivalenzprinzip vom Solidarprinzip?

Beim Äquivalenzprinzip steht der rechnerische Zusammenhang zwischen Beiträgen und versicherten Risiken beziehungsweise erwarteten Leistungen im Vordergrund. Beim Solidarprinzip erfolgt die Finanzierung dagegen stärker nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Versicherten und unabhängig von ihrem individuellen Krankheitsrisiko.

Ein Beispiel ist die gesetzliche Krankenversicherung. Ihre Beiträge richten sich grundsätzlich nach den beitragspflichtigen Einnahmen und nicht nach einer individuellen Gesundheitsprüfung. Der Leistungsanspruch hängt nicht davon ab, ob die einzelne versicherte Person mehr oder weniger Beiträge als andere Mitglieder zahlt.

Allerdings gibt es auch innerhalb privatwirtschaftlicher Versicherungen einen kollektiven Risikoausgleich. Die beiden Prinzipien dürfen deshalb nicht als vollständig gegensätzliche Formen des Versicherungsschutzes verstanden werden.

Ist das Äquivalenzprinzip gesetzlich vorgeschrieben?

Das Äquivalenzprinzip ist zunächst ein versicherungsmathematischer Grundsatz und keine allgemeine gesetzliche Vorschrift, die für sämtliche Versicherungsverträge ein bestimmtes Verhältnis zwischen individuellem Beitrag und persönlichem Risiko vorschreibt.

Das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und weitere aufsichtsrechtliche Vorschriften enthalten Anforderungen an die Kalkulation, die finanzielle Ausstattung und die Geschäftstätigkeit von Versicherungsunternehmen. Für bestimmte Versicherungsarten, insbesondere die substitutive private Krankenversicherung, gelten besondere gesetzliche Kalkulationsvorgaben.

§ 74 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) ist dagegen keine Rechtsgrundlage des Äquivalenzprinzips. Die Vorschrift behandelt die Überversicherung in der Schadensversicherung.

Was bedeutet das Äquivalenzprinzip für Versicherungsnehmer?

Das Äquivalenzprinzip hilft zu verstehen, warum Versicherungsbeiträge je nach versichertem Risiko, Leistungsumfang und Tarif unterschiedlich hoch ausfallen können. Ein höheres versichertes Risiko kann zu höheren Beiträgen führen, muss aber nicht in jeder Versicherungsart unmittelbar oder vollständig auf den einzelnen Versicherungsnehmer übertragen werden.

Aus dem Äquivalenzprinzip ergibt sich weder ein Anspruch auf eine bestimmte Entschädigung noch eine Garantie für dauerhaft stabile Beiträge. Welche Leistungen der Versicherer erbringen muss, richtet sich nach dem Versicherungsvertrag und den gesetzlichen Bestimmungen.

Beim Vergleich von Versicherungsangeboten sollten Verbraucher deshalb nicht allein auf die Beitragshöhe achten, sondern insbesondere auf den versicherten Leistungsumfang, Selbstbeteiligungen, Ausschlüsse und die langfristigen Vertragsbedingungen.

Synonyme: versicherungstechnisches Äquivalenzprinzip, versicherungsmathematisches Äquivalenzprinzip, individuelles Äquivalenzprinzip, kollektives Äquivalenzprinzip