
FAQ
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Morbidität und Multimorbidität | Morbidität und Multimorbidität beschreiben unterschiedliche Aspekte von Erkrankungen. Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit oder Krankheitsbelastung in einer Bevölkerung beziehungsweise Bevölkerungsgruppe. Multimorbidität bedeutet dagegen, dass bei einem Menschen mehrere Erkrankungen gleichzeitig bestehen. Beide Begriffe sind für die Medizin, die Gesundheitsstatistik und das Versicherungswesen von Bedeutung. Was bedeutet Morbidität?In der Gesundheitsstatistik beschreibt Morbidität, wie häufig Krankheiten in einer bestimmten Bevölkerung auftreten. Dabei wird zwischen der Prävalenz, also dem Anteil der Menschen mit einer bestimmten Erkrankung zu einem Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitraums, und der Inzidenz, also dem Auftreten neuer Erkrankungsfälle innerhalb eines festgelegten Zeitraums, unterschieden. Die Morbidität kann sich auf einzelne Krankheiten oder auf die allgemeine Krankheitsbelastung beziehen. Was bedeutet Multimorbidität?Von Multimorbidität spricht man üblicherweise, wenn bei einer Person mindestens zwei Erkrankungen gleichzeitig bestehen. Häufig werden dabei chronische Krankheiten betrachtet, beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck oder Arthrose. Multimorbidität tritt besonders im höheren Lebensalter auf, kann aber auch jüngere Menschen betreffen. Die Zahl der Diagnosen allein sagt noch nichts darüber aus, wie stark der Alltag eines Menschen beeinträchtigt ist. Welche Bedeutung haben die Begriffe für Versicherungen?In der gesetzlichen Krankenversicherung spielt die Morbidität insbesondere beim morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich eine Rolle. Krankenkassen erhalten aus dem Gesundheitsfonds Zuweisungen, die unter anderem die unterschiedliche Krankheitsbelastung ihrer Versicherten berücksichtigen. Die individuellen Beiträge richten sich dagegen grundsätzlich nach den beitragspflichtigen Einnahmen und den geltenden Beitragssätzen, nicht nach dem persönlichen Gesundheitszustand. In der privaten Krankenversicherung können bestehende Erkrankungen bei einem Neuabschluss die Risikoprüfung beeinflussen. Im regulären Tarifangebot sind je nach Ergebnis beispielsweise Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse oder eine Ablehnung möglich. Für gesetzlich geregelte Sondertarife wie den Basistarif gelten abweichende Aufnahme- und Vertragsbedingungen. Auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung können Vorerkrankungen und mehrere gleichzeitig bestehende Erkrankungen für die Risikoprüfung relevant sein. Multimorbidität bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Person berufsunfähig oder pflegebedürftig ist. Für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit kommt es insbesondere auf gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten an. Warum ist die Unterscheidung wichtig?Morbiditätsdaten helfen dabei, die gesundheitliche Versorgung einer Bevölkerung zu planen und Krankheitsrisiken statistisch einzuschätzen. Multimorbidität beschreibt dagegen die besondere Situation von Menschen mit mehreren gleichzeitig bestehenden Erkrankungen. Für Versicherungen sind deshalb sowohl die Krankheitsbelastung größerer Versichertengruppen als auch die individuelle gesundheitliche Situation von Bedeutung. |