
FAQ
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Moral Hazard | Moral Hazard (deutsch: moralisches Wagnis oder moralisches Risiko) bezeichnet eine Verhaltensänderung, die entstehen kann, wenn Menschen oder Unternehmen gegen finanzielle Risiken abgesichert sind. Wer die Folgen eines Schadens nicht vollständig selbst tragen muss, hat unter Umständen einen geringeren Anreiz, Schäden zu vermeiden oder deren Kosten zu begrenzen. Der Begriff stammt aus der Versicherungswirtschaft, wird aber auch in anderen wirtschaftlichen Zusammenhängen verwendet. Wie entsteht Moral Hazard bei Versicherungen?Moral Hazard kann entstehen, wenn Versicherungsnehmer ihr Verhalten nach Abschluss einer Versicherung verändern und der Versicherer dieses Verhalten nicht vollständig beobachten kann. In der Wirtschaftswissenschaft wird diese Form der Informationsasymmetrie auch als Hidden Action bezeichnet. Beispielsweise könnte jemand mit einer Vollkaskoversicherung weniger sorgfältig mit seinem Fahrzeug umgehen, weil ein Teil der finanziellen Folgen eines Schadens versichert ist. Das bedeutet nicht, dass sich alle Versicherten so verhalten oder dass eine solche Verhaltensänderung bewusst erfolgt. Was ist der Unterschied zwischen Ex-ante- und Ex-post-Moral-Hazard?Beim Ex-ante-Moral-Hazard verändert sich das Verhalten vor Eintritt eines möglichen Schadens. Versicherte könnten beispielsweise weniger in vorbeugende Schutzmaßnahmen investieren, weil sie gegen die finanziellen Folgen eines Schadens abgesichert sind. Beim Ex-post-Moral-Hazard geht es um das Verhalten nach Eintritt eines Schadens oder Versicherungsfalls. In der Krankenversicherung kann dies beispielsweise eine stärkere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen betreffen, wenn Versicherte die Kosten nicht unmittelbar selbst tragen müssen. Daraus folgt jedoch nicht, dass medizinische Behandlungen unnötig sind oder Versicherte unberechtigte Ansprüche geltend machen. Welche Folgen kann Moral Hazard haben?Wenn Versicherungsschutz die Schadenhäufigkeit, die Schadenhöhe oder die Inanspruchnahme von Leistungen erhöht, können die Ausgaben des Versicherers steigen. Langfristig kann sich dies auf die Beitragskalkulation und die Versicherungsbedingungen auswirken. Moral Hazard ist allerdings nur einer von mehreren Faktoren, die Versicherungsbeiträge beeinflussen. Wie versuchen Versicherer, Moral Hazard zu begrenzen?Ein verbreitetes Instrument sind Selbstbeteiligungen. Weil Versicherungsnehmer einen Teil des Schadens selbst tragen, bleibt ein finanzieller Anreiz zur Schadenvermeidung bestehen. Auch vertragliche Obliegenheiten, Schadenfreiheitsrabatte und risikogerechte Beitragsmodelle können dazu beitragen, die Interessen von Versicherer und Versicherungsnehmer einander anzunähern. Solche Maßnahmen müssen jedoch angemessen ausgestaltet sein. Besonders in der Krankenversicherung können hohe Eigenbeteiligungen dazu führen, dass Versicherte aus Kostengründen auf medizinisch notwendige Leistungen verzichten. Eine Begrenzung von Moral Hazard ist deshalb nicht automatisch mit einem besseren Versicherungsschutz gleichzusetzen. |