FAQ – häufige Fragen zu Versicherungen und Vorsorge

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BegriffDefinition
Rentenartfaktor

Der Rentenartfaktor ist ein Bestandteil der Rentenformel der gesetzlichen Rentenversicherung. Er berücksichtigt, dass unterschiedliche Rentenarten unterschiedliche Sicherungsziele haben. Während eine Altersrente oder eine Rente wegen voller Erwerbsminderung grundsätzlich eine umfassendere Einkommensersatzfunktion erfüllen soll, dient beispielsweise eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung nur der teilweisen Absicherung.

Der Rentenartfaktor ist gesetzlich festgelegt. Seine Höhe richtet sich nach der jeweiligen Rentenart und wird nicht individuell anhand des Einkommens oder der Beitragsjahre eines Versicherten berechnet.

Welche Bedeutung hat der Rentenartfaktor?

Die monatliche gesetzliche Rente wird mit der Rentenformel berechnet. Dabei werden die persönlichen Entgeltpunkte, der Rentenartfaktor und der aktuelle Rentenwert miteinander multipliziert. Die persönlichen Entgeltpunkte berücksichtigen dabei bereits den Zugangsfaktor.

Vereinfacht dargestellt lautet die Rentenformel:

Persönliche Entgeltpunkte × Rentenartfaktor × aktueller Rentenwert = monatliche Bruttorente

Der Rentenartfaktor bestimmt damit, in welchem Umfang die persönlichen Entgeltpunkte bei der jeweiligen Rentenart berücksichtigt werden.

Wie hoch ist der Rentenartfaktor?

Die Rentenartfaktoren sind in § 67 SGB VI gesetzlich festgelegt. Für die wichtigsten Rentenarten gelten folgende Faktoren:

Für bestimmte Witwen- und Witwerrenten nach altem Recht gelten abweichende Regelungen. Bei der großen Witwen- oder Witwerrente kann der Rentenartfaktor beispielsweise 0,6 statt 0,55 betragen.

Was bedeutet ein Rentenartfaktor von 1,0 oder 0,5?

Ein Rentenartfaktor von 1,0 bedeutet nicht, dass für jeden Entgeltpunkt ein Euro Rente gezahlt wird. Der Geldwert eines Entgeltpunktes wird durch den aktuellen Rentenwert bestimmt.

Hat eine Rentenart den Rentenartfaktor 1,0, wird der durch die persönlichen Entgeltpunkte und den aktuellen Rentenwert bestimmte Betrag insoweit vollständig berücksichtigt. Bei einem Rentenartfaktor von 0,5 wird dagegen nur die Hälfte dieses Betrags angesetzt.

Deshalb beträgt der Rentenartfaktor bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5, während er bei einer Rente wegen voller Erwerbsminderung 1,0 beträgt. Die teilweise Erwerbsminderungsrente soll den verbleibenden möglichen Erwerb nur ergänzen und nicht vollständig ersetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Rentenartfaktor und Zugangsfaktor?

Rentenartfaktor und Zugangsfaktor erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der Rentenartfaktor richtet sich nach der Art der Rente und ihrem Sicherungsziel. Der Zugangsfaktor berücksichtigt dagegen insbesondere, ob eine Altersrente zum vorgesehenen Zeitpunkt, vorzeitig oder erst später in Anspruch genommen wird.

Ein vorzeitiger Rentenbeginn kann deshalb den Zugangsfaktor und damit die persönlichen Entgeltpunkte vermindern, ohne dass sich der Rentenartfaktor der jeweiligen Altersrente verändert. Für Altersrenten beträgt der Rentenartfaktor grundsätzlich weiterhin 1,0.

Ändert sich der Rentenartfaktor jedes Jahr?

Nein. Der Rentenartfaktor wird nicht wie der aktuelle Rentenwert regelmäßig an die Lohnentwicklung angepasst. Die Werte sind gesetzlich festgelegt und ändern sich nur, wenn der Gesetzgeber die entsprechenden Vorschriften verändert.

Die regelmäßige Rentenanpassung erfolgt insbesondere über den aktuellen Rentenwert. Rentenartfaktor und aktueller Rentenwert sollten deshalb nicht miteinander verwechselt werden.

Warum gibt es unterschiedliche Rentenartfaktoren?

Die unterschiedlichen Faktoren spiegeln die verschiedenen Funktionen der Rentenarten wider. Eine Altersrente oder eine Rente wegen voller Erwerbsminderung soll Einkommen in größerem Umfang ersetzen. Eine teilweise Erwerbsminderungsrente ergänzt dagegen ein noch teilweise erzielbares Erwerbseinkommen. Hinterbliebenenrenten wiederum ersetzen einen Teil des durch den Tod des Versicherten weggefallenen Unterhalts.

Der Rentenartfaktor ist damit keine Bewertung der persönlichen Versicherungsleistung, sondern ein gesetzlich festgelegter Bestandteil der Berechnung für die jeweilige Rentenart.

Zusammenfassung: Der Rentenartfaktor bestimmt, in welchem Umfang die persönlichen Entgeltpunkte bei einer bestimmten Rentenart in die Rentenberechnung eingehen. Für Altersrenten und Renten wegen voller Erwerbsminderung beträgt er beispielsweise 1,0, für Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5. Anders als der aktuelle Rentenwert wird der Rentenartfaktor nicht regelmäßig angepasst, sondern ist gesetzlich festgelegt.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Leistungen finden Sie unter Rentenarten der gesetzlichen Rentenversicherung und auf unserer Seite zur gesetzlichen Rentenversicherung.