
FAQ
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Policendarlehen | Ein Policendarlehen ist ein Kredit, bei dem Ansprüche aus einer bestehenden kapitalbildenden Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung als Sicherheit dienen. Versicherungsnehmer können dadurch Geld erhalten, ohne ihren Versicherungsvertrag vorzeitig kündigen zu müssen. Das Darlehen kann vom Versicherer selbst oder von einem anderen Kreditgeber gewährt werden. Ob eine Beleihung möglich ist, hängt vom jeweiligen Vertrag und den Bedingungen des Anbieters ab. Wie funktioniert ein Policendarlehen?Die mögliche Darlehenshöhe orientiert sich insbesondere am Rückkaufswert der Versicherung. Bei klassischen kapitalbildenden Verträgen ermöglichen manche Anbieter eine Beleihung von bis zu 100 Prozent des garantierten Rückkaufswertes. Bei fondsgebundenen Versicherungen begrenzen einzelne Anbieter die Darlehenshöhe wegen möglicher Wertschwankungen beispielsweise auf 60 Prozent des aktuellen Rückkaufswertes. Diese Werte sind Anbieterbedingungen und keine gesetzlichen Beleihungsgrenzen. Zur Absicherung des Darlehens werden Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag in der Regel an den Kreditgeber abgetreten. Welche Voraussetzungen gelten?Voraussetzung ist ein geeigneter Versicherungsvertrag mit ausreichendem Beleihungswert. Reine Risikolebensversicherungen kommen mangels Rückkaufswert grundsätzlich nicht infrage. Staatlich geförderte Altersvorsorgeverträge wie Riester- und Basisrentenverträge eignen sich wegen ihrer rechtlichen Beschränkungen regelmäßig nicht für eine gewöhnliche Policenbeleihung. Eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestlaufzeit von fünf Jahren besteht nicht. Bereits bestehende Abtretungen oder Verpfändungen können eine Beleihung erschweren oder ausschließen. Ist ein Policendarlehen ohne SCHUFA möglich?Die Absicherung durch die Versicherung kann die Kreditvergabe erleichtern. Dennoch ist zwischen einer SCHUFA-Abfrage und der Meldung eines Darlehens an die SCHUFA zu unterscheiden. Kreditgeber können eine Kreditwürdigkeitsprüfung einschließlich einer Auskunfteiabfrage durchführen, ohne dass das Policendarlehen anschließend als Kredit eingetragen wird. Ob und welche Daten abgefragt oder gemeldet werden, richtet sich nach dem jeweiligen Anbieter und der Vertragsgestaltung. Welche Vorteile und Kosten entstehen?Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass der Versicherungsvertrag nicht allein wegen eines vorübergehenden Geldbedarfs gekündigt werden muss. Der Vertrag kann weiterlaufen und weiterhin an einer vertraglich vorgesehenen Überschussbeteiligung teilnehmen. Die Höhe künftiger Überschüsse ist jedoch nicht garantiert. Für das Darlehen fallen Zinsen und gegebenenfalls weitere vereinbarte Kosten an. Ein Policendarlehen ist deshalb nicht automatisch günstiger als ein Ratenkredit. Bei einer endfälligen Rückzahlung bleibt die Darlehensschuld zunächst unverändert, sodass während der gesamten Laufzeit Zinsen auf den ausstehenden Betrag anfallen. Wie wird ein Policendarlehen zurückgezahlt?Policendarlehen werden häufig als endfällige Kredite angeboten. Dabei zahlt der Darlehensnehmer während der Laufzeit die vereinbarten Zinsen und tilgt den Darlehensbetrag erst zum vereinbarten Fälligkeitstermin. Je nach Anbieter können Sondertilgungen, eine vorzeitige vollständige Rückzahlung oder eine Verlängerung der Laufzeit möglich sein. Bei Fälligkeit einer Versicherungsleistung kann eine offene Darlehensschuld unter den vereinbarten Voraussetzungen mit dieser verrechnet werden. Ob für eine vorzeitige Rückzahlung eine Entschädigung anfällt, hängt von den gesetzlichen Bestimmungen und den Vertragsbedingungen ab. Welche Auswirkungen hat das Darlehen auf die Versicherung?Die Beleihung führt nicht automatisch zur Beendigung des Versicherungsvertrags. Der vereinbarte Versicherungsschutz bleibt grundsätzlich bestehen, solange die dafür erforderlichen Vertragsvoraussetzungen erfüllt werden. Werden Versicherungsbeiträge nicht weitergezahlt oder wird der Vertrag beitragsfrei gestellt, können sich insbesondere bei eingeschlossenen Zusatzversicherungen Änderungen des Versicherungsschutzes ergeben. Eine offene Darlehensschuld einschließlich Zinsen kann außerdem die tatsächlich verbleibende Auszahlung bei Vertragsablauf, Kündigung oder Eintritt eines Versicherungsfalls vermindern. Was geschieht, wenn das Darlehen nicht zurückgezahlt werden kann?Kann der Darlehensnehmer seine Verpflichtungen nicht erfüllen, kann der Kreditgeber unter den vereinbarten Voraussetzungen die zur Sicherheit abgetretenen Ansprüche verwerten. Dadurch kann der Versicherungsvertrag wirtschaftlich oder rechtlich beeinträchtigt werden. Reicht der Verwertungserlös nicht zur vollständigen Tilgung aus, kann eine verbleibende Forderung bestehen. Deshalb sollte bereits vor der Kreditaufnahme feststehen, wie die Rückzahlung finanziert werden soll. Worauf sollten Versicherungsnehmer achten?Vor einer Beleihung sollten insbesondere der effektive Jahreszins, die gesamten Kreditkosten, die Laufzeit, die Rückzahlungsmöglichkeiten und die Folgen für die spätere Versicherungsleistung geprüft werden. Bei älteren, steuerlich begünstigten Lebensversicherungen kann zudem die Verwendung des Darlehens für steuerliche Fragen bedeutsam sein, insbesondere wenn Darlehenszinsen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden sollen. Im Zweifel ist eine individuelle steuerliche Prüfung sinnvoll. Grundlegende Informationen zu den zugrunde liegenden Versicherungen finden Sie unter Kapitallebensversicherung und private Rentenversicherung. |